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Neue Bühne für Kreischas Künstlerdorf

Der alte Kuhstall des Orth'schen Guts in Quohren ist der kulturelle Brennpunkt des Dorfes. So langsam kehrt hier Normalität ein, nun sogar mit neuer Ausstattung.

Beate Grimmer (links) und Ursula Knepper vom Verein Quohrener Leben probieren die neue Bühne schon mal aus.
Beate Grimmer (links) und Ursula Knepper vom Verein Quohrener Leben probieren die neue Bühne schon mal aus. © Daniel Schäfer

Die Türen sind weit geöffnet, damit die klare Herbstluft durchziehen kann. Lüften ist ja das neue Zauberwort, auch wenn es im alten Kuhstall schon frisch genug ist. Nach Tieren riecht es hier aber längst nicht mehr. Dafür ist der Stall, ein riesiger Raum mit Natursteinwänden und alten Sandsteinpfeilern, längst über die Dorfgrenzen von Quohren hinaus bekannt.

Das liegt an Menschen wie Beate Grimmer und Ursula Knepper. Beide gehören zum Verein Quohrener Leben, der seit 2002 nicht nur Dorffeste, Wanderungen und Seniorennachmittage organisiert, sondern auch kulturelle Angebote der etwas anderen Art auf die Beine stellt.

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Dreh- und Angelpunkt ist dabei das Orth'sche Gut an der Talstraße 30.

Kuhstall schon längst kein Geheimtipp mehr

Das Gehöft gehört Bernd Orth, der jedoch kein Landwirt, sondern Arzt ist und derzeit beruflich in Nordfriesland arbeitet. Als er in den Neunzigern in die Bavaria-Klinik nach Kreischa kam, war für ihn Quohren als neuer Wohnort erste Wahl.

Er kaufte den damals völlig heruntergekommen Hof und begann mit einer mehrjährigen Sanierung. In das alte Wohnstallhaus wurden dabei unter anderem mehrere Wohnungen eingebaut, die heute vermietet werden. 2002 war dann der alte Kuhstall an der Reihe. Es gab die Überlegung, auch dort Wohnungen einzubauen.

Doch der beinahe hallenähnliche Gebäudeteil wurde zu Quohrens Kultursaal. "Wir veranstalten hier regelmäßig kleine Konzerte, Lesungen, Theateraufführungen, Feste", zählt Ursula Knepper auf, die auf dem Hof wohnt und den Kuhstall stellvertretend für den Hausherrn verwaltet.

Geradezu bekannt geworden und schon längst kein Geheimtipp mehr ist der Quohrener Advent.

Ländliches Flair, junges Publikum

Entgegen kommt dem Verein, dass sich in Quohren im Laufe der vergangenen drei Jahrzehnte zahlreiche Künstler angesiedelt haben. Im Dorf leben mittlerweile Maler, Berufsmusiker, Schauspieler. Und die kennen wiederum viele Kollegen, die inzwischen auch gerne nach Quohren kommen.

Denn, so Beate Grimmer und Ursula Knepper, ist das Orth'sche Gut so ein spezieller Ort: mit einer Mischung aus altem, ländlichen Flair und jungen, aufgeschlossenem Publikum.

Da war es bisher ärgerlich, dass eine richtige Bühne fehlte. Wer im Orth'schen Gut auftrat, musste auf dem Fußboden spielen. "Wir haben immer wieder überlegt, ob wir uns etwas zimmern, aus alten Paletten zum Beispiel", berichtet Beate Grimmer. Doch die Überlegungen wurden verworfen - zu schwer und schlecht zu lagern, hieß es.

Im Frühjahr dieses Jahres sahen die gut 50 Mitglieder vom Quohrener Leben ihre Chance gekommen.

6.400 Euro Unterstützung

Damals informierte die Gemeinde Kreischa über neue Fördermöglichkeiten für Kleinprojekte im Rahmen "Silbernen Erzgebirges". Die Quohrener schrieben einen Fördermittelantrag, aber den Beate Grimmer im Nachhinein noch stöhnt: "Das war viel Arbeit und sehr kompliziert."

Doch es hat sich gelohnt. Der Verein bekam 6.400 Euro Unterstützung für den Kauf einer Bühne. Die hat insgesamt 8.000 Euro gekostet und steht nun im alten Kuhstall.

Sie besteht aus 16 Elementen, Stützen und Deckplatten sind voneinander getrennt und damit leicht zu verstauen. Man kann die einzelnen Teile individuell zusammenstecken, im Schema fünf mal drei oder vier mal vier zum Beispiel. "Sogar ein Laufsteg für eine Modenschau wäre möglich", sagt Ursula Knepper.

Nyckelharpa-Konzert am Wochenende

Am Wochenende soll die Bühne in Betrieb gehen, zunächst am Sonnabend bei einer Veranstaltung für geladene Gäste.

Am Sonntag gibt es dann ab 17 Uhr ein Konzert für alle. Auftreten wird das Duo Fröken Schultze. Die beiden Frauen spielen die Nyckelharpa, auch Schlüsselharfe genannt, ein Instrument, welches im Mittelalter vor allem im skandinavischen Raum verbreitet war.

Eine der beiden Musikerinnen, Caterina Other, wohnt - man ahnt es - in Quohren.

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