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Hundert Jahre Kunst in Freital

Schloss Burgk zeigt Arbeiten von dreißig Künstlern, die mit der Stadt verbunden waren und sind. Einer wird besonders geehrt.

Kristin Gäbler in der von ihr kuratierten Ausstellung „Große Kunstschau Freital“ mit Arbeiten von Barbara Hornich (vorn), Wolfgang Petrovsky (links) und Andreas Küchler.
Kristin Gäbler in der von ihr kuratierten Ausstellung „Große Kunstschau Freital“ mit Arbeiten von Barbara Hornich (vorn), Wolfgang Petrovsky (links) und Andreas Küchler. © Karl-Ludwig Oberthür

Fritz Junghans könnte als Erfinder des Wimmelbildes gelten. Mehr als siebzig Personen hat der Künstler auf seinem nur einen halben Quadratmeter großen Gemälde „Bauerntanz in Coßmannsdorf“ untergebracht. Da drängen sich Männer und Frauen an Tischen im Biergarten, essen und trinken, tanzen zur Musik einer Kapelle, küssen und streiten sich. Der Kellner liest dem Wirt zu dessen Vergnügen etwas aus einem Buch vor, während sich die Chefin durch die Menschen zwängt und die Klöße serviert. Mütter zerren die Jüngsten vom lastervollen Schauplatz weg, derweil sich ein Zecher am Gartenzaun erleichtert.

Es ist das pralle Leben, das der Meisterschüler von Otto Dix Anfang der Dreißigerjahre in meisterlichen und urkomischen Szenen festhält. Viele der gemalten Figuren gibt es tatsächlich, sie sind wie Junghans Stammgäste in der Rollmopsschänke in Eckersdorf, das 1913 nach Coßmannsdorf eingemeindet wurde. Die Rollmopsschänke regt ihn auch zu seinem bekanntesten Bild an, der „Bauernkirmes“, bei der sich vielleicht 150 Menschen auf engstem Raum tummeln – zu besichtigen in der Dauerausstellung der Städtischen Kunstsammlung Freital auf Schloss Burgk.

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Entdeckung aus dem Depot

„Wer nicht liebt, singt und trinkt, es nicht zu wahrer Freude bringt“, hat Fritz Junghans (1909 – 1975) über seinen Bauerntanz geschrieben, der in diesen Tagen des staatlich verordneten Stillstands an Zeiten erinnert, die manche bereits vergessen haben. Ein wenig Kunstgenuss indes ist neuerdings wieder gestattet. Das kommt der ohne Vernissage eröffneten Sonderausstellung auf Schloss Burgk zugute, die so nicht ungesehen vergehen muss.

Unter dem anspielungsreichen Titel „Große Kunstschau Freital“ sind Arbeiten von dreißig Künstlern vereint, die in der Stadt aktiv sind oder einst in Freital und später eingemeindeten Ortsteilen lebten, lehrten oder sonst wie Spuren hinterlassen haben. Wie Fritz Junghans, der Dresdner, der später nach Bayern auswanderte.

1963 malte Siegfried Huth (1932 – 2012) die „Alte Weißeritzbrücke in Potschappel“.
1963 malte Siegfried Huth (1932 – 2012) die „Alte Weißeritzbrücke in Potschappel“. © © 2012 Andreas Kämper

Anlass für diese Schau ist der 100. Geburtstag Freitals, den die Stadt in diesem Jahr groß feiern wollte und es nun wenigstens ein bisschen tut. Wer Abstand und Mund-Nase-Bedeckung und Schnelltest und Voranmeldung nicht scheut, findet auf Burgk eine ungewöhnliche Schau vor, die mehr regionalen Kriterien denn künstlerischen gehorchen muss. Insofern ist es durchaus bemerkenswert, was der Direktorin Kristin Gäbler, erst seit Anfang März im Amt, in kürzester Zeit gelungen ist.

Die Museologin spannt mit Gemälden sowie einigen Skulpturen und Plastiken den Bogen vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Ältestes und zugleich größtes Bild ist eine Entdeckung aus dem Depot, die „Frühlingsträumerei“ von Karl Hanusch, entstanden um 1910 mit Anleihen im Jugendstil und Impressionismus. Es zeigt vermutlich den aus Niederhäslich stammenden Maler selbst, wie er auf dem Rücken auf einer Wiese liegt. Aus dem Himmel schaut seine künftige Frau Julie engelsgleich auf ihn herab, an ihrer Seite der Liebesgott Amor, mit schussbereitem Bogen in den Händen. Das war dann dem späteren Kunstprofessor vielleicht doch zu schwülstig, das Gemälde jedenfalls scheint unvollendet und ist unsigniert.

Der Maler Heinrich Döpp (1899 – 1959) fand dieses Motiv in Obernaundorf. Foto: Städtische Sammlungen Freital / Franz Zadnicek
Der Maler Heinrich Döpp (1899 – 1959) fand dieses Motiv in Obernaundorf. Foto: Städtische Sammlungen Freital / Franz Zadnicek © Foto: Städtische Sammlungen Freital

Die jüngsten Arbeiten sind eine Figur des Porzellankünstlers Olaf Stoy und Objekte aus Ton von Barbara Hornich. In deren Umfeld ist die Gegenwart oder jüngere Vergangenheit versammelt, wie Gerhard Patzig, Matthias Jackisch, Wolfgang Petrovsky, Andreas Küchler und Sebastian Glockmann. Unmöglich natürlich, hier alle Beteiligten aufzuzählen. Curt Querner ist dabei, Werner Haselhuhn darf nicht fehlen, wie auch der Bildhauer Peter Fritzsche nicht oder Hermann Lange, der 1925 in Niederhäslich das Haus der Vorfahren des Oberbürgermeisters Uwe Rumberg malte.

Im Gang ist eine Kabinettausstellung mit Holzschnitten und geschnitzten Räuchermänneln von Horst Hoppe eingerichtet. Der 86-Jährige, 1990 Mitbegründer des Kunstvereins Freital, ist der diesjährige Träger des Kunst- und Kulturpreises der Stadt Freital. Die Verleihung ist im Juni, wie festlich sie sein darf, weiß noch keiner. So ausgelassen wie der Bauerntanz von Fritz Junghans höchstwahrscheinlich nicht.

Bis 13. Juni auf Schloss Burgk, geöffnet zunächst nur am 17. und 18. April jeweils von 10 bis 17 Uhr mit Terminbuchung unter Telefon 0351 6491562.

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