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Schloss Burgk hat erstmals eine Chefin

Kristin Gäbler leitet jetzt die Städtischen Sammlungen Freital. Dort ist sie keine Unbekannte.

Kristin Gäbler leitet jetzt die Städtischen Sammlungen Freital auf Schloss Burgk.
Kristin Gäbler leitet jetzt die Städtischen Sammlungen Freital auf Schloss Burgk. © Egbert Kamprath

Die Stadt Meißen ist in dunkles Blau getaucht, Häuser und Burg sind im fahlen Licht des Erdtrabanten schemenhaft zu erkennen. Da öffnet sich ein Fenster, und eine hübsche junge Frau schaut verträumt in den Himmel. Nicht ganz zufällig: Es handelt sich dabei um Adele, die künftige Frau des Malers Oskar Zwintscher, der seine Liebste 1897 in einem seiner schönsten Bilder verewigte. Die „Mondnacht“, entstanden in der Zeit des Jugendstils, gehört zu den Höhepunkten der Städtischen Kunstsammlungen auf Schloss Burgk.

Das kann Kristin Gäbler nur bestätigen. Es ist auch ihr persönlicher Favorit. Immer wieder hat die Dresdnerin in den vergangenen drei Jahrzehnten vor dem Gemälde in der Dauerausstellung gestanden und sich daran erfreut. Nun kann sie es noch öfter sehen, und das sogar dienstlich: Kristin Gäbler leitet seit 1. März die Städtischen Sammlungen Freital. Die Diplom-Museologin, die in Cossebaude wohnt, verheiratet ist und eine 30-jährige Tochter hat, ist die erste Frau in diesem Amt. Die 53-Jährige folgt Rolf Günther nach, der im November vergangenen Jahres nach fast 33 Jahren Dienstzeit in den Ruhestand ging.

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50 Bewerber

Kristin Gäbler, zuletzt Sammlungsleiterin für Grafik, Gemälde und Skulptur in der Städtischen Galerie Dresden, gehörte zu Günthers Favoriten. Entscheiden aber musste der Stadtrat – und unter fünfzig Bewerbungen auswählen. Kristin Gäbler konnte mit Fachkompetenz, langjährigen Erfahrungen und mit einer originellen Idee für die Einreichung ihrer Unterlagen punkten. Ihre schriftliche Bewerbung im handlichen Format war an einer Ecke genietet und ließ sich fächerförmig aufklappen.

Ob das entscheidend war, sei dahingestellt. Kristin Gäbler jedenfalls ist glücklich, dass die Wahl auf sie gefallen ist. „Ich habe mich nicht nach einer Leitungsposition gedrängt. Aber ich habe schon vor Jahren gedacht, wenn ich mal irgendwo Chef sein will, dann hier in Freital“, sagt sie. „Ich bin schon immer ausgesprochen gerne in diesem Museum gewesen und habe dort viele wichtige Ausstellungen gesehen.“ Was sie überzeugt, ist die Vielfalt, die Kunstsammlung, die selbst in Dresden ihresgleichen sucht, das Ambiente, und dass die Stadt zu ihrem Museum steht. Das sei nicht überall selbstverständlich, sagt sie.

Kontakt schon seit 1989

Ihre Beziehung zu Burgk reicht bis in das Jahr 1989 zurück. Damals arbeitete sie im Kupferstichkabinett. Dort traf sie das erste Mal auf Rolf Günther, als der bei der Ausreise des Erben in den Westen beschlagnahmte Nachlass des Malers und Grafikers Bernhard Kretzschmar auf die Museen der DDR zu verteilen war. „Es durfte sich jeder etwas aussuchen“, erinnert sie sich.

Kristin Gäbler, deren Eltern Buchhändler waren und deren Schwester Karen Gäbler Malerin ist, hätte sich auch gern etwas ausgesucht – einen Studienplatz. „Ich wollte Kunstgeschichte studieren“, sagt sie. Zugeteilt wurde ihr Energieerzeugung. „Diesen Platz habe ich einer Freundin überlassen.“ Kristin Gäbler, die im Jugendclub der Staatlichen Kunstsammlungen war, bewarb sich immer wieder, bis sie einsah, dass sie keine Chance hatte. „Mir fehlten die Beziehungen.“ Schließlich studierte sie Museologie in Leipzig und Berlin.

Pillnitz, Zwinger, Albertinum

Über Schloss Pillnitz, den Zwinger und das Albertinum kam sie ins Stadtmuseum Dresden und vor zwanzig Jahren in die Städtische Galerie. Während sie dort für die Hintergrundarbeit zuständig war, könne sie in Freital nun auch selbst Ausstellungen gestalten, sagt sie. Ihre erste soll bereits Mitte April eröffnet werden, die „Große Kunstschau Freital“, die im Zeichen des 100. Geburtstages der Stadt steht.

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„Ideen habe ich viele“, sagt Kristin Gäbler, „aber ich werde nicht alles umstülpen.“ Die Kinder- und Jugendarbeit möchte sie forcieren und hofft, dass die Stadt dafür die derzeit noch freie Stelle von Ilka Melzer mit einem Museumspädagogen besetzt. Der könnte dann zum Beispiel mit einer Schulkasse Oskar Zwintschers Meisterwerk „Mondnacht“ besprechen.

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