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Overbeck kommt nach Freital

Roland Jankowsky liest im Stadtkulturhaus kriminelle Geschichten. Sächsische.de sprach mit ihm über seine Rolle und Corona.

Der Schauspieler Roland Jankowsky gastiert erstmals in Freital.
Der Schauspieler Roland Jankowsky gastiert erstmals in Freital. © Markus Hauschild

Als etwas schräger und vornamenloser Kommissar Overbeck sorgt Roland Jankowsky seit 1997 in der ZDF-Krimireihe „Wilsberg“ regelmäßig für Lacher – in bisher mehr als 70 Folgen. Die unfreiwillige Komik des Polizisten, der in alle nur erdenklichen Fettnäpfchen tritt, hat dem Kölner eine große Fangemeinde beschert. 2018 war er nach Ansicht der Zuschauer sogar der „Coolste TV-Kommissar Deutschlands“. Überhaupt ist „Wilsberg“ mit seinen reichlich verschrobenen Charakteren sehr erfolgreich: Es ist eines der quotenstärksten Programme des Senders.

Roland Jankowsky, 1968 in Leverkusen geboren, trat zunächst in Off-Theatern auf und bekam nach einer Empfehlung der Hochschule für Musik und Theater Hamburg Engagements im Hamburger Schauspielhaus und im Grillo-Theater Essen.

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Sie sind noch auf der Suche nach einem neuen Ausflugsziel in der Region? Wie wäre es denn mit Großenhain?

Seit Mitte der Neunzigerjahre arbeitet er vor allem für das Fernsehen. Bei RTL spielte er in der Krimiserie „Die Wache“ mit und neun Jahre lang an der Seite von Mariele Millowitsch und Walter Sittler in der preisgekrönten Sitcom „Nikola“. Er war zudem in „Notruf Hafenkante“ zu sehen, in „SOKO Köln“ und „SOKO Stuttgart“, „Dr. Psycho“ oder in „Die Kanzlei“. In drei Filmen um „Die Wilden Hühner“ und jüngst in dem historischen Kriminalfilm „Effigie – Das Gift und die Stadt“ kam Jankowsky auch ins Kino.

Seit zehn Jahren ist der Schauspieler zudem als Sänger mit einem Villon-Programm und mit Krimilesungen der besonderen Art auf den Bühnen des Landes unterwegs. Am Freitag gastiert er zum ersten Mal in Freital. Spannende Unterhaltung ist garantiert, „Wenn Overbeck kommt ...“

Herr Jankowsky, stört Sie es, wenn Sie einer mit Overbeck anspricht?

Na ja, ich heiße ja nicht so. Aber wenn es im Spaß mit einem Augenzwinkern passiert, da habe ich nichts dagegen.

Sind Sie nach 23 Jahren in dieser Rolle nicht ziemlich auf Overbeck festgelegt?

Was heißt festgelegt? Er ist doch ein vielschichtiger Charakter. Ich darf ja alle möglichen Richtungen in dieser Rolle ausprobieren, es ist ja nicht immer das Gleiche. Mal ist er Frauenrechtler und dann wieder Undercover-Agent. Er verfolgt zwar oft die falschen Fährten und manövriert sich in oberpeinliche Situationen. Aber er lässt sich davon nicht unterkriegen, er steht immer wieder auf. Das macht ihn sympathisch. Das gefällt den Zuschauern, das merke ich an meiner Fangemeinde.

Wilsbergs Patentochter und Nichte Alex Holtkamp, die Overbeck ja auch gern mal eines Verbrechens verdächtigt, ist jetzt nicht mehr dabei, weil die Schauspielerin Ina Paule Klink neue berufliche Wege gehen will. Was bedeutet das für Sie und die Serie?

Es ist natürlich eine emotionale Sache für die Fans, die eine liebgewonnene Figur vermissen werden, so wie wir Schauspieler nach zwanzig Jahren natürlich auch. Aber den Fortgang der Serie sehe ich dadurch nicht gefährdet. Autoren und Redaktion werden das mit Unterstützung der Schauspieler sicher auffangen.

