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Die letzte Ausstellung des Schlossdirektors

"Das war's" nennt Rolf Günther die Schau auf Schloss Burgk. Und hängt nun selbst an der Wand.

Rolf Günther mit dem „Mann im Mond“ von Hubertus Giebe.
Rolf Günther mit dem „Mann im Mond“ von Hubertus Giebe. © Karl-Ludwig Oberthuer

Bobby ist umgezogen. Vom Westen in den Osten. Vierzehn Jahre lang wohnte er im Besprechungszimmer der Städtischen Sammlungen Freital auf Schloss Burgk. Jetzt residiert er in den Räumen der Sonderausstellungen im gegenüberliegenden Flügel. Nicht ganz freiwillig. Direktor Rolf Günther wollte es so. Aber so ein Affe lässt ja einiges mit sich machen, vor allem im fortgeschrittenen Alter von 90 Jahren.

Der von Willy Kriegel gemalte Gorilla namens Bobby ist ein Hingucker in der Ausstellung „Das war’s“, der letzten, die Rolf Günther als Chef des Hauses kuratiert hat. Der Silberrücken hing schon einmal an ähnlicher Stelle, 1996. Solchen Erinnerungen hilft Günther mit Notizen auf den Schildchen am Bild auf die Sprünge. Denn die meisten der rund siebzig Gemälde und Grafiken von etwa fünfzig Künstlern waren schon einmal in Burgk ausgestellt.

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Ende des Jahres geht der Dresdner Kunsthistoriker Rolf Günther, gerade 65 geworden, in den Ruhestand. Mehr als einhundert Ausstellungen hat er in den vergangenen 33 Jahren verantwortet, Vorträge gehalten und Kataloge herausgegeben. Seine erste Schau im damaligen Haus der Heimat, eingerichtet mit Holger Fischer, war 1987 zu Hubert Rüther. Der erste große Paukenschlag war im Frühjahr 1989 die Ausstellung zu Sascha Schneider, in Zusammenarbeit mit dem Karl-May-Museum Radebeul. „Das war damals noch immer ein Wagnis“, erinnert sich Günther.

130 Jahre sächsische Kunst

„Selbst mit Flügeln“ nennt Angela Hampel ihr undatiertes Gemälde aus den Neunzigern. 2008 stellte sie auf Schloss Burgk aus, ein Katalog erschien.
„Selbst mit Flügeln“ nennt Angela Hampel ihr undatiertes Gemälde aus den Neunzigern. 2008 stellte sie auf Schloss Burgk aus, ein Katalog erschien. © Schloss Burgk
Sascha Schneiders Ölgemälde „Judas Ischariot“ aus dem Jahre 1923 war schon mehrfach in Freital zu sehen. Es ist eine Leihgabe aus dem Albertinum.
Sascha Schneiders Ölgemälde „Judas Ischariot“ aus dem Jahre 1923 war schon mehrfach in Freital zu sehen. Es ist eine Leihgabe aus dem Albertinum. © © Albertinum | GNM, Staatliche
1994 malte Peter Graf seinen Sohn Paul. Das Bild hängt sonst beim Künstler im Schlafzimmer. 2012 richtete ihm Rolf Günther eine Ausstellung zum 75. aus.
1994 malte Peter Graf seinen Sohn Paul. Das Bild hängt sonst beim Künstler im Schlafzimmer. 2012 richtete ihm Rolf Günther eine Ausstellung zum 75. aus. © Schloss Burgk

Sascha Schneider ist mit seinem symbolistischen „Judas Ischariot“ in der aktuellen Schau vertreten. Der scheidende Direktor hat mit Bauchgefühl und Sachverstand Bilder ausgewählt, die sich zu einem spannenden Rundgang durch 130 Jahre sächsischer, vor allem Dresdner Kunst, fügen. Bestückt aus eigenem Bestand sowie mit Leihgaben der Künstler, von Sammlern, Auktionshäusern und den Kunstsammlungen Dresden. Es ist eine hochkarätige Schau, mit der Günther den von ihm maßgeblich mitgeprägten Schwerpunkt der Kunstsammlungen Freital eindrucksvoll demonstriert.

Die Kabinette sind chronologisch sortiert. Im größten Raum beginnt die Reise bei Oskar Zwintschers „Mädchen mit weißen Astern“ und Robert Sterls „Kalmückenboot auf der Wolga“, führt über Georg Lührigs Monumentalgemälde „Heimkehrende Arbeiter“ und Karl Hanuschs „Slowakische Eva“ zu Hans Ungers sinnlicher Venus, einem wandfüllenden Gemälde aus dem Jahre 1925, das er „Erwachen“ nannte.

Einen Raum widmet Günther vor allem der Neuen Sachlichkeit mit Erich Fraas, Heribert Fischer-Geising, Fritz Junghans, Felix Funk oder dem Dix-Schüler Kurt Sillack – bewacht von Kriegels „Gorilla“. In der Gegenwart treffen die mit Rolf Günther noch immer nicht verwandte Herta Günther, der Leipziger Symbolist Heinz Zander, Angela Hampel, Peter Graf, Hubertus Giebe, Siegfried Klotz und dessen Schülerin Mandy Friedrich aufeinander.

Im Zwischenraum zur Dauerausstellung wird es abstrakt, mit Werken etwa von Willy Wolff, Wolfgang Petrovsky oder Dieter Weise. Obendrüber prangt der Kurator selbst: Ein in Gelbtönen leuchtender Rolf Günther mit dem erst halb verspeisten grünen Apfel der Erkenntnis, 2004 von Eberhard von der Erde gemalt.

Im Gang hängen Grafiken von Otto Dix, Max Klinger und Ludwig von Hofmann, mit dem Günther im Frühjahr 1991 die Räume der Dauerausstellung einweihte, die dann am Tag der Deutschen Einheit im gleichen Jahr eröffnet wurde. Richard Müller darf natürlich nicht fehlen. Der Dresdner Maler und Grafiker war das Thema der 1993 fertiggestellten Diplomarbeit Rolf Günthers nach einem Studium an der Luther-Uni in Halle. Er verfasste zudem ein Werkverzeichnis zur Grafik Müllers, das bis heute als Standardwerk gilt.

Zu Müllers Motiven gehörten Tiere, die er oft seltsame, mitunter erotische Beziehungen zu Menschen eingehen ließ. Auch Affen waren darunter. Allerdings nicht so grimmig dreinblickende Gorillas, wie der Bobby von Willy Kriegel.

„Das war’s“, bis 18. Oktober auf Schloss Burgk, geöffnet Di.-Fr. 12-16 Uhr, Sa./So. und feiertags 10-17 Uhr.

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