merken
PLUS Freital

Der König mit dem dreibeinigen Pferd

Das Reiterrelief am Windbergdenkmal in Freital soll restauriert werden. Bis zum 100. Stadtgeburtstag wird es wohl nicht fertig.

Das stark verwitterte Reiterrelief am König-Albert-Denkmal auf dem Windberg in Freital soll saniert werden.
Das stark verwitterte Reiterrelief am König-Albert-Denkmal auf dem Windberg in Freital soll saniert werden. © Karl-Ludwig Oberthür

Was für ein bedauernswerter Anblick: König Albert von Sachsen, seines rechten Unterschenkels beraubt, reitet hoch über Freital auf einem räudigen Gaul, der nur drei Beine hat. Der Herrscher, dem die Bewohner des Plauenschen Grundes mit einem Denkmal auf dem Windberg für die militärischen Hilfsleistungen beim Hochwasser von 1897 danken wollten, ist kaum noch zu erkennen. Alberts Gesicht befindet sich in Auflösung. Die Augen sind blind, die Nase ist verstümmelt, der markante Backenbart wild gestutzt.

Wind und Wetter und vor allem die ätzenden Ausdünstungen der Industriebetriebe hatten dem aus weichem Cottaer Sandstein bestehenden Reiterstandbild des Dresdner Bildhauers Heinrich Wedemeyer schon in den ersten fünfzig Jahren so arg zugesetzt, dass es 1951 zum Schutz vor weiterem Verfall zugemauert wurde. Vierzig Jahre lang blieb Albert im Sockel des 1904 eingeweihten siebzehn Meter hohen Obelisken verborgen, bis er kurz nach der Wende erneut das Licht des nun deutlich saubereren Weißeritztales erblickte.

Anzeige
Vernünftige Rendite statt 0 % Zinsen
Vernünftige Rendite statt 0 % Zinsen

Geld anlegen. Klassische Zinsen kassieren. Das ist auf absehbare Zeit schwierig. Mit MeinInvest investiert man in die Zukunft!

Die Jahreszahl 1873 verweist auf die Krönung Albert von Sachsens.
Die Jahreszahl 1873 verweist auf die Krönung Albert von Sachsens. © Karl-Ludwig Oberthür

Genesen sind Albert und Pferd indes nicht, im Gegenteil, die Freiluftkur hat dem Relief in den vergangenen dreißig Jahren weiter zugesetzt. Für die Wiederherstellung in einen königlichen Zustand bedarf es einer größeren Anstrengung, die Freital schon lange vor sich herschiebt. Im Jubiläumsjahr, die Stadt wird am 1. Oktober 2021 einhundert Jahre alt, soll es nun gelingen, die Sanierung des Reiterstandbildes wenigstens auf den Weg zu bringen. Die Freien Wähler hatten dieses Thema im Oktober 2019 im Auftrag vieler Freitaler Einwohner in den Stadtrat eingebracht.

Stadt plant mit 100.000 Euro

„Im Haushaltsentwurf 2021 sind für die Maßnahme 100.000 Euro eingeplant, davon 50.000 Euro als Fördermittel“, teilt Stadtsprecher Matthias Weigel auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung mit. Die Haushaltsstelle sei mit einem Sperrvermerk versehen, was bedeute, dass die Maßnahme nur umgesetzt wird, wenn die Fördermittel kommen. Der Stadtrat will voraussichtlich in seiner Sitzung im März den Haushalt beschließen. Dann, sagt Weigel, könne die Restaurierung ausgeschrieben, beauftragt und ausgeführt werden.

Ross und Reiter fehlen je ein Bein.
Ross und Reiter fehlen je ein Bein. © Karl-Ludwig Oberthür

Um Art und Umfang einer Restaurierung zu klären, gab es im März 2020 einen Vor-Ort-Termin mit dem Denkmalschutzamt des Landkreises. Im Ergebnis erarbeitete das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen eine „denkmalpflegerisch-restauratorische Zielstellung“ zum Erhalt des Reiterstandbildes. „Auf dieser Grundlage wurden Spezialisten wie Steinrestauratoren für eine Kostenermittlung angefragt“, sagt Weigel. Seit August 2020 liegt der Stadt die denkmalrechtliche Genehmigung vor, auf deren Basis Fördermittelanträge an den Landkreis und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gestellt worden sind.

Indes ist die Stadt in den vergangenen Jahrzehnten nicht untätig gewesen, um das von Max Hans Kühne entworfene Objekt zu erhalten. Immerhin gilt das König-Albert-Denkmal, das auf einem Plateau in 351 Metern Höhe steht, als Wahrzeichen der Stadt. Zwischen 2005 und 2008 wurde der aus Postaer Sandstein bestehende Obelisk aufwendig instandgesetzt.

Zudem konnte mit Unterstützung von Lions-Club, Rotary-Club und Sparkasse die nach dem Zweiten Weltkrieg verschwundene Bronzetafel auf der Rückseite neu gegossen werden. Darauf wird König Albert, der ab 1873 Sachsen regierte, zum „gottgesandten Führer“ für sein Volk verklärt. Dafür aber sollte er wenigstens auf einem Pferd mit vier Beinen reiten.

Mehr zum Thema Freital