Aber Sie bleiben der Overbeck?

Solange man mich will. Bisher deutet nichts auf einen Abschied hin.

Nun sind Sie als Filmfigur auch mit Krimilesungen erfolgreich ...

Nein, nicht als Filmfigur. Als Roland Jankowsky. Natürlich wäre ich doof, wenn ich nicht mit dem bekannteren Rollennamen kokettieren würde. Den Overbeck kennen einfach mehr. Aber das ist dann auch schon alles. Der Schauspieler Roland Jankowsky kann ja noch ganz andere Sachen. Ich springe in den Lesungen in bis zu zehn unterschiedliche Rollen mit verschiedenen Dialekten.

Das konnten Sie in diesem Jahr wegen der staatlichen Maßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie wahrscheinlich weniger zeigen als sonst. Wie hat sich das ausgewirkt?

Enorm. Vierzig Veranstaltungen sind bisher ausgefallen, fünf weitere bereits abgesagt. Das ist schon viel. Einige sind zwar auf nächstes Jahr verschoben, aber da wäre ich ja ohnehin wieder aufgetreten. Insofern sind es tatsächlich Ausfälle.

Wie geht es Ihnen damit?

Die Einschränkungen betreffen ja nicht nur mich, sondern alle, insofern hadere ich nicht mit meinem Schicksal. Ich arrangiere mich damit, auch wenn es nicht schön ist.

Wobei die Kultur von den Restriktionen besonders betroffen ist.

Das ist absolut richtig. Viele meiner Kollegen wissen nicht, wie es weitergeht, und kleine Theater werden schließen müssen. Das ist ganz schlimm, was da passiert. Natürlich kann man sich da fragen, warum Konzerne wie die Lufthansa oder der Reiseveranstalter Tui Milliarden als staatliche Hilfen bekommen, die Künstler und kleinen Theater hingegen sehen müssen, wo sie bleiben. Das ist ein Fehler im System. Ich finde es auch herablassend von unserem Wirtschaftsminister Herrn Altmaier, wie er sich in den Medien inszeniert und große Töne spuckt, bei Veranstaltern, Spielstätten und vielen Soloselbstständigen aber nichts oder kaum etwas ankommt. Oder man darf Hilfen nur für Betriebsausgaben ausgeben. Die haben die meisten gar nicht. Die fallen einfach durchs Raster. Oder ihnen wird Hartz IV empfohlen.

Halten Sie die aktuellen Maßnahmen noch für sinnvoll und angemessen?

Nun, wenn man sich anschaut, wie die Infektionszahlen nach oben gehen, nicht nur in Deutschland, und manche denken, Corona findet bei feiernden jungen Menschen, auf Partys oder auf Großhochzeiten nicht statt, dann halte ich die Einschränkungen leider noch immer für angebracht. Man kann, glaube ich, noch nicht einfach zur Normalität zurückkehren, auch wenn ich selbst davon betroffen bin. Die unterschiedlichen Regelungen allerdings versteht keiner. Im Kino und Theater wird Abstand gefordert, und im Flugzeug dürfen die Menschen eng beieinander sitzen.

Haben Sie Angst vor Corona?

Nee. Ich habe ein sehr gutes Immunsystem, und ich treibe viel Sport. Das ist vielleicht ein etwas naiver Ansatz, weil ja durchaus auch gut trainierte jüngere Leute erkranken. Aber das ist eher selten.

Spielt das Virus in Ihrem Bühnenprogramm in Freital eine Rolle?

Nur insofern, dass wir den Termin von Mai auf Oktober verlegen und in einen größeren Saal umziehen mussten, der dann nur halb voll sein darf. Inhaltlich nicht.

Worauf darf sich das Publikum freuen?

Auf schräge kriminelle Geschichten verschiedener Autoren mit überraschenden Wendungen am Ende. Da wird auch gemordet, und da fließt auch mal Blut, aber stets mit einer Portion schwarzen Humors.

„Wenn Overbeck kommt ...“, 2. Oktober, 19 Uhr, Stadtkulturhaus Freital, Kartentelefon 0351 65261822.

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