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Wann kommen Kreischas Schulcontainer?

Der Raummangel an der Schule spitzt sich zu. Es soll ein Interim aufgestellt werden, doch die Gemeinde lässt sich damit Zeit. Den Eltern reicht es jetzt.

Jens Feilotter (links) und Enrico Jutzies von der Elterninitiative wollen endlich Taten sehen.
Jens Feilotter (links) und Enrico Jutzies von der Elterninitiative wollen endlich Taten sehen. © Daniel Schäfer

Der Tisch steht am Rand des Ganges, drei Schüler sitzen daran, vor sich ein Buchstabenspiel. Hinter den Kindern, auf der anderen Gangseite, stehen die Schulranzen. Einige Jungen toben durchs Treppenhaus, offenbar auf der Suche nach einer Beschäftigung. Hortzeit in Kreischa. "Das ist so typisch für hier", sagt Enrico Jutzies. Man sehe das Problem auf einen Blick. Kreischas Schulproblem. 

Das Gebäude am Kirchweg ist zu klein für die vielen Schüler in der Grund- und Oberschule geworden. Mittlerweile gibt es in manchen Jahrgängen drei Parallelklassen. Das war bis Ende der 2000er-Jahre noch ganz anders: Damals wurde in den Schulbehörden über eine Schließung zumindest der Oberschule diskutiert. Denn schon für die Bildung auch nur einer Klasse gab es in manchen Jahrgängen zu wenige Kinder. Vorbei die Zeiten. Seit Langem verzeichnet Kreischa Zuzug an jungen Familien, die Geburtenzahlen in der Gemeinde steigen. Die Kindergärten wurden bereits ausgebaut. Aber in der Schule blieb alles beim Alten.

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Das führt zu Frust bei den Eltern und zu seltsamen Konkurrenzsituationen. So müssen die beiden Schulleiter jedes Jahr einen neuen Plan austüfteln, wer wie viele Räume für seine Klassen zur Verfügung bekommt. "Unsere Kinder haben hier keine guten Lernbedingungen mehr. Auch viele Lehrer sind genervt", sagt Jens Feilotter. Zusammen mit Enrico Jutzies sowie weiteren Müttern und Vätern bildet er eine Elterninitiative. Deren Ziel ist es, Druck zu machen. Neulich waren sie in der Sitzung des Gemeinderates, um auf den Mangel hinzuweisen. 

Viele Pläne, keine Lösung

Dabei ist zumindest der Verwaltung die Dimension seit Langem bekannt. So schickte das Landesamt für Schule und Bildung im Mai 2018 Mitarbeiter nach Kreischa, um sich ein Bild von der Situation zu machen. In der nachfolgenden Analyse schreibt die Behörde: "Das Landesamt empfiehl nach Prüfung der Raumsituation eine Erweiterung des Schulgebäudes um mindestens acht Räume, um optimalen Fall um bis zu elf Räume." Ab dem Schuljahr 2022/23 sei das Schulgebäude nicht mehr für die Erfüllung des Bildungsauftrages ausreichend. Das Gutachten ging der Gemeinde im Juli 2018 zu. Doch es tat sich nichts.

Feilotter und Jutzies wundert das nicht mehr. "Ich habe seit 2015 Kinder in dieser Schule. Seitdem wurden zwar immer wieder Pläne gemacht, aber nie umgesetzt. Nur die Planungsbüros haben daran verdient", berichtet Enrico Jutzies, der auch im Elternrat aktiv ist und so einiges mitbekommen hat, was hinter den Kulissen lief.

Zuletzt lief eine Planung für den ganz großen Schlag. Die Gemeinde hatte einen Architektenwettbewerb ausgelobt für einen völlig neuen Schulcampus. Im Juni dieses Jahres wurde der Preisträger verkündet. Der Entwurf eines Stuttgarter Büros machte den ersten Platz. Die Architekten aus Schwaben schlagen vor, eine neue Grundschule und ein Sportzentrum zu bauen. Steht alles, kann der Schulaltbau - vom Typ Dresden und 1973 errichtet - saniert und erweitert werden. Klingt gut. Die Kehrseite: Das Projekt ist auf gut zehn Jahre angelegt und dürfte etwa 20 Millionen Euro kosten.

Die Pandemie ist Schuld

Weil aber die Kapazitäten jetzt schon erschöpft sind, möchte die Gemeinde eine kurzfristige Entlastung schaffen. "Wir kennen die Belastung der Schulen durch räumliche Enge und selbst an einer raschen Lösung interessiert", sagt Bürgermeister Frank Schöning dazu. Bereits vor den Sommerferien verkündete er im Gemeinderat, dass Unterrichtscontainer aufgebaut werden sollen. Möglichst zum Schuljahresbeginn, spätestens aber zu den Herbstferien sollte das Interim stehen. Richtig dringend wurde das Vorhaben, als in den Sommerferien durch einen Wasserschaden drei Fachkabinette - Biologie, Physik und Chemie - absoffen. Die Räume sind seitdem gesperrt, was den Platzmangel noch prekärer macht.

Dass dennoch keine Container stehen, begründet der Gemeinde-Chef mit der Corona-Pandemie. Der Aufbau der Container sei nämlich, so Schöning, an das Ergebnis des Architektenwettbewerbs gekoppelt gewesen. "Erst mit der Auswahl des Siegers stand aber auch fest, welche Variante des Ausbaues und der möglichen Stellplätze für ein Interim in Betracht kommen." 

Aufgrund des Lockdowns fand die Sitzung des Preisgerichts erst im Juni statt. Erst anschließend konnten Angebote für die Container eingeholt werden. Doch die Firmen antworteten nur zögerlich, bis Ende September zogen sich die Gespräche hin. Jetzt liegen drei Angebote vor. Anfang November sollen der Technische Ausschuss sowie der Verwaltungsausschuss darüber beraten. Dann kann Mitte November der Gemeinderat den Zuschlag erteilen. Anschließend muss beim Landkreis die Baugenehmigung eingeholt werden, was erfahrungsgemäß bis zu drei Monate dauert. Vor den Winterferien werden die Container kaum stehen.

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