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Ehrung für Cottas Nachfolger

Edmund von Berg zündete den ersten Lehrmeiler in Tharandt. Das Gebäude der Forsttechnik trägt jetzt seinen Namen.

Professor Jörn Erler stellte nach der Enthüllung der Tafel moderne Holzerntemaschinen vor.
Professor Jörn Erler stellte nach der Enthüllung der Tafel moderne Holzerntemaschinen vor. © Thomas Morgenroth

Im Treppenhaus des TU-Gebäudes Dresdner Straße 24 in Tharandt, gemeinhin als Forsttechnik bekannt, fand am Dienstagabend ein amüsanter Festakt statt. Drei Professorenhände fassten gleichzeitig an ein weißes Tischtuch, das an der Wand hing. „Das habe ich noch nie gemacht“, witzelte Forsttechniker Jörn Erler. „Was muss ich jetzt tun?“, fragte Roswitha Böhm, die Prorektorin für Universitätskultur der TU Dresden. Und Bodenkundler Karsten Kalbitz, Sprecher der Fachrichtung Forstwissenschaften musste grienen.

Die Wissenschaftler hatten ihren Spaß daran, eine Gedenktafel für Edmund von Berg zu enthüllen, der 1845 als Nachfolger des Gründers Heinrich Cotta die Leitung der Forstakademie in Tharandt übernahm. Ein Name, der auf dem Campus der Stadt bislang fehlte. Jetzt heißt das 1960 fertiggestellte Gebäude, als Neubau oder Forsttechnik bekannt, Edmund-von-Berg-Bau. Im Obergeschoss haben Jörn Erler, seit 1992 Inhaber der Professur Forsttechnik, und seine Mitarbeiter ihre Büros. Darunter befindet sich die Werkstatt, geleitet von André Kaiser. Beim Hochwasser 2002 stand die Wilde Weißeritz einen Meter hoch im Haus, die Mittelhalle, ein Nebengebäude, fiel den Fluten zum Opfer.

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Visionärer Forstwissenschaftler

An seinen Leistungen hat es nicht gelegen, dass Edmund von Berg erst so spät zu solchen Ehren kommt, eher am Namen, wie Roswitha Böhm in ihrer Grußansprache feststellte: „Er ist zwar nicht weiblich, aber er erfüllt alle Kriterien.“ Nur eben werden viele Edmund-von-Berg-Bau auf Berg-Bau verkürzen. Ein schönes Bonmot, allerdings auch irreführend. Deshalb dauerte es wohl auch zehn Jahre, bis der Vorschlag zur Namensweihe umgesetzt wurde.

Jörn Erler freut die Benennung besonders, hat Edmund von Berg doch wie er an der Universität in Göttingen studiert. Und beide sind nach Tharandt gekommen – im zeitlichen Abstand von fast 150 Jahren. Berg, 1800 in Göttingen geboren und 1874 im heutigen Bad Schandau gestorben, war ein im In- und Ausland angesehener Forstmann. In Tharandt las er die Fächer Staatsforstwirtschaftslehre, Forsteinrichtung, Forstbenutzung und Forstgeschichte.

Edmund von Berg war ein Visionär, dessen Ansichten in die heutige Zeit passen: Er lehnte Nadelholz-Monokulturen ab, forderte die Bewirtschaftung der Wälder „durch ein gebildetes Personal“ und prangerte eine überbordende Bürokratie an. Er war der erste Forstwissenschaftler, der ausführlich auf den Einfluss der Wälder auf das Wohlbefinden und den Wohlstand der Menschen einging. Die rein ökonomische Betrachtung war für ihn zweitrangig.Jörn Erler freut die Benennung besonders, hat Edmund von Berg doch wie er an der Universität in Göttingen studiert. Und beide sind nach Tharandt gekommen – im zeitlichen Abstand von fast 150 Jahren. Berg, 1800 in Göttingen geboren und 1874 im heutigen Bad Schandau gestorben, war ein im In- und Ausland angesehener Forstmann. In Tharandt las er die Fächer Staatsforstwirtschaftslehre, Forsteinrichtung, Forstbenutzung und Forstgeschichte.

