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Tharandter Wald und seine Dörfer im Kalender

Der Architekt Kai Tempel zeichnete vierzehn Motive für einen Kalender für 2021. Und lädt zu einer Wanderung ein.

Kai Tempel steht mit seinem neuen Kalender „Dörfer am und im Tharandter Wald“ auf der Burgruine Tharandt mit der Kirche im Hintergrund. Beides Motive, die er auch gezeichnet hat.
Kai Tempel steht mit seinem neuen Kalender „Dörfer am und im Tharandter Wald“ auf der Burgruine Tharandt mit der Kirche im Hintergrund. Beides Motive, die er auch gezeichnet hat. © Thomas Morgenroth

Die Menschen zwischen Dorfhain und Tharandt suchten über Jahrhunderte mühsam im harten Fels nach wertvollen Metallen und Steinen. Entlang der Wilden Weißeritz soll es einmal 26 Erzbergbaugruben gegeben haben. „Das war für mich überraschend“, sagt der Dresdner Architekt Kai Tempel, der diese Zahl bei den Recherchen für seinen neuen Kalender ermittelt hat. Und auch, dass mit dem „Aurora-Erbstolln“ in Dorfhain noch eines der Bergwerke für Besucher zugänglich ist.

„Dörfer im und am Tharandter Wald“ heißt Tempels Begleiter für das kommende Jahr. Er ist im handlichen, zu doppelter Größe aufklappbaren A-5-Format gehalten, und vereint vierzehn Skizzen für zwölf Monate, für ein Deckblatt und eine Vorrede. Tempel hat sie vor Ort mit Kugelschreiber oder Fineliner gezeichnet. Meistens war er dafür in diesem Frühjahr und Sommer mit dem Fahrrad unterwegs, von seiner Frau Andrea begleitet. Die Corona-Krise half ihnen, dabei Kosten zu sparen: „Unsere Monatskarten für den Öffentlichen Nahverkehr Dresden galten plötzlich auch für das Umland.“ So packten Tempels ihre Drahtesel in Zug und Bus, um die anstrengende Berg- und Talfahrt von ihrer Wohnung in Coschütz aus etwas zu entschärfen.

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Kai Tempel, im September 61 geworden, zeigt typische Ansichten aus Dörfern und Ortschaften, die zu Klingenberg und Tharandt gehören, aber auch aus Naundorf, Hetzdorf und Niederschöna. Wilsdruffer Flecken, wie Herzogswalde, Mohorn oder Grund, kommen hingegen nicht vor. Die hat Tempel bereits in seinem Kalender für das Jahr 2013 ausführlich bedacht. Der Tharandter ist sein neunzehnter Kalender, in dem er sich Dörfern der Region widmet. Angefangen mit Dresden, dazu gibt es ein dickes Buch, war er auch schon in Kreischa, Bannewitz und Freital unterwegs.

Häuserzeile in Freital geplant

Mit geübtem Strich hat Tempel diesmal vor allem Kirchen zu Papier gebracht. Angefangen von der in Tharandt auf dem Felssporn über Colmnitz, Dorfhain und Fördergersdorf bis Höckendorf, Klingenberg, Naundorf und Niederschöna. Wo es keine Kirche gibt, fand Tempel andere schöne Motive, wie in Großopitz, Hetzdorf, Pohrsdorf, Kurort Hartha und Spechtshausen.

Grillenburg konnte natürlich mit dem Schloss punkten, das nun das Kalenderblatt für den Monat April ziert – oder Launing, wie er in früheren Zeiten hieß. Tempel druckte die alten Namen der Monate unter die heutigen und erinnert so an längst vergangene Zeiten. Eine schöne Idee. Wer weiß schon noch, dass das Jahr einst mit Hartung und Hornung begann und mit Nebelung und Dustermand endete.

Seine Skizzen ergänzt Tempel mit einem mitunter historischen Siegel und knappen Informationen zur Geschichte, die stets bei der Gründung des Ortes beginnt. Da werden die Rittergüter und die „besessenen Mann“ erwähnt, die Art der Siedlung, meistens sind es Waldhufendörfer, und die im Laufe der Jahrhunderte wechselnde administrative Zuordnung.

Kai Tempel, seit 1996 freier Architekt, studierte an der TU Dresden und arbeitete danach bei Bau Freital und dessen Nachfolger Bauconcept Freital. Eines der Projekte, an denen er maßgeblich beteiligt war, ist die zu DDR-Zeiten begonnene und Anfang der Neunzigerjahre fertiggestellte Häuserzeile an der Dresdner Straße in Döhlen zwischen dem Capitol und der Panschau. 1991 eröffnete dort Musik-Schubert sein neues Geschäft. Kai Tempel gratulierte dem Inhaber Steffen Schubert mit einem Ständchen: Er sang eigene Lieder zur Gitarre.

So etwas macht Tempel, seit er Student war. Seine ersten Auftritte als „junger Liedermacher“ hatte er in den Achtzigern im Club der Intelligenz oder im Lesecafé des Jugendclubs Kunst & Literatur auf der Straße der Befreiung in Dresden, dort mit dem auf französische Chansons spezialisierten Ralf Tauchmann, mit dem er noch heute Konzerte gibt. Als ehemaligem Kruzianer liegt Kai Tempel das Singen sozusagen im Blut. In seinen Texten setzt er sich kritisch und ironisch mit den aktuellen Verhältnissen in der Welt und dem Verhalten seiner Mitmenschen auseinander.

Was ihn verdächtig machte und in den Fokus der Stasi rückte. Ein ehemaliger Mitschüler, sagt Tempel, habe über ihn Berichte geschrieben. Heute singt er frank und frei über die „Klima-Hysterie“, die Globalisierung, die Genderisierung der Sprache oder die Meinungsfreiheit. Zu finden auf seiner neuesten CD mit dem Titel „Rundadinella“, erschienen im Eigenverlag.

Die Herausgabe seines neuen Kalenders gibt Kai Tempel gern mit einem Konzert bekannt. In diesem Jahr aber fallen wegen der staatlichen Restriktionen im Zuge der Corona-Pandemie seine „Kalenderlieder“ aus. Stattdessen lädt der Dresdner zu einer gemeinsamen Wanderung am Buß- und Bettag ein. Zum Beispiel entlang der Wilden Weißeritz vom Bahnhof Tharandt zum „Aurora-Erbstolln“ nach Dorfhain.

Den Kalender gibt es zum Preis von zehn Euro unter anderem in der Buchhandlung Findus in Tharandt oder direkt bei Kai Tempel, der auch Anmeldungen für die Wanderung entgegennimmt.

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