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Die Bigband spielt derzeit nur auf CD

Der Grumbacher Musiker Lars Dittrich hat ein Album produziert, übt mehr als sonst und unterrichtet 40 Schüler. Allerdings nur aus der Ferne.

Lars Dittrich in seinem Studio in Grumbach.
Lars Dittrich in seinem Studio in Grumbach. © Thomas Morgenroth

Das waren noch Zeiten: Die Eastside Big Band mit siebzehn Musikern spielt beim Christopher Street Day auf dem Altmarkt in Dresden. Lang ist es nicht her, aber doch erscheint es Lars Dittrich in diesen Tagen wie eine Ewigkeit. Zu unwirklich ist der staatlich verfügte Stillstand, der auch solche Projekte, an denen der Grumbacher Multiinstrumentalist beteiligt ist, zum Erliegen bringt. Vielleicht für immer.

Keiner weiß, wann Dittrich wieder live auftreten darf. Den „Big Band Sound“ aber gibt es jetzt auf CD. Der rührige Musiker hat mit einer Studioband ein Album aufgenommen, im Auftrag von Edgar Schreyer, dem ehemaligen Solotrompeter der Staatsoperette Dresden, der 1992 die Eastside Big Band gründete und dessen musikalischer Leiter ist. Es ist eine Hommage an den seit 2008 in Dresden lebenden ungarischen Saxophonisten und Komponisten Ákos Zoltán Molnár. Der 78-Jährige ist bei seinen fünfzehn Stücken auch immer wieder selbst am Saxophon zu hören.

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Die Produktion lag in Dittrichs Händen, der die Aufnahmen, die an unterschiedlichen Orten entstanden, koordinierte und in seinem Studio zusammenfügte, so dass tatsächlich eine Bigband spielt. Dabei sind nur neun Musiker beteiligt, die aber mehrfach. Dittrich zum Beispiel spielt fünf Saxophone, außerdem Gitarre und Violine, und er programmierte zudem Bässe und Schlagzeug. Schreyer ist an vier Trompeten zu hören, die drei Posaunisten Ulrich Hengst, Christoph Hermann und Kristof Lehmgrübner wirken mit, sowie der Pianist Holger Miersch aus Klipphausen und der Gitarrist Martin Reinelt aus Wilsdruff.

Da swingt es nun wunderbar beim „East Side Blues“, bei „Lulu“, mit Schreyer als Solist am Flügelhorn, oder im „Aperitif“, bei dem Reinelt solistisch auftrumpft. Und „Der stolze Hahn“ vollführt einen launigen Eiertanz – mit einem Solo von Lars Dittrich auf dem Altsaxophon. Der Tonträger, der ein bisschen wie aus der Zeit gefallen scheint, ist in Edgar „Eddy“ Schreiers Verlag Eddytion notES erschienen, wo er auch die Noten von Molnár verlegt.

„Ein schönes Projekt“, sagt Lars Dittrich, der dem erzwungenen Stillstand auch eine gute Seite abgewinnt: „Ich habe mehr Zeit zum Üben“, sagt der 53-Jährige. Vier, fünf Stunden am Tag widmet er sich seinen Instrumenten, zu denen auch Flöte, Klavier und Geige gehören, mit der Dittrichs Laufbahn als Musiker begann – im Alter von sieben Jahren. Aktuell „quält“ er sich, wie er sagt, mit dem Violinkonzert in f-Moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Erfolge in der Schlagerbranche

Dabei ist Lars Dittrich eher nicht in der Klassik unterwegs, sondern mehr im Unterhaltungsfach. Schon mit 19 begleitete der gebürtige Cottbusser Schlagergrößen wie Wolfgang Lippert oder Inka Bause auf den Bühnen der DDR – als Mitglied der Helmar-Federowski-Band. Später spielte er auch für Claudia Jung, Nik P. oder Kristina Bach. Mit Brunner & Brunner hatte er seine größten Erfolge – in der Veltinsarena in Gelsenkirchen war er vor 43.000 Fans der Anheizer für das österreichische Duo.

Aber Dittrich kann auch anders. Regelmäßig gibt er in der Wilsdruffer Nikolaikirche Konzerte für Saxophon und Orgel, nimmt mit Martin Reinelt ganz eigene Versionen von Rockklassikern auf oder spielt mit dem Percussionisten Pitti Hecht, der gern von den Scorpions gebucht wird.

Seine Erfahrungen gibt Dittrich an derzeit vierzig Musikschüler weiter, er unterrichtet fünf Instrumente. Seit Monaten allerdings nur virtuell, was ihn nicht zufriedenstellt. „Mir und auch den Schülern fehlt der persönliche Kontakt“, sagt er. Zudem sei der Videounterricht deutlich anstrengender, für beide Seiten.

Lars Dittrich hofft auf ein baldiges Ende der Restriktionen. Dann könnte es zur CD auch ein Konzert geben, gern in größerer Besetzung, damit der „Big Band Sound“ so richtig zur Geltung kommt.

http://musikwerkstattlarsdittrich.de/

Die CD gibt es hier

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