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Mit der Kohle kamen die Kneipen

Den Leuten sitzt das Geld plötzlich locker in der Tasche, reicht es nicht für die Zeche, der Wirt ist in puncto Gästeschulden geduldig.

Über ein halbes Jahrhundert lang größter Saal im Weißeritztal. Als Bestandteil von Krilles Gasthof Döhlen, gegenüber Döhlener Kirche, verfügte er über eine Kapazität, die sich bis auf 1.000 Plätze erweitern ließ.
Über ein halbes Jahrhundert lang größter Saal im Weißeritztal. Als Bestandteil von Krilles Gasthof Döhlen, gegenüber Döhlener Kirche, verfügte er über eine Kapazität, die sich bis auf 1.000 Plätze erweitern ließ. © Siegfried Huth

Als die Kunde von der Entdeckung der Kohle die Runde machte, war es in den Dörfern des Weißeritztales mit der bislang üblichen trauten Stille vorbei. Eine Welle der Betriebsamkeit löste die lange Zeit der Abgeschiedenheit ab. Straßen wurden angelegt, Schächte, Fabriken und Steinbrüche entstanden. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts brauste die Eisenbahn durch das wildromantische Tal. Handwerk und Handel blühten auf, noch die unscheinbarsten Ansiedlungen verbuchten beträchtliche Bevölkerungszuwächse. Da konnte der Wunsch nach Bier, Skat und Stammtisch, nach Geselligkeit und Tanz nicht ausbleiben. Um 1800 zog die Gastronomie ins damalige Potschappel ein, innerhalb weniger Jahrzehnte öffneten 17 Gaststätten.

Den Anfang machte eine Schänke im Eckhaus Schulstraße/Dresdner Straße (später Blumengeschäft), der es nie an Gästen fehlte. Die Küche genoss Popularität. An jedem Freitag gab’s Schlachtspezialitäten, riesige Portionen, kaum zu bewältigen. Der Wirt, ein gewisser Herr Großer, war auch ein Freund edler Klänge. Am Wochenende bat er zu Unterhaltungskonzerten, ausgeführt von einem damals jungen Mann aus Potschappel, dem späteren Professor der Musik, Techert.

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Eine Tanztour 10 Pfennige

Nur wenige Häuser weiter eine zweite Einkehr in der Schulstraße, die seinerzeit die Bezeichnung Neue Gasse trug. Gastwirt Seppel Reich befand sich einem Hintergebäude, sehr klein aber urgemütlich. Ein Treff der Männer, ein Hort des Kartenspiels. Direkt an der Dresdner Straße der nächste Ausschank, den man durch einen Hausflur erreichte. Wirt Kube, allgemein als fideles Haus geschätzt, verfügte über ein nie versagendes Repertoire an alten und neuen Witzen. Gegenüber ging es im Restaurant „Zur Post“ am Potschappler Bahnhof steif und förmlich zu. Keine der vier Gastwirtschaften hatte ein langes Leben. Sie verschwanden im Laufe der Zeit ebenso von der Bildfläche wie „Ratskeller“, „Wettiner Hof“, „Silberquell“, „Schmieders Schänke“ und „Der Herberge zur Heimat“. Das Bürgercasino am Potschappler Markt (heute Konditorei Franke) trotzte lange den Stürmen der Zeit. Als eine ergiebige und verlässliche Umsatzquelle entpuppten sich die Sonnabend-Märkte vor der Pforte der Gaststätte. Bauersfrauen aus dem Gebirge aber auch Kunden legten gleichermaßen eine Rast im Casino ein. Für ein Glas Bier und einen Klaren bezahlte man 15 Pfennige.

Großer Saal "Sächsischer Wolf", ein Treffpunkt der Deubener.
Großer Saal "Sächsischer Wolf", ein Treffpunkt der Deubener. © Siegfried Huth

Gastronomie in größerem Stil pflegte die Steiger-Gaststätte und das Deutsche Haus, Coschützer Straße, wo Gastwirt Wienand im Parterre anfangs ein Schankzimmer unterhielt. Über eine Holztreppe gelangte man in das obere Stockwerk zum Tanzsaal. Kein allzu großer Raum, ringsum mit Bänken vollgestellt. Die Musikanten hockten dicht gedrängt auf der schmalen Galerie, direkt unterm Dach. Für eine Tour hatte man fünf Pfennige zu berappen.

Selten, dass einige der jungen Leute nach der Mode gekleidet waren. Die Mädchen kamen in derben Wollkleidern, die Burschen gar mit blauen Schürzen, die sie nach Fleischerart schräg über die Ecke schlugen. Es fiel nicht auf, wenn man in Filz- oder Holzpantoffeln erschien. Wurde die Fußbekleidung beim Schwofen zu lästig, stellte man sie einfach in die Ecke und drehte in Strümpfen oder barfuß seine Kreise.

Deuben mit bayerischer Bierstube

Im alten „Goldenen Löwen“ hatte man pro Tanz zehn Pfennige zu zahlen, eine Blasmusiktour kostete gar 20 Pfennige. Zum Tanz spielten für gewöhnlich Mitglieder des Burgker Bergmusikkorps.Den Saal, ebenfalls im ersten Stock, erreichte man jahrelang über eine von der Straße aus angelegte Holztreppe. Der Löwe war Sammelpunkt der im Weißeritztal beschäftigten ausländischen Arbeiter, vorwiegend aus der Tschechoslowakei und Polen.

Die Gemeinde Deuben überflügelte Potschappel noch um einen Gasthof. Nur wenige Jahre währte die Blüte von Wagners Gasthof, Ratskeller, Café Vaterland, bayerische Bierstube und Restaurant Börnert. Unter den Vergnügungslokalen nahmen Sächsischer Wolf und Wettinburg die ersten Plätze ein. Gleich drei Café hatten sich in Deuben niedergelassen: Stadtcafé, Café Hartmann, Konditorei Großmann, Krönertstraße. Döhlen verfügte über drei Einkehrstätten von Rang – Krilles Gasthof mit dem größten Saal rund um den Windberg, Rote Schänke (später Centrum Lichtspiele, Stadtkulturhaus, da capo) und „Im Krug zum grünen Kranze“.

Die Gastronomie ist in unserer Gegend so stark ausgeprägt, dass sie sich in diesem Beitrag nicht fortsetzen lässt. Wir werden demnächst noch einmal darauf zurückkommen.

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