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Kunstvolles Geflatter in Dorfhain

14 Vogelarten von grazil bis kauzig zeigen acht Künstler in der Ausstellung „Ge-Flügel-Schau 2.0“ in der Galerie „ArtTiGo“ im Georado.

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Die fliegenden Raben von Olaf Stoy sind in der Ausstellung zu bewundern.
Die fliegenden Raben von Olaf Stoy sind in der Ausstellung zu bewundern. © Egbert Kamprath

Von Lilly Vostry

Ein Kranich schwingt sich stolz in den strahlend blauen Himmel. Graugänse und Krähen im Flug. Eine Gruppe Reiher steht gleich neben dem Eingang zur Ausstellung. Ein kleiner Strandläufer mit spitzem Schnabel sieht sich vor dem Fenster um. Bekannte und seltene Vögel tummeln sich in aller Schönheit und Vielfalt zurzeit in der Ausstellung „Ge-Flügel-Schau 2.0“ in der Galerie „ArtToGo“ der Georado-Stiftung in Dorfhain.

Vorher war die Schau bereits im Heimatmuseum der Stadt Wilsdruff bis September 2020 zu sehen und präsentiert sich nun in neuer Form im Georado-Gelände. Acht Künstler zeigen in den ehemaligen Produktionshallen, vor frisch geweißten Wänden und urigen Ziegeleinfassungen, gefiederte Kunst in vielerlei Gestalt und Form auf Fotografien, Zeichenpapier, in Holz, Porzellan, Keramik, Stahl, Worten und Klängen. 14 Vogelarten sind in der Ausstellung zu sehen und bestaunen, von wundervoll majestätisch, grazil, keck bis kauzig. Der Ausstellungstitel spielt mit Bildern von Kleintierschauen, die üblicherweise von Züchterverbänden organisiert werden.

Der Traum vom Fliegen - Symbolik aus der Tierwelt

„Einige ältere Anwohner sind auch in die Falle gegangen und fragten zur Ausstellungseröffnung nach der Tierschau“, erzählt Olaf Stoy, Künstler und Kurator der „Ge-Flügel-Schau 2.0“ schmunzelnd. Als sie hörten, dass es eine Kunstausstellung ist, seien sie wieder gegangen. Obwohl dies mit auf dem Ausstellungsplakat steht.

Die Idee zur Ausstellung lag buchstäblich in der Luft, so Olaf Stoy. Da er und einige Künstlerkollegen sich schon seit einiger Zeit intensiv mit der Darstellung von Vögeln in verschiedensten Handschriften und Materialien befassen. Natürlich auch wegen der reichhaltigen Symbolik dieser Tiere, begonnen beim Traum vom Fliegen, Schwerelosigkeit, Freiheit, Zugvögeln, die Sehnsucht nach fernen Ländern wecken, bis zum Umgang des Menschen mit dem lieben Federvieh und zunehmend gefährdeten Singvögeln, die immer weniger Nahrung und Aufenthaltsräume in ihrer natürlichen Umgebung finden.

In Raumnischen verteilt stehen in der Ausstellung Vögel auf Podesten und Regalen in Miniatur und lebensgroß der Natur nachempfunden und aus eigener Beobachtung und Erleben der Künstler gestaltet.

Darunter die eleganten Kraniche und Reiher aus hellem Lindenholz von Thomas Junghans. Dazu gesellen sich von ihm ein Pinguin, ein Fasan aus Maulbeerbaumholz mit Glasperlenaugen und Fuchs und Gans mit blutrotem Gefieder im Kiefernholz im hinteren, weiß gekachelten Ausstellungsraum. Die wunderbaren Vogelfotografien stammen von Steffen Petrenz.

Wache, träumende, verschmitzt blinzelnde und sich aneinanderschmiegende Eulen aus hellrotem und dunklem Ton und farbig gefasstem Beton zeigt Ulrich Eissner. Ein Strauß steckt den Kopf in den Sand in einer Stahlskulptur von Emilie Gotmann. Beim Rundgang ertönen Vogelstimmen, gackern Hühner, hört man Naturgeräusche wie Gewitter und Baulärm, Eingriffe in die Natur, aufgenommen in einer Soundcollage „Habitat“ von Jacob Stoy und Clemens Pitschke.

Außerdem kann man gerahmte Haikus, japanische Kurzgedichte mit poetischen und skurrilen Betrachtungen über Mensch, Tier und Umwelt, von Uwe Claus lesen.

Ausstellung für Kinder, Eltern und Großeltern

"Diese Ausstellung kann auch ein Weg sein, zur Natur und Kunst zu finden. Wir möchten alle Sinne ansprechen“, sagt Olaf Stoy. Die „Ge-Flügel-Schau 2.0“ ist ein eindrucksvolles Erlebnis für kleine und große Besucher.

Augenzwinkernd zeigt er „Geflatter“, drei schwarze Krähen im Flug aus Ton, eine fliegende Eule mit Goldaugen und einen Nachtvogel, sitzend auf einem Wandboard. Außerdem akribisch feine und leuchtend farbige, überzeichnete Drucke mit „Hähnchen und Hühnchen“, die ihm beim Urlaub auf dem Dorf im Havelland letztes Jahr vor der Nase herum liefen und schließlich Modell standen.

Mit Tier- und Natur-Ausstellungen wie dieser auf dem Land will Olaf Stoy auch „Brücken bauen denjenigen, die noch Hemmschwellen zu Kunst haben. Wir freuen uns, wenn das Angebot angenommen wird.“ Die geplante „Mr. Gockel Schau“ mit lebenden Hähnen, den schönsten sollte das Publikum küren und als Preis winkten ein Bild von Stoy und eine Flasche Rotwein mit schwarzem Hahn-Siegel, kam leider nicht zustande, bedauert er.

Musikalische Lesung mit Olaf Stoy

Die „Ge-Flügel-Schau 2.0“ ist bis 21. November in der Galerie „ArtToGo“ zu sehen. Als Nächstes findet eine musikalische Lesung „Seltsame Vögel“ am 5. November, 19 Uhr, im Georado-Gelände in Dorfhain statt. Olaf Stoy liest skurril doppelbödige Kurzgeschichten und Tino Z. steuert Rocksongs vom feinsten bei.

Die Galerie in der Georado-Stiftung auf der Talstraße 7 in Dorfhain öffnet an den beiden Sonntagen 7. November und 14. November jeweils 10 bis 16 Uhr. Aufgrund der Corona-Schutzverordnung wird um den Nachweis der 3Gs - geimpft-genesen-getestet- gebeten.