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Lange ausverkauft und nun abgesagt

Das Landratsamt genehmigt keinen vollen Saal im Stadtkulturhaus Freital. Die Verluste sind hoch. Wie es weitergeht.

Lothar Brandau, Vorsitzender des Kulturvereins Freital, vor dem Stadtkulturhaus.
Lothar Brandau, Vorsitzender des Kulturvereins Freital, vor dem Stadtkulturhaus. © Karl-Ludwig Oberthür

Mit Katrin Weber und Gunther Emmerlich sollte nächsten Donnerstag die neue Spielzeit im Stadtkulturhaus Freital beginnen. Die Veranstaltung im Großen Saal mit rund 550 Plätzen ist seit Monaten ausverkauft. „Wie im Kino“ war das Motto des Abends, aus dem nun weiter nichts als ein schlechter Film wird. „Das Gesundheitsamt des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hat uns die Genehmigung für die Veranstaltung versagt“, sagt Lothar Brandau, ehrenamtlicher Vorsitzender des Kulturvereins Freital, des Trägers des Stadtkulturhauses.

Die Behörde verweist auf die geltenden Regeln im Zuge der Corona-Pandemie, insbesondere den Mindestabstand, der bei vollbelegtem Saal natürlich nicht einzuhalten ist. Das Hygienekonzept wurde nur mit maximal 306 Plätzen bestätigt. Brandau schlug vor, dass die Besucher dann eben eine Mund-Nase-Bedeckung tragen würden. Das änderte nichts an der Entscheidung.

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Die Fortsetzung des schlechten Films läuft gleich am darauffolgenden Sonntag, weil auch die Bedingungen für das Konzert mit dem Südtiroler Sänger Rudy Giovannini nach Ansicht des Gesundheitsamtes nicht genehmigungsfähig seien.

So sind also gleich zwei Knüller nacheinander gestrichen, für die es zwar Nachholtermine im kommenden Jahr gibt, sofern sie denn stattfinden dürfen, die aber dennoch für dieses Jahr einen Totalausfall bedeuten, weil sowohl Katrin Weber als auch Rudy Giovannini ohnehin 2021 wieder in Freital gastiert hätten.

Im Stadtkulturhaus seien seit Mitte März mehr als 100 Veranstaltungen, einschließlich der Einmietungen, den Verboten der Staatsregierung zum Opfer gefallen, sagt Mitarbeiterin Sabine Thomalla. Die erste Aufführung, die abgesagt werden musste, war am 13. März das Lessing-Lustspiel „Minna von Barnhelm“ in einer Inszenierung der Landesbühnen Sachsen im Rahmen der Schultheaterwochen.

80.000 Euro Einnahmen fehlen

Lothar Brandau beziffert den finanziellen Verlust für das Stadtkulturhaus auf rund 80.000 Euro. Abgefedert wurde dieser vor allem durch Einsparungen beim Personal. Wie Brandau sagt, sind die acht Mitarbeiter des Hauses bis heute bis zu 90 Prozent in Kurzarbeit. Außerdem habe das Haus die Ausgaben für Reinigung, Energie und Versicherungen reduzieren können. Ein Minus bleibe dennoch. „Das müssen wir durch unsere Rücklagen ausgleichen“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Wenigstens droht dem Haus keine Unbill durch die Stadt Freital, die an den Zuschüssen in bisheriger Höhe festhält. Auch für nächstes Jahr, sagt die für die Buchhaltung zuständige Sabine Thomalla, sei das Geld bereits bewilligt. Inwieweit sich die Mindereinnahmen auf die Förderung durch den Kulturraum auswirken, bleibt offen. „Wir müssen erst abrechnen“, sagt Thomalla. Rückforderungen seien möglich. Die Stadt indes habe bereits den notwendigen Anteil als Sitzgemeinde für das kommende Jahr zugesagt.

Wie geht es nun im Stadtkulturhaus weiter? Mit dem in diesen Tagen etwas zwiespältigen Motto „Heiter und so weiter“. So heißt das Programm des Schauspielers Michael Trischan, der am Freitag in der Laterne gastiert. Der 59-Jährige ist bis Jahresende noch in neuen Folgen der MDR-Serie „In aller Freundschaft“ als Hans Peter Brenner zu sehen. Im Juni ist er nach elf Jahren aus der Produktion ausgestiegen.

Nun reist er mit einem „Best of“ durch die Lande und darf in der Laterne im Stadtkulturhaus 96 Menschen unterhalten. Das ist die behördlich festgelegte Obergrenze. Damit kommt der Puppenspieler Marco Vollmann, der dort schon seit Juli wieder zum Kasperletheater einlädt, ganz gut hin. 

Allerdings gibt es für die Reihe Kabarett, Satire und Komik in der Laterne, die Trischan eröffnet, mitunter eine deutlich größere Nachfrage. „In solchen Fällen ziehen wir in den großen Saal um“, sagt Sabine Thomalla. Wie bei „Wenn Overbeck kommt ...“ mit Roland Jankowsky am 2. Oktober. Der Nachteil: Saal und Laterne können nicht parallel bespielt werden.

Das macht die Planung nicht einfacher. Überhaupt steht hinter einigen, vor allem größeren Veranstaltungen ein dickes Fragezeichen. Das Stadtkulturhaus weiß zum Beispiel bis heute nicht, ob die „Goldenen Egerländer“, die eigentlich schon im März auftreten wollten, nun am 18. Oktober kommen – wegen des reduzierten Platzangebots, das die möglichen Einnahmen beinahe halbiert, bei gleichem Aufwand.

Planung mit Fragezeichen

Das mit dem Amtsblatt verteilte Faltblatt des Stadtkulturhauses offeriert dennoch eine Fülle an Angeboten, freilich stets unter dem Vorbehalt, dass die Staatsregierung oder der Landkreis mit verschärften Regeln eine Durchführung vereitelt. Der „Traumzauberbaum“ soll kommen, Linda Feller, die Medlz, Friedrich Wilhelm Junge oder die Herkuleskeule. Auch die beliebte Whiskyverkostung soll stattfinden, das Neujahrskonzert. das Puppenspielfest und der Kunsthandwerkermarkt.

Im nächsten März sollen dann endlich auch Katrin Weber und Gunther Emmerlich auf der Bühne stehen. Bleibt abzuwarten, ob die Behörden dem großen „Kino“ im Stadtkulturhaus dann zustimmen.

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Direktorin Angelika Schminder managt die Krise – gemeinsam mit Lothar Brandau, der neuerdings ihr Chef ist.

Demnächst im Stadtkulturhaus: 18.9., 19.30 Uhr, Michael Trischan; 25.9., 20 Uhr, Livemusikbühne mit Grey Wolf & Alex Wurlitzer, 2.10., 20 Uhr, Roland Jankowsky.

www.kulturhaus-freital.de

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