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Kulturhäuser planen nur verhalten

Bis Ende Februar sind in Freital und Dippoldiswalde alle Veranstaltungen abgesagt. Die Verunsicherung ist groß.

Die kaufmännische Leiterin Angela Meisegeier steht vor dem zwangsweise geschlossenen Kulturzentrum Parksäle Dippoldiswalde.
Die kaufmännische Leiterin Angela Meisegeier steht vor dem zwangsweise geschlossenen Kulturzentrum Parksäle Dippoldiswalde. © Karl-Ludwig Oberthür

Die nächsten Veranstaltungen im Stadtkulturhaus Freital heißen „Entfällt“, „Abgesagt“, „Entfällt“, „fällt ersatzlos aus“ und so weiter. Halt, nein: Das Neujahrskonzert mit dem „Dresdner Kapell-Salon“ steht noch für den 17. Januar ganz normal im Spielplan. Aber auch das wird es nicht geben, wie alle anderen folgenden Konzerte, da fehlt nur noch der rote „Abgesagt“-Stempel: „Bis Ende Februar wird bei uns außer Versammlungen des Stadtrates oder städtischer Gesellschaften nichts stattfinden“, sagt Lothar Brandau, Vorsitzender des Kulturvereins Freitals, des Trägers des Kulturhauses. „Wir haben alles gestrichen, irgendetwas zu planen, bringt nichts.“

Mitarbeiter in Kurzarbeit

Erst ab März würde man wieder „ganz grob“ planen, sagt Brandau. Allerdings unter der Prämisse, dass auch dann noch strenge Hygieneregeln einzuhalten seien. „Das bedeutet, dass wir nur 100 Plätze im großen Saal belegen dürften“, sagt er. „Damit fallen achtzig Prozent aller Veranstaltungen flach, die würden sich finanziell einfach nicht rechnen.“ Darunter sind Konzerte, die aus dem Frühjahr und Sommer oder auch November 2020 ins neue Jahr verlegt wurden, wie das Gastspiel mit Linda Feller, die nun aber auch am 26. Februar nicht nach Freital kommen wird.

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„Wir stehen in den Startlöchern und warten ab, welche Lichter sich im Januar und Februar am Horizont zeigen“, sagt Brandau. Die Mitarbeiter des Hauses sind derweil schon seit März mit 50 bis 60 Prozent in Kurzarbeit. „Und wenn uns die Stadt nicht hängen lässt, werden wir das als Verein überleben“, sagt Brandau. Bisher, betont er, stehe Freital zu den Verträgen mit dem Verein und damit auch zu den Zuschüssen für das Kulturhaus.

Vorverkauf komplett eingebrochen

An Einnahmen durch den Verkauf von Eintrittskarten wie vor der behördlich verordneten weitgehenden Schließung des Kulturhauses sei ohnehin nicht so bald zu denken, ist sich Brandau sicher. Auch wenn der Stillstand wieder aufgehoben ist. „Wir spüren eine große Verunsicherung bei den Menschen und eine große Zurückhaltung“, sagt er. „Es gibt derzeit kaum einen, der Tickets im Vorverkauf erwirbt.“

Eine Einschätzung, die Angela Meisegeier, kaufmännische Leiterin der Parksäle Dippoldiswalde, teilt. „Im vergangenen Jahr wurden zu Weihnachten keine Eintrittskarten für Veranstaltungen in unserem Haus verschenkt“, sagt sie. Sonst würden sich die Besucher ihre Karten auch gerne schon ein Jahr im voraus sichern. Davon sei schon lange keine Rede mehr. „Wenn wir wieder öffnen dürfen, fangen wir bei null an“, befürchtet Angela Meisegeier.

Rot für das Stadtkulturhaus Freital: Hier dürfen zur Zeit keine Veranstaltungen stattfinden.
Rot für das Stadtkulturhaus Freital: Hier dürfen zur Zeit keine Veranstaltungen stattfinden. © Karl-Ludwig Oberthür

Veranstaltungen auf 2022 verschoben

Fest steht, dass Einnahmen nicht nur in diesem, sondern auch im nächsten Jahr fehlen werden, weil bereits 2020 ausverkaufte Veranstaltungen nun sogar schon ins Jahr 2022 verschoben sind, wie die Auftritte von Katrin Weber und Olaf Schubert. „Die Karten behalten ihre Gültigkeit, was dazu führt, dass wir dann nächstes Jahr zwar zweimal ein volles Haus haben, aber keine Einnahmen“, sagt Angela Meisegeier. Das betrifft auch die gut nachgefragten Termine, die auf 2021 verlegt sind, wie das Gastspiel von Rudy Giovannini, der nun im Juli nach Dipps kommen soll.

Nur einmal seit Inkrafttreten der staatlichen Restriktionen durften die Parksäle einen weitgehend vollen Saal haben, im Oktober, als Uwe Steimle ins Osterzgebirge kam. Zwar mussten die Plätze im großen Saal von 500 auf 340 reduziert werden, aber immerhin erinnerte die Stimmung im Publikum ein wenig an die Tage vor dem März. Zwei Wochen später war bereits wieder alles anders. Veranstaltungen mussten abgesagt, Termine verschoben werden, wie der Start der „Meisterinterpreten“-Reihe, die nun erst im September beginnen soll.

Kulturkonzept für Dippoldiswalde

Anders als in Freital ist in Dippoldiswalde kein Verein sondern die Stadt selber Träger des Kulturhauses. Die Finanzierung ist über den kommunalen Haushalt gesichert, allerdings greifen hier keine entlastenden Maßnahmen wie Kurzarbeit, das bringt im öffentlichen Dienst ja nichts, weil der Staat sich dabei nur selbst unterstützen würde.

Angela Meisegeier und ihr Team wollen aber die Zeit der Schließung nutzen, um für Dippoldiswalde eine Art umfassendes Kulturkonzept auf die Beine zu stellen. „Wir wollen zunächst die Einwohner befragen, was sie sich wünschen“, sagt Angela Meisegeier. Eine Antwort werden sicher alle geben: Endlich wieder Veranstaltungen, die nicht „Abgesagt“ heißen.

www.kulturhaus-freital.de

www.parksaele.de

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