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Was Freitaler aus Liebe zum Theater vollbrachten

Eine Erinnerung an die Freitaler Otto Schneider und Walter Thümler, die sogar Bühnenstücke verfassten - mit einigem Erfolg.

1923 reiste der Theaterverein „Mignon Hainsberg“ zu einem Gastspiel nach Wilsdruff. Mit an Bord: Otto Schneider (hintere Reihe, Zweiter von rechts.).
1923 reiste der Theaterverein „Mignon Hainsberg“ zu einem Gastspiel nach Wilsdruff. Mit an Bord: Otto Schneider (hintere Reihe, Zweiter von rechts.). © Repro: Siegfried Huth

Ob man ihre Werke überhaupt noch einmal spielen wird, scheint fraglich. Wer sollte sich auch für die nunmehr bald 100 Jahre alten Arbeiten der beiden Freitaler Otto Schneider und Walter Thümler einsetzen? Amateurensemble sind in hiesigen Breitengraden knapp geworden. Da hält nur noch die Spielbühne die Position. Dabei war die Gegend um Freital in den 1920er- und 1930er-Jahren mit Laienspielgruppen – damals Theatervereine – reich gesegnet.

Viele Schulen rechneten es sich zur Ehre an, zu Heimatfesten oder der Vorweihnacht mit Märchenaufführungen an die Öffentlichkeit zu treten. Man denke an Otto Roth (Pestalozzischule Deuben) oder an den Rabenauer Pädagogen Conrad Grützner. Ihre Heimatspiele oder Märchen sind noch immer nicht ganz vergessen.

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Was die schon erwähnten Theatervereine anbetrifft, so bestanden unter anderem vor allem in Deuben, Hainsberg, Birkigt und Burgk leistungsstarke Gemeinschaften. Ihr Repertoire reichte vom Lustspiel bis zum Drama. Gut besuchte Vorstellungen waren typisch. Wohl alle Laienspieler von damals waren von der Leidenschaft für die Bühne erfüllt. So auch Otto Schneider und Walter Thümler, die mit Ehrgeiz und nicht ohne Erfolg ihrer Passion dienten. Machen wir uns im Folgenden mit ihnen bekannt.

Otto Schneider: Mal Ernstes, mal Heiteres

Otto Schneider kam am 22. Oktober 1892 in Ruppendorf zur Welt, wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Der Vater ein Maurer, Mutter Emilie eine emsige Hausfrau. Der Junge, schon als Kind fantasiebegabt, putzmunter und nicht unbedingt auf die Schulbank versessen. In seinem 50 Jahre später gereimten Lebenslauf heißt es unter anderem:

„Ich trieb mich als rechter Lausbub herum, das kann ich auch heut noch nicht lassen, ich kam auch nicht aufs Gymnasium, ich würgte mich durch acht Klassen.“

Der gelernte, in einem Freitaler Betrieb tätige Maschinenarbeiter wird mit Gattin Olga Helene in Burgk ansässig. Die Freizeit gehört seiner Familie und dem Laientheater. Besonders fühlt er sich zum dramatischen Verein „Mignon Hainsberg“ hingezogen, der hauptsächlich auf der Bühne der örtlichen Turnhalle zu Hause ist. Die bloße Zuschauerrolle reicht ihm nicht aus. Er setzt sich hin, verfasst in aller Heimlichkeit Einakter, von denen das Deubener Spielteam einiges aufführt.

Mitte der 1920er-Jahre schreibt er sein abendfüllendes Stück „Der rote Wolf oder die Wilderer vom Felseneck“, das der thüringische Danner-Verlag herausbringt. Eine aktionsbetonte Handlung, halb Robin Hood, halb Lied von Lieb und Treu. In der schaurigen Wolfsschlucht haust die bestens organisierte Wilddiebbande, deren Haupt der Rote Wolf ist. Verwegene Burschen, die selbst vor dem schurkischen Grafen von Felseneck nicht zurückschrecken. Dazu eine bildschöne, aber überaus unglückliche Gräfin auf der beharrlichen Suche nach einem geeigneten Gemahl.

Schneider nennt den "Roten Wolf"ein romantisches Volksstück – 14 Darsteller sind vonnöten. Mit Sinn für Wirkung und Effekt reiht er Konflikt an Konflikt. Dem Stück ist im Plauenschen Grund, aber auch in Dresden mehrfach Erfolg beschieden. Das Publikum zeigt sich gerührt, selbst Tränen fließen. „Ich schreib mal Ernstes, mal Heiteres“, hatte sich Otto Schneider in Freundeskreisen geäußert. Daran hält er sich. Sein lustiges Spiel um ernste Dinge „Ehrlich währt am längsten“, unter Benutzung einer Idee von Johann Nepomuk Nestroy, wird eine seiner vielleicht reifsten Arbeiten. Die Turbulenzen in der Villa Kauz würden auch heute noch ankommen.

Otto Schneider kann damit seinen Ruf als Bühnenautor festigen. Er engagiert sich derart für das Freitaler Laienspiel, dass man ihm zeitweise den Vorsitz über die „Volksspielkunst im Plauenschen Grund“ anträgt, eine eher ehrenamtliche Funktion. Als ehemaliges SPD-Mitglied wird der Ruppendorfer 1941 verhaftet und wegen staatsfeindlicher Umtriebe zu einer Zuchthausstrafe verurteilt. In der berüchtigten Vollzugsanstalt schreibt er hinter Kerkermauern eine Reihe von Gedichten, die er seiner Frau und seiner Mutter zueignet. Zurückgekehrt nach Freital ist er nach 1945 wieder um Kontakte zur Laienspielbewegung bemüht. Die letzten Jahre lebt Schneider mit Familie in der Weißiger Straße. Am 14. September 1967 geht sein bewegtes Leben zu Ende.

Walter Thümler: Der Mann am Klavier

In Freital kannten ihn viele. Wenn er mit der unvermeidlichen Zigarre im Mundwinkel in keineswegs hochmodischer Kleidung, einschließlich Baskenmütze, seine Stadtrundgänge machte, geriet er an so mancher Straßenecke ins Plaudern. Alfons Walter Thümler musste sich mitteilen. Seine Lieblingsthemen: Sport, vornehmlich Fußball und die Pferderennbahn, Zeitungsarbeit – er schrieb regelmäßig für Dresdner und Freitaler Presseorgane.

1902 geboren, verschrieb sich der Potschappler der Musik, spielte Klavier und Harmonium. Die Operettenliteratur war ihm ebenso vertraut wie die Flut an Tagesschlagern, die er in der Runde geschlossener Gesellschaften mit leicht kratziger Stimme sang. Er verstand sich auch auf Klassik und Mollklänge. Das erforderte seine Funktion als Kinomusiker. Während der Stummfilmära griff er oft im Metropol in die Tasten des nicht immer lupenrein gestimmten Klaviers. Mitunter musste er als Filmerklärer einspringen - für den redegewandten Mann kein Problem.

Als er sich in den 1920er-Jahren aufs Schreiben konzentriert, legt er der Öffentlichkeit zunächst Gedichte mit einem Hauch Alltagsphilosophie und menschlichem Harmoniebedürfnis vor. Kurzgeschichten mit humorigem Unterton werden in einigen Tageszeitungen gedruckt. Sein erstes Bühnenstück wird zugleich sein Populärstes. Der Titel „Karl Stülpner, der grüne Rebell“ gelangt auch in der Felsenbühne Rathen zur Aufführung. Theatergemeinschaften aus dem Erzgebirge und dem Weißeritztal finden mit dem Stück großen Anklang.

Ein ähnlicher Erfolg wird seinem im Bergarbeiter-Milieu angesiedelten Volksstück „Schwarzes Gold“ zuteil. Ein kleiner, seinerzeit vielgelesener Roman „Melodie der Herzen“ erscheint 1943 im deutschen Literaturverlag Dresden. Die gefühlvolle Ehegeschichte des in der Bergwelt heimischen Ehepaares Mategger war eigentlich ein Ufa-Filmstoff. Doch der gewünschte Kontakt zu Babelsberg kommt nicht zustande. Walter Thümlers Lebensweg endet Ausgang der 70er-Jahre.

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