Edmund von Berg war ein Visionär, dessen Ansichten in die heutige Zeit passen: Er lehnte Nadelholz-Monokulturen ab, forderte die Bewirtschaftung der Wälder „durch ein gebildetes Personal“ und prangerte eine überbordende Bürokratie an. Er war der erste Forstwissenschaftler, der ausführlich auf den Einfluss der Wälder auf das Wohlbefinden und den Wohlstand der Menschen einging. Die rein ökonomische Betrachtung war für ihn zweitrangig.

1846 der erste Meiler für Studenten

Das hat er treffend und zeitlos in seinem Buch „Staatsforstwirthschaftslehre“ formuliert, das 1850 erschienen ist. „Es war stark von der Revolution von 1848 geprägt“, sagte Norbert Weber, Professor für Forstpolitik in seinem Vortrag anlässlich der Namensweihe am Dienstag. Berg, sagte er, habe die Grundlagen für seinen Wissenschaftsbereich gelegt. Er war ein fleißiger Schreiber, besonders nach seiner Pensionierung 1866, befasste sich mit der Jagd genauso wie mit der Geschichte der Wälder oder mit Forstreformen.

Für Tharandt ist sein „erster schriftstellerischer Versuch“, wie er es nannte, hochinteressant. 1830 veröffentlichte von Berg seine „Anleitung zum Verkohlen des Holzes“, es war die erste Abhandlung über die Holzköhlerei unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten. „Das war damals ein wichtiges Thema“, sagte Weber. Holzkohle wurde überall in großen Mengen gebraucht, vor allem in der Industrie zur Verhüttung von Metallen. Edmund von Berg war der Ansicht, dass der Forstmann wissen sollte, wie der Prozess abläuft, und ließ 1846 im Breiten Grund den ersten Lehrmeiler für die studentische Ausbildung anlegen.

Das Gebäude der Forsttechnik in Tharandt heißt jetzt Edmund-von-Berg-Bau.
Das Gebäude der Forsttechnik in Tharandt heißt jetzt Edmund-von-Berg-Bau. © Thomas Morgenroth

Vater der finnischen Forstwirtschaft

Daraus wurde eine Tradition, die bis heute fortgeführt wird. 2012 weihte der Sächsische Forstverein am Meilerplatz eine Gedenkstele für Edmund von Berg ein, der den Verein 1847 mitgegründet hatte, und dessen erster Vorsitzender er war. Auch da ergeben sich Parallelen zur Gegenwart: Seit 2016 gehört Norbert Weber als einer der beiden Stellvertreter zum Vorstand.

Edmund von Berg bereiste von Tharandt aus ganz Europa. Er war wiederholt in Schweden, Norwegen, den Alpenländern und Ungarn. Zudem wurde er zu Kommissionen herangezogen, um Wälder zu begutachten, wie von der russischen Regierung 1858 in Finnland oder 1865 in Polen. In Finnland gilt Berg als Vater der Forstwirtschaft. Er lud Studenten nach Tharandt ein und regte in Helsinki die Gründung der ersten Forstakademie an. Davon berichtete Robert Schweitzer, der ehemalige Leiter der Stadtbibliothek Lübeck und anerkannter Experte für finnische, russische und baltische Geschichte, in seinem Vortrag.

Jörn Erler schließlich schlug eine Brücke in die Zukunft. Er stellte Holzernte- und -transportmaschinen vor, die den Waldboden schonen sollen und deren Prototypen in der Forsttechnik nun im Edmund-von-Berg-Bau entwickelt werden. Das ist freilich eine ganz andere Herausforderung, als eine Gedenktafel zu enthüllen. Spaß darf man dabei trotzdem haben.

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