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SOE: Heiratslaune durch Corona getrübt

Standesämter im Landkreis melden Rückgänge und hoffen auf neuen Aufschwung. Eine Stippvisite bei der Hochzeitsmesse in Freital.

Für Susanne Dunger und Ralf Zenker steht der Trauungstermin im nächsten Jahr fest. Nun geht es ans Planen. Hier erkundigt sich das Paar bei Hochzeitsfotograf Kevin Scholz nach Konditionen.
Für Susanne Dunger und Ralf Zenker steht der Trauungstermin im nächsten Jahr fest. Nun geht es ans Planen. Hier erkundigt sich das Paar bei Hochzeitsfotograf Kevin Scholz nach Konditionen. © Karl-Ludwig Oberthür

Für Susanne Dunger und Ralf Zenker gibt es keine Frage. Den beiden Freitalern ist es ernst mit der Ehe. Nach 25 Jahren des Zusammenseins hätten sie sich lange genug getestet. Ihre Kinder seien jetzt fünf und sieben Jahre und damit alt genug, die Feier auch bewusst mitzuerleben. "Und Blumen zu streuen", sagt der angehende Bräutigam.

Das Wunschdatum im Juni nächsten Jahres wissen der Wirtschaftsinformatiker und die Bauingenieurin schon. Familie und Freunde noch nicht. Denn erst geht es ans Organisieren. Deshalb war das Paar, sie 41, er 40, am Sonntag in Schloss Burgk.

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Anregungen von 25 Ausstellern

Dort fand zum elften Mal die Freitaler Hochzeitsmesse statt. Gleich zu Beginn drängten sich gegen 10 Uhr Heiratswillige und Interessenten, um an den Ständen der 25 Aussteller ein bisschen Hochzeitsfeeling zu erhaschen und sich Anregungen für diesen besonderen Tag zu holen. 270 Besucher kamen bis zum Abend und damit mehr als 2020, aber immer noch weniger als in guten Jahren mit bis zu 400 Gästen.

Die Angebote des 21-jährigen Fotografen Kevin Scholz sagten Susanne Dunger und Ralf Zenker zu. Seit drei Jahren hat sich der junge Mann, der beruflich als Kfz-Mechatroniker arbeitet, der Fotografie verschrieben, bevorzugt Porträts und Hochzeiten. Unkonventionell, individuell.

"Um Emotionen festhalten zu können, möchte ich wissen, wie die Menschen ticken, welche Leidenschaften sie haben", sagt er. Aber Qualität hat schon bei der Hochzeitsfotografie ihren Preis. Wer Kevin Scholz zwei Stunden bucht, müsste 600 Euro zahlen, allerdings mit einem Komplettpaket an Fotos. Wer mehr mag, für den wird's teurer.

Corona hat die Feierlaune gebremst

Auch bei Franziska Viehrig fragt das Freitaler Paar nach. Die Veranstalterin der Messe plant die Hochzeit, listet alles auf, damit nichts vergessen wird.

"Vielleicht holen wir uns dort etwas Hilfe", sagt Ralf Zenker und zieht mit seiner angehenden Ehefrau zum nächsten Stand. Viehrig freut sich über das Interesse, hatte doch auch den Hochzeitsplanern Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Etwa 50 Prozent der Aufträge sind dieses Jahr weggebrochen." Viele mussten wegen der Beschränkungen die Feier verschieben.

Auch in Standesämtern ist dieser Trend zu spüren. In Freital hätten sich im vergangenen Jahr noch 178 Paare trauen lassen, wie Sprecher Matthias Weigel informiert, ein Jahr zuvor waren es 196 und im Rekordjahr 2018 sogar 242. Der Trend für dieses Jahr sei eher verhalten so Weigel. Im ersten Halbjahr hätte es 70 Trauungen gegeben und damit auch schon weniger als in den Vergleichszeiträumen der vorangegangenen zwei Jahre.

Noch gebe es für 2021 kurzfristig Termine, könne es vom Entschluss bis zur Trauung mit zwei bis vier Wochen schnell gehen, so Weigel. Aber es würden auch schon Termine für kommendes Jahr angenommen. Momentan ausschließlich mit telefonischer Anmeldung. Aus organisatorischen Gründen, wie es vom Stadtsprecher heißt.

Trauungssal im verträumten Schloss

Geheiratet werden kann in Freital im Rathaus Freital-Potschappel oder im Festsaal von Schloss Burgk. Hier standen am Sonntag Johanna Eschwege und Maria Preußer bereit, um sich über das Procedere der Eheschließung zu informieren.

150 bis 600 Euro kostet so eine Trauung, je nachdem, in welchem Ambiente sie stattfindet. Der Saal im verträumten Schloss Burgk ist teurer, dazu gibt es hier Livemusik.

Vier Titel aus einer Liste von etwa 50 können ausgewählt werden. "Aber wir versuchen auch Wünsche möglich zu machen", sagt Johanna Eschwege. Beispielsweise die Musik, zu der sich das Paar kennengelernt oder einen besonders schönen Moment verlebt hat. Ein solcher eindrücklicher Moment ist auch die Wahl der passenden Kleidung.

Deshalb wollten viele Besucher die Hochzeitsmodenschau erleben. Kerstin Deckwer-Schwabe aus Dresden stellt die Modelle vor. Nach wie vor im Trend sind cremefarbene und weiße Kleider mit fließenden Stoffen, Tüll und Spitze rückