merken
PLUS Freital

Whysker geht auf große Fahrt

Das Album „Leuchtturm“ des Freitaler Musikers vereint Folk, Shanty und Mittelalter. Die Party allerdings muss warten.

Willi Papperitz alias Whysker mit neuer CD in seinem Studio in Freital.
Willi Papperitz alias Whysker mit neuer CD in seinem Studio in Freital. © Foto: Egbert Kamprath

Die Wellen schlagen hoch, wenn Willi Papperitz als Whysker ein Ruderboot besteigt. Er schippert mit seiner Frau Kristin in einer besonderen Mission übers Wasser. Ziel ist eine Felseninsel, auf der ein Leuchtturm in den Himmel ragt. Der aus Ziegeln gemauerte Spargel, von dem der Putz abplatzt, wird allerdings seinem Namen nicht mehr gerecht: Er bleibt dunkel. Aber die Rettung naht. Kristin hält eine große Glühbirne in ihren Händen, die den Leuchtturm wieder zum Leuchten bringen soll.

Whysker singt dazu mit rauchiger Stimme: „Lasst uns ein Leuchtturm sein und auch das wilde Meer.“ Es ist eine Art Seemannslied voller Sehnsucht und Hoffnung, ein Shanty, den der Freitaler Musiker mit einem Schuss Wehmut würzt. Der Text stimmt nachdenklich, der Refrain fordert zum Mitsingen auf. Musik und Rhythmus gehen sofort ins Blut. Und schon tummeln sich die Gäste auf der Tanzfläche.

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Kein Konzert zur CD-Premiere

„Schön wäre es“, sagt Willi Papperitz. Sein neues Album, das „Leuchtturm“ heißt und soeben erschienen ist, darf er gerade nicht live auf der Bühne vorstellen. Die Record-Release-Party im EKM in Meerane mit 500 Gästen musste abgesagt werden, wie auch alle weiteren Konzerte. Wann Whysker mit Band und „Leuchtturm“ auf Tour gehen kann, ist derzeit ungewiss. „Wir proben zwar einmal in der Woche, aber wir könnten auch nicht sofort starten“, sagt der 34-Jährige. „Solo könnte ich die Songs spielen.“ Das aber war nicht der Plan.

Es wäre auch schade. Whysker reichert die zwölf deutschsprachigen Lieder mit wunderbaren musikalische Zutaten an. Die Geige zum Beispiel, die Luisa Bauer spielt, verleiht etwa dem Titelstück einen Hauch von Citys „Am Fenster“ und ist im „Rotkopf Görg“ unverzichtbar, geht es doch dort um den Zaubergeiger vom Windberg.

Auch leise Töne

Ein treibender Bass und die Percussion von Hugo Dressler und Uwe Merbitz geben den folkrockigen Songs, die sowohl auf Schiffsplanken als auch Mittelaltermärkten gut aufgehoben wären, den richtigen Schwung. Sogar ein Dudelsack ist zu hören, gespielt von Ulf Hainich, und die Stimme der Sängerin Linda Jung. Die Aufnahmen entstanden vorwiegend im Studio von Ludwig Schmutzler in Dresden, der das Album auch produzierte. Es war nicht seine erste Zusammenarbeit mit Willi Papperitz.

Whysker ist auf großer Fahrt, er „Setzt die Segel“, erzählt von einer „Schatzsuche auf hoher See“, von „Splitterfasernacktem Wasser“ und von einem „Dorf im Kampf“. Er beherrscht aber auch die leisen Töne, singt von Liebe, Alleinsein und Tod. Die Texte sind von ihm und seinem Freund Jörg Dahlbeck aus Nordrhein-Westfalen, mit dem er wöchentlich telefoniert.

Animiertes Video zum Titelsong

Dahlbeck war auch an Whyskers Album „In der Ferne“ von 2018 beteiligt, das den Musiker als Liedermacher vorstellt. Diesmal, sagt Papperitz, wollte er die anderen Facetten seines Schaffens in den Fokus rücken, das sei der Wunsch vieler Fans gewesen. Das Projekt hat er mittels Crowdfunding finanziert, mit Unterstützung aus dem Programm „Kunst trotzt Corona“.

Zum Titelsong entsteht ein Video, für das der rudernde Whysker und seine Frau auf einem Teich bei Ullersdorf gefilmt wurden. Daraus macht die Potsdamer Künstlerin Sandra Peise mittels Rotoskopie einen animierten Film, von dem bereits ein Ausschnitt im Internet zu sehen ist. Also: „Lasst uns ein Leuchtturm sein und noch viel mehr.“ Was für ein Motto in dieser Zeit!

Die CD zum Preis von 15 Euro gibt es hier.

Mehr zum Thema Freital