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Ballettsaal steht zwangsweise leer

Das Tanzstudio Freital darf nicht trainieren. Nun hat der Verein an Sachsens Ministerpräsidenten geschrieben.

Vereinsvorsitzende Anja El Hachadi (rechts) und Kassenwart Birgit Pietzsch vom Tanzstudio Freital im Ballettsaal im Gasthof Poisental, der wegen der staatlichen Restriktionen seit Monaten nicht genutzt werden darf.
Vereinsvorsitzende Anja El Hachadi (rechts) und Kassenwart Birgit Pietzsch vom Tanzstudio Freital im Ballettsaal im Gasthof Poisental, der wegen der staatlichen Restriktionen seit Monaten nicht genutzt werden darf. © Thomas Morgenroth

Im vergangenen Oktober reiste das Tanzstudio Freital mit Alice in das Wunderland. 35 Mitwirkende, vor allem Kinder und Jugendliche, brachten die phantastische Geschichte als Ballett zweimal auf die große Bühne des Stadtkulturhauses Freital. Das Publikum war begeistert. Damals ging noch einiges, was heute, bei ähnlichem Infektionsgeschehen mit Sars-CoV-2, nicht mehr geht. Die Aufführungen, auf die der Verein das ganze Jahr lang hingearbeitet hat, waren so ziemlich die letzten Aktivitäten des Tanzstudios bis heute.

Das Tanzen in Gemeinschaft hat Sachsens Staatsregierung vor fast fünf Monaten verboten. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem das Tanzstudio, das aus der Tanzgruppe des Edelstahlwerks hervorgegangen ist und seit 2001 ein eigenständiger Verein ist, am 1. November endlich einen eigenen Ballettsaal im Gasthof Poisental einweihen konnte. Der rutschhemmende schwarze Belag ist in vier Bahnen nebeneinander auf den Fußboden geklebt, die Spiegel sind an der Stirnseite angebracht, und die beiden Balancierstangen stehen bereit. Aber getanzt hat hier seither keiner.

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„Wir haben uns nun auf die Eröffnung am 22. März gefreut“, sagt Anja El Hachadi, die Vereinsvorsitzende. „Das war ja so in Aussicht gestellt. Wir erfüllen auch alle Vorgaben: Wir können ausreichend Abstand beim Training einhalten und über große Fenster lüften, ich habe eine Schulung zur Testerin über meinen Arbeitgeber, dem DRK Freital, absolviert.“ Aber dann kam die Hiobsbotschaft vom Landratsamt: Es darf noch immer nicht getanzt werden.

Bitte um Hilfe an Kretschmer

„Wir waren so aufgebracht, dass wir einen Brief an Sachsens Ministerpräsidenten geschrieben haben“, sagt Birgit Pietzsch, Kassenwart und gute Seele des Vereins. Darin heißt es unter anderem: „Wir haben es bisher geschafft, unsere Kinder und Eltern zu motivieren, dass sie durchhalten. Nach dem ersten Lockdown ist es gelungen, das Ballett „Alice im Wunderland“ in einer eigenen Interpretation aufzuführen. Dafür haben wir alle gemeinsam gekämpft – es gab keine einzige nachgewiesene Infektion von Corona – nicht bei den Proben und nicht bei unseren beiden Aufführungen.“

Nun bittet der Verein Michael Kretschmer persönlich um Hilfe: „Bitte stellen Sie uns zu unseren Trainingstagen Coronaschnelltests zur Verfügung, damit wir unseren Kindern von Klasse eins bis Abitur wieder eine Möglichkeit zum Trainieren bieten können. Vielleicht können Sie sich ein Pilotprojekt mit unserem Studio vorstellen.“ Eine Antwort gibt es bisher nicht.

Derweil stehen Anja El Hachadi und Birgit Pietzsch, ihre Mutter, traurig im lichtdurchfluteten Saal. Die Bedingungen für die derzeit 45 Mitglieder des Vereins haben sich deutlich verbessert. Bis dahin trainierten die Tänzerinnen und Tänzer im Stadtkulturhaus Freital, zumeist auf der großen Bühne. Dort war es oft dunkel, wenn das Bühnenlicht nicht angeschaltet war, und es gibt keine Fenster zum Lüften. Außerdem sei der Aufwand groß gewesen, sagt Anja El Hachadi. „Der Tanzteppich und die Spiegel mussten immer auf- und wieder abgebaut werden.“

Beides ist nun in Niederhäslich fest montiert. Der Raum, etwa 100 Quadratmeter groß, stand in den vergangenen dreißig Jahren meistens leer. Seine Vergangenheit als Saal für Feiern und Diskotheken sieht man ihm an. In der Ecke steht ein Tresen mit Zapfhähnen, an der Decke hängt eine Spiegelkugel. Eine Renovierung sei geplant, auch der Einbau einer Heizung.

Schrittweise Sanierung geplant

Mit Andreas Menzer hat das Tanzstudio einen Vermieter gefunden, der nicht aufs schnelle Geld aus ist. „Ich freue mich, wenn wieder Leben im Haus ist“, sagt er. Er will das rund 120 Jahre alte Gebäude, das seit 1920 in Familienbesitz ist, Stück für Stück sanieren. Einiges ist bereits geschafft, zuletzt zog im Erdgeschoss ein Friseurgeschäft ein. Die Gaststätte ist seit ein paar Jahren geschlossen, und das bleibt sie wohl auch. „Ich glaube nicht, dass sich noch mal ein Pächter findet“, sagt Menzer.

Aber manchmal kommt es anders, als man denkt. Wie mit dem Saal, der nun nach langer Zeit wieder genutzt wird. Wenn es der Staat denn erlaubt.

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