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Vielschichtige Grafiken in der Kuppelhalle

Heike Wadewitz zeigt in Tharandt eine Auswahl ihrer Radierungen, die in besonderer Arbeitsweise auf Kupferplatten entstehen.

Die Dresdner Künstlerin Heike Wadewitz mit ihrer 2019 entstandenen Radierung „im wind“ in der Galerie der Kuppelhalle Tharandt.
Die Dresdner Künstlerin Heike Wadewitz mit ihrer 2019 entstandenen Radierung „im wind“ in der Galerie der Kuppelhalle Tharandt. © Thomas Morgenroth

Ein weißer Bulle lugt um die rechte Ecke und beobachtet die Künstlerin bei der Arbeit. Heike Wadewitz lässt sich nicht stören. Sie stellt einen Stuhl auf die gelbblühende Wiese, lässt einen Menschen auf dem Asphaltband verharren und reiht drei windschiefe Häuser aneinander. Ein Baum ist links das Gegengewicht zu dem Bullen. Nein es handelt sich nicht um einen Polizisten, sondern um ein Rindvieh.

Heike Wadewitz ist „unterwegs“, wie ihre Kaltnadelradierung heißt. Den Druck hat sie mit Aquarellfarben koloriert. Nur den Tierkopf nicht, der ist ein Zeitreisender. Er gehörte einst zu einer anderen Szene, die Heike Wadewitz radierte. Er blieb stehen, als die Dresdnerin die Platte überarbeitete. Nicht zum ersten Mal – Schicht auf Schicht legt sie Bilder übereinander.

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Nach dem Druck schabt sie die Oberfläche ab, ohne indes alle Linien zu tilgen. Manches bleibt stehen, wie es ist, anderes wird unterschiedlich stark abgeschwächt. Das, was war, bleibt als Ahnung, als Geist, als Traumgespinst, als geheimnisvolle Botschaft aus einer anderen Welt. Das gibt ihren Grafiken eine überraschende Tiefe und eine philosophische Dimension, wenn Figuren oder Details von Gegenständen und Landschaften auftauchen, die zunächst nichts mit der Gegenwart zu tun haben. Aber alles ist mit allem verwoben, das Hier und Dort, das Gestern und Heute.

Eine Schafziege mit sechs Beinen

Heike Wadewitz kommt bei der Umsetzung ihrer Alltagsbeobachtungen zu nachdenklichen und hintergründig ironischen Ergebnissen. „Vieles ergibt sich aus dem Arbeitsprozess“, sagt sie. „Es ist wie bei einem Gespräch, da weiß man auch nicht, was am Ende dabei herauskommt.“ Da passiert es eben, dass die Schafziege in „ROSA“ auf sechs Beinen steht und in „Kleines Haus“ zwei ihrer Beine verloren hat.

Sie ist dort zudem nicht mehr vordergründig präsent, sondern Teil der Vermutung einer Frau, die auf das Gebäude schaut und überlegt, was sich wohl darin befinden und abspielen könnte. Es taucht ein Liebespaar auf und eine andere Frau, die durch eine labyrinthische Ansammlung von Linien miteinander verbunden sind. Eine rätselhafte Szene, die der Betrachter nicht so schnell verlassen sollte. Wer genauer hinschaut, findet sogar den Teufel.

Keine Bilder für den schnellen Blick

Es sind keine Bilder für den schnellen Blick, die Heike Wadewitz bis Juni in der Galerie der Kuppelhalle Tharandt zeigt. Sie bringt auf ihren Grafiken Menschen und Tiere in mitunter aberwitzigen Konstellationen oder auch in herzerwärmenden Szenen zusammen, thematisiert Einsamkeit wie Zweisamkeit und widmet sich ganz aktuell den Auswirkungen der Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie.

Anders als hierzulande üblich, nutzt Heike Wadewitz keine Platten aus Zink für ihre Radierungen, sondern aus Kupfer. Das hängt mit einem Gaststudium 1998/99 in Stockholm zusammen. In Schweden sind „copper plates“ üblich. Überhaupt sei sie erst in Stockholm zur Kaltnadelradierung gekommen, sagt Heike Wadewitz.

1963 geboren, studierte sie an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden Malerei und Grafik bei Claus Weidensdorfer und war Meisterschülerin bei Elke Hopfe. Seit 2001 arbeitet sie als Kunstlehrerin an den Semper-Schulen in Dresden. „Dann bin ich frei für meine Kunst, ohne jeden kommerziellen Zwang“, sagt sie. Da darf der Bulle schon mal farblos sein. Vielleicht war es ja auch ein Ochse. Wer weiß.

Bis 25. Juni, Besichtigung Montag bis Donnerstag 9 – 16 Uhr nach Anmeldung, Telefon 035203 30042.

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