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Das ist Freitals neuer Kulturhaus-Chef

Jugend voran: Erstmals seit Jahrzehnten wird das Haus von einem jüngeren Semester geleitet. Jan Albrecht bringt gleich einige frische Ideen mit.

Jan Albrecht ist zuversichtlich, dass die neue Spielzeit im Stadtkulturhaus Freital ein Erfolg wird.
Jan Albrecht ist zuversichtlich, dass die neue Spielzeit im Stadtkulturhaus Freital ein Erfolg wird. © Egbert Kamprath

BU: Jan Albrecht ist zuversichtlich, dass die neue Spielzeit im Stadtkulturhaus Freital ein Erfolg wird.

Ständig, sagt er, werde er auf sein Alter angesprochen. "Ist das wirklich so wichtig und interessant?", fragt Jan Albrecht. Es ist zumindest bemerkenswert. Jahrzehntelang lag die Leitung von Freitals Stadtkulturhaus in den Händen der älteren Generation. Erst war es Gerd Knieps, der bis zu seiner Pensionierung die Geschäfte führte, dann Angelika Schminder, die im Sommer in den Ruhestand ging.

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Nun übernimmt Jan Albrecht, ein 33-Jähriger. Albrecht hat Kulturmanagement an der Hochschule Zittau-Görlitz studiert, aufgewachsen ist er in Hoyerswerda, wo er am musikalischen Gymnasium sein Abitur machte. Nach seinem Studium übernahm er die Kleinkunstbühne Passage im Dresdner Westen.

Nun also das Stadtkulturhaus, sein erstes größeres Haus. Freital, das war für Jan Albrecht bisher nur ein Ort auf der Landkarte. Da fuhr er mal hindurch, wenn er ins Dresdner Umland zum Wandern wollte. "Die Stadt hat eine komische Struktur. Es gibt kein Zentrum und keinen richtigen Anlaufpunkt, um anzuhalten und durchzubummeln."

Trotzdem ist er nun hier und sagt: "Ich habe ein gutes Gefühl, was Freital betrifft."

Stammpublikum halten, neue Gäste begeistern

Jan Albrecht sieht nicht die Lücken und Unzulänglichkeiten der Stadt, er sieht das Potenzial. "Wenn ich durch Freital fahre, stehen da viele neu gebaute Häuser, in denen junge Familien leben. Die haben durchaus ein kulturelles Interesse." Er versteht es als seine Aufgabe, genau diese Männer, Frauen und Kinder ins Freitaler Kulturhaus zu locken.

Und natürlich möchte er auch das Stammpublikum weiter pflegen. Albrecht: "Manche kennen das Stadtkulturhaus seit ihrer Kindheit und haben eine lange, ganz persönliche Beziehung zu diesem Haus."

Das Stammpublikum war viele Jahre eher Ü60 und vor allem der Schlager- und Volksmusik zugetan. Mit Angelika Schminder zogen andere Formate ins Kulturhaus ein, zum Beispiel das Puppentheater oder zuletzt die Live-Musik-Bühne, bei der lokale Bands kostenlos im Da Capo auftraten.

Genau dort möchte Jan Albrecht nun anknüpfen.

Familien ins Kulturhaus locken

Leicht wird das nicht, ist doch die Kulturbranche gerade erst dabei, sich nach dem Corona-Schock wieder aufzurappeln und neu anzufangen. Und noch weiß keiner, wie es wirklich weitergeht. Es gab schon mal mehr Planungssicherheit. Jan Albrecht möchte aber nicht jammern, sondern hat nach Freital einige neue Ideen mitgebracht.

"Grundsätzlich möchte ich eine starke Mischung und das Haus für jüngere Erwachsene öffnen." Ein bisschen weg vom Schlager und mehr moderne Musik zum Beispiel müsse ins Programm. Doch nicht ihm müsse das Programm gefallen, sondern dem Publikum. Deshalb solle bald eine Befragung unter den Gästen nach deren Vorlieben durchgeführt werden.

Unabhängig davon ist Jan Albrecht überzeugt, dass bei den Familien Bedarf nach Kultur besteht. Das Figurentheater möchte er unbedingt erweitern. "Ich habe schon mit einigen Puppenspielern gesprochen, um sie nach Freital zu holen."

Schlager, Puppentheater, Krimilesung

Etablierte Programmpunkte sollen aber keinesfalls abgeschafft werden. Es werde weiterhin ein Neujahrskonzert geben, die Kooperation mit den Landesbühnen wird fortgesetzt, die Schultheaterwochen - hochdefizitär, wie Albrecht zugibt - sollen unbedingt wieder angeboten werden.

Zunächst wird es darum gehen, lange verschobene Veranstaltungen durchzuführen. So tritt am 19. September Rudy Giovannini auf. Am 26. September gibt es eine Krimilesung mit Roland Jankowsky, der vielen ZDF-Zuschauern als Kommissar Overbeck aus der Serie Wilsberg bekannt ist.

Bereits am 24. September öffnet auch wieder die Live-Musik-Bühne, diesmal mit der Bronson Blues Band. Und am 10. Oktober kommen Jan und Henry, die zwei tollpatschig-sympathischen Erdmännchen aus dem Kinderkanal Kika nach Freital. Es sind alles Veranstaltungen, die noch unter Albrechts Vorgängerin organisiert wurden.

In Technik muss investiert werden

So bunt die Mischung klingt und so gut sich der Kartenvorverkauf jetzt anlässt - Jan Albrecht traut dem Aufschwung in der Kulturbranche noch nicht ganz. "Die Leute werden uns nach Corona nicht die Bude einrennen", befürchtet er. Er richtet sich auf harte Arbeit ein, um das Publikum dauerhaft an- und von Netflix und Co. wieder wegzulocken. "Wir müssen die Menschen zum Live-Erlebnis zurückholen. Das geht nur mit Qualität."

Was Qualität ist, darüber diskutieren er und seine acht Mitarbeiter täglich und feilen am Programm. Und Qualität betrifft bei weitem nicht nur den Inhalt. So ist das Kulturhaus technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand. Unbedingt müsse investiert werden, so der Leiter.


Betrieben wird das Haus vom Kulturverein Freital, bei dem alle Mitarbeiter angestellt sind, und wo auch noch ehrenamtliche Kräfte mithelfen. Die Mittel sind da begrenzt, nicht aber die Ideen.

So möchte Jan Albrecht die Verwaltung des Hauses modernisieren, eine bessere Mülltrennung praktizieren und weniger Energie verbrauchen - womit er wieder bei der veralteten Technik wäre. "Das wird extrem teuer."

Aber er ist zuversichtlich. In der Vergangenheit - und damit ist vor der Corona-Pandemie gemeint - hat das Freitaler Kulturhaus schwarze Zahlen geschrieben. Dorthin wolle er wieder, sagt Jan Albrecht.

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