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Dreihandmalerei im Stuhlbaumuseum

Mithilfe von Annett Bouchard bringt die schwer behinderte Katleen Hoffmann wunderbare Bilder aufs Papier. In Rabenau werden sie nun ausgestellt.

„Der demütige Affe“ heißt dieses Bild von Katleen Hoffmann.
„Der demütige Affe“ heißt dieses Bild von Katleen Hoffmann. © Thomas Morgenroth

Wie bei einem Lippenstift dreht Annett Bouchard die Mine aus dem roten Wachsmaler. Sie gibt ihn Katleen Hoffmann in die rechte Hand. Nun hält Annett Bouchard einen Malblock mit beiden Händen und drückt ihn mal sanft, mal kräftig gegen die Mine. Sie bewegt das Papier hoch und runter, nach rechts und links, dreht es im Kreis oder stellt es auf dem Kopf. Sie reagiert dabei selbst auf kleinste Impulse von Katleen Hoffmann, die vor ihr im Rollstuhl sitzt und hochkonzentriert mit dem Stift in der Faust Linien und Kreise zeichnet.

Immer wieder kommentiert Annett Bouchard den Fortgang des Schaffensprozesses. „Das wird ein roter Regenwurm“, sagt sie, „oder ein Füllhorn? Eine Fischerinsel? Nein, doch kein Fisch.“ Katleen Hoffmann schaut entweder skeptisch durch ihre Brille oder lacht herzlich. Dann, sagt Annett Bouchard, weiß sie, ob sie mit ihren Vermutungen auf dem richtigen Weg ist.

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Die beiden Frauen haben viel Spaß bei ihrer Beschäftigung, die Annett Bouchard „Dreihandmalerei“ nennt. Sie kennen sich schon, seit Katleen ein Kind war, sie ging mit Annett Bouchards Tochter Elisa in die Schule. Vor vier Jahren trafen sie unter ganz anderen Umständen wieder aufeinander, als Katleen Hoffmann schwer behindert aus der Schweiz in ihre Heimat zurückkehrte. Seitdem wird sie in der Pflegeeinrichtung der Kreischaer Bavaria-Klinik in Gombsen betreut. Nun wollen sie die Eltern nach Hause holen, ihr Eigenheim bekommt für die Tochter einen Anbau.

Katleen Hoffmann, die in wenigen Tagen 32 Jahre alt wird, war kurz vor dem Abschluss ihres Studiums zur Ärztin, als ein Skiunfall in den Schweizer Alpen ihr Leben vollkommen veränderte. Nach dem Sturz musste sie operiert werden und erlitt dabei eine Embolie im Gehirn. Sie fiel ins Koma. Als sie wieder erwachte, war nichts mehr so wie vorher. Beinahe sämtliche körperliche Funktionen waren außer Kraft gesetzt. Bis heute gehorchen ihre Muskeln den Befehlen des Gehirns nur eingeschränkt.

Aber ihr Kopf ist klar. Katleen Hoffmann bekommt alles mit, was um sie herum geschieht, kann sich aber nur mittels Gesten oder Ja-Nein-Fragestellungen verständlich machen. Derzeit wird für sie ein Computer mit Augensteuerung eingerichtet. Ihre Familie, Freunde, Ärzte, Therapeuten und Pfleger kümmern sich um Kati, die trotz dieses Schicksalsschlages ihren Lebensmut nicht verloren hat. Im Gegenteil: Ihre offene und fröhliche Art scheint andere Menschen, die traurig sind, zu motivieren, wie ihre Schwester Jeanette sagt.

Dass es immer einen Grund zum Lachen gibt, ist bei den wöchentlichen Malstunden mit Annett Bouchard besonders schön zu beobachten. „Es ermöglicht Kati, Einblicke in ihre Gefühls- und Gedankenwelt zu geben“, sagt die Fördergersdorferin, die von 1992 bis 2016 Inhaberin der Firma Schonke-Werbung in Freital war. Die 54-Jährige arbeitet jetzt freischaffend in verschiedenen kreativen Bereichen, wobei ihr die Dreihandmalerei mit Katleen Hoffmann besonders wichtig ist.

Eine Auswahl der dabei entstandenen Bilder, die Titel tragen wie „Herr Mühsal“, „Rote Katze unter Strom“ oder „Auf Augenhöhe“ ist ab Sonnabend im Stuhlbaumuseum Rabenau zu sehen. Darunter ist auch der Regenwurm, der kein Fisch sein wollte und am Ende „Der demütige Affe“ wurde.

Vom 10. Oktober bis Februar im Stuhlbaumuseum Rabenau, Die.-Do. 10-16 Uhr, Fr. 10-14 Uhr, So. und an Feiertagen 13-17 Uhr. Die Vernissage ist nicht öffentlich.

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