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Kreischas Gemeinderäte stimmen gegen Kuhgarten-Projekt

Während die Gemeinde einen Bebauungsplan aufstellt, treibt das Landratsamt ein paralleles Verfahren voran. Der Bürgermeister ist verwundert.

Auf diesem Grünland vor oberhalb von Kleincarsdorf soll ein neuer Stall gebaut werden.
Auf diesem Grünland vor oberhalb von Kleincarsdorf soll ein neuer Stall gebaut werden. © Karl-Ludwig Oberthuer

Kreischas Bürgermeister Frank Schöning ist eigentlich ein erfahrener Verwaltungsprofi. Kaum ein Vorgang gibt es im Rathaus, den er nicht schon erlebte oder den er zumindest gut erläutern kann. Doch nun musste auch er mit den Schultern zucken. "Nicht mal die Juristen konnten uns erklären, was das bedeuten soll", kommentiert er einen Vorgang um den geplanten Kuhgarten in Kleincarsdorf.

Dabei ging es um das sogenannte gemeindliche Einvernehmen in einem immissionsschutzrechtlichen Verfahren. Also das Einverständnis der Gemeinde zum Bauvorhaben der Dresdner Vorgebirgs Agrar AG aus Bannewitz. Das Landwirtschaftsunternehmen möchte im Kreischaer Ortsteil Kleincarsdorf einen neuen Stall errichten.

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Geplant ist "ein innovatives, modernes und besonders tiergerechtes Bauvorhaben", verspricht die Vorgebirgs Agrar AG auf ihrer Homepage. Im Gegenzug soll eine alte Stallanlage im Rabenauer Ortsteil Obernaundorf stillgelegt werden.

Stall für mehr als 700 Rinder geplant

Am Rand von Kleincarsdorf möchten die Landwirte auf einer riesigen Grünfläche einen Stall für etwa 630 Milchkühe und ihre gut 130 Kälber bauen. Die Anlage soll einem lichtdurchfluteten Wintergarten mit viel Grün im Halleninneren und Auslauf auch im Freien bestehen.

"Wir gewährleisten natürliche Bedingungen und durch eine individuelle Tierplatzgestaltung und ein innovatives Stallkonzept einen Mehrwert für das Wohlbefinden, die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Milchkühe", schreibt das Unternehmen weiter.

Völliger Quatsch, meinen dazu viele Kleincarsdorfer. Sie befürchten einen Stall wie jeden anderen - verbunden mit Lärm, Geruch und Verkehrsbelastungen fürs Dorf, insbesondere die direkten Nachbarn. Es gab eine Unterschriftensammlung gegen das Vorhaben, gut 75 Prozent der Kleincarsdorfer unterzeichneten.

Sperre gegen Bebauung

Im Kreischaer Rathaus gibt man sich neutral und beschreitet erst einmal den amtlich vorgegebenen Weg. Weil das Land, welches bebaut werden soll, bisher eine Grünfläche ist, lässt die Gemeinde einen Bebauungsplan erstellen. In dem werden unter anderem die Größe der Gebäude, die Zufahrten, Abstande zur Wohnbebauung und Auflagen zum Immissionsschutz festgelegt.

Aktuell finden im Einzugsgebiet des zukünftigen Kuhgartens Untersuchungen zum Artenschutz statt. Ein Büro wird anschließend einen Umweltbericht erstellen.

Außerdem hat Kreischa eine Veränderungssperre für die riesige Wiese verhängt. Das bedeutet, dass erst dann ein Bauantrag vom Landratsamt genehmigt und gebaut werden kann, wenn der Bebauungsplan steht und die Sperre aufgehoben ist.

Warum nun das Landratsamt auf Betreiben der Agrar AG das noch vor dem Bebauungsplan beantragte Immissionsschutzrechtliche Verfahren weiter durchzieht, verwundert den Bürgermeister und die Gemeinderäte. Denn es widerspricht dem Instrument der Veränderungssperre samt Bebauungsplanung.

"Für uns gibt es in der Angelegenheit keinen neuen Sachstand", äußerte Bürgermeister Schöning. Das sahen auch die Gemeinderäte so - und lehnten einstimmig das Einvernehmen ab.

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