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Im Lauensteiner Schloss wird abgestaubt

Jetzt ist die Zeit für Arbeiten, die sonst oft liegenbleiben. Und es gibt große Pläne für die Zeit nach der Schließung. Da wird nicht nur rumgekaspert.

Gabriele Gelbrich nutzt die Zeit der Schließung, um auf Schloss Lauenstein die neue Puppentheaterausstellung aufzubauen.
Gabriele Gelbrich nutzt die Zeit der Schließung, um auf Schloss Lauenstein die neue Puppentheaterausstellung aufzubauen. © Egbert Kamprath

Chefin Gabriele Gelbrich ist fast alleine in "ihrem" Schloss in Lauenstein. Ein bisschen Gesellschaft leisten ihr die Handpuppen, die sie gerade für die geplante Erweiterung der Dauerausstellung vorbereitet. Insgesamt stimmt sie die Situation etwas traurig. Denn gerade in der Weihnachtszeit wäre sonst gut Betrieb gewesen. Die Bauarbeiten in den früheren Wirtschaftsgebäuden sind abgeschlossen, sodass dort Veranstaltungen hätten stattfinden können. Im Museum war eine Sonderausstellung mit Krippen aus aller Welt aufgebaut. Doch wer sich diese anschauen wollte, konnte das nur via Internet am Bildschirm tun.

So macht sich Langeweile breit beim Lauensteiner Schlossgespenst. Seit Wochen geistert es durch leere Gänge, und wenn es doch mal auf jemanden trifft, sind es die drei Museumsmitarbeiter. Wie bei allen anderen öffentlichen Einrichtungen sind auch hier die Tore dicht. Wann Besucher die alten Gemäuer wieder betreten dürfen, ist unklar.

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Digitalisierung hält Einzug im Museum

Doch die Museumsleute machen aus der Not eine Tugend. Eine Aufgabe ihres Hauses ist das Bewahren von Sachzeugen der Geschichte. Die Sammlungen müssen gepflegt werden. Dafür ist jetzt Zeit. So stehen mehrere große Schieber mit Karteikarten im Archiv, auf denen der komplette Museumsbestand erfasst ist. So war es früher üblich, passt aber nicht mehr in die heutige Zeit.

Keiner will mehr in alten Akten blättern. Auch im Museum zieht immer mehr der Computer ein. So ist Gabriele Gelbrich froh, dass ihr gegenwärtig zwei junge Leute zur Verfügung stehen, die in Lauenstein ihr Bundesfreiwilligenjahr absolvieren. Klaus Fillbach aus Bayern entwickelt hier eine App, die die Ausstellungen speziell für die Altersgruppe von 12 bis 20 Jahren interessant machen soll.

Morris Wolf aus Geising arbeitet im Bundesfreiwilligendienst im Museum. Er digitalisiert die bisher verwendeten Karteikarten, auf denen die Bestände aufgeführt waren.
Morris Wolf aus Geising arbeitet im Bundesfreiwilligendienst im Museum. Er digitalisiert die bisher verwendeten Karteikarten, auf denen die Bestände aufgeführt waren. © Egbert Kamprath

Morris Wolf aus Geising arbeitet sich dagegen durch die Karteikarten und erfasst deren Inhalt im Computer. So beträgt künftig die Suche nach einem Exponat im Bestand nur noch einen Bruchteil der bislang dafür nötigen Zeit. Immerhin besteht die Sammlung aus 6.000 Positionen. Aus Fördermitteln der Corona-Soforthilfe konnte für das Museum ein leistungsstarker Rechner mit Scanner angeschafft werden.

Perspektivisch sollen über Portale öffentlich verfügbare Datenbanken Lauensteiner Exponate ins Netz gestellt werden. Durch die Einbindung der virtuellen Welt erhält der Museumsbesuch eine neue Qualität. So können die 150 Bilder aus dem Nachlass des Künstlers Heribert Fischer-Geising im Internet gezeigt werden, was bei einer Ausstellung im Schloss in der Gesamtheit kaum möglich wäre.

Grundriss der Dresdner Frauenkirche aufbereitet

Gabriele Gelbrich würde natürlich ihr Haus viel lieber wieder ganz real für Besucher öffnen, doch sie findet auch so genug zu tun und widmet sich der Aufarbeitung der Bestände. Schenkungen und Neueingänge aus der letzten Zeit finden nun ihren Weg ins Archiv. Dazu zählt unter anderem ein historischer Grundriss der Kellergewölbe der Dresdner Frauenkirche. Sicher wird diese Zeichnung bald in der George-Bähr-Ausstellung zu sehen sein.

Das Erfassen der umfangreichen Fotosammlung braucht Zeit. „In meinem Büro stehen schon einige Kästen weniger. Man sieht langsam Licht.“ Und Besucher müssen künftig am Eingang nicht mehr nach dem Kleingeld kramen. Es steht künftig ein modernes Kassensystem zur Verfügung, sodass man auch mit EC-Karte bezahlen kann.

Ehre für Geisinger Vorgänger von Bach als Leipziger Thomaskantor

Die Zeit des Lockdowns wird im Museum Lauenstein außerdem dafür genutzt, die vorhandenen Ausstellungen zu erweitern und zu modernisieren. Es sollen ganz neue Bereiche entstehen. "Dem Wirken der beiden aus Geising stammenden Thomaskantoren Schelle und Kuhnau wollen wir Raum schaffen. Beide waren immerhin Vorgänger von Bach", sagt Gabriele Gelbrich.

Für die Präsentation des bei Bauarbeiten im Schloss entdeckten Silberschatzes wurden Fördermittel beantragt. Die Münzen sollen in einer klimatisierten Vitrine ihren Platz finden. Sie werden Teil der Exposition zur Schlossgeschichte und seiner Bewohner sein, die gegenwärtig in neuer Form aufgebaut wird.

Eine Auffrischung soll auch der etwas angestaubte Bereich zur Geschichte der Jagd erhalten. Derzeit wird an dem Konzept gearbeitet. Darin einfließen sollen auch Exponate aus dem Bestand der jagdlichen Sammlung aus Schloss Grillenburg. Nach der Auslagerung werden Teile davon auch in Schloss Lauenstein aufbewahrt. Darunter sind Uniformen, Waffen und Instrumente. Viele sind herausragende Stücke, die es wert sind, dass sie die Öffentlichkeit wieder zu sehen bekommt.

Schloss Lauenstein - was sich im Inneren verbirgt, zeigt unsere Bildergalerie.
Schloss Lauenstein - was sich im Inneren verbirgt, zeigt unsere Bildergalerie. © Egbert Kamprath
Seit Jahrzehnten hat sich in der Ausstellung zur Jagd nur wenig verändert. Das soll nun passieren, auch durch Exponate aus der früheren Forstschau in Schloss Grillenburg.
Seit Jahrzehnten hat sich in der Ausstellung zur Jagd nur wenig verändert. Das soll nun passieren, auch durch Exponate aus der früheren Forstschau in Schloss Grillenburg. © Egbert Kamprath
Da träumt so mancher davon, einmal zwischen den alten Schätzen im Speicher eines Museums zu stöbern.
Da träumt so mancher davon, einmal zwischen den alten Schätzen im Speicher eines Museums zu stöbern. © Egbert Kamprath
Das frisch restaurierte Gemälde der Margarethe von Pflugk hat im Vogelsaal einen neuen Platz gefunden.
Das frisch restaurierte Gemälde der Margarethe von Pflugk hat im Vogelsaal einen neuen Platz gefunden. © Egbert Kamprath
Historische Jagdwaffen liegen für digitale Katalogisierung bereit.
Historische Jagdwaffen liegen für digitale Katalogisierung bereit. © Egbert Kamprath

In der Hoffnung, dass auch ihr Haus bald wieder öffnen kann, bereitet Gabriele Gelbrich mehrere Sonderausstellungen vor, unter anderem mit Bildern von Holger Koch und Olaf Amberg. Ebenfalls geplant ist nach dem großen Erfolg beim ersten Mal der Aufbau der Murmelwelt im Sommer. Im Barockgarten sind außerdem Freiluftkonzerte und Theater geplant.

Immer wieder verschoben wurde auch die Premiere im neuen Puppentheater, dem früheren Flugsaal im mittlerweile sanierten Wirtschaftsgebäude. Dazu wird auch die Dauerausstellung rund um das Puppentheater deutlich erweitert. Zu sehen sind unter anderem viele Stücke aus dem Fundus der Dresdner Puppenbühne von Ruth und Hans-Joachim Hellwig, die eng verbunden sind mit dem mittlerweile etablierten Bärenfelser Puppentheaterfestival.

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Ihrem Wirken wird in Lauenstein ein eigener Raum gewidmet. "In einem weiteren Bereich werden die Darstellungsformen näher vorgestellt, von der Marionette bis zur Handpuppe sowie der Entwicklung des Kaspers im Laufe der Geschichte", sagt Gabriele Gelbrich und widmet sich wieder dem Abstauben der Puppen.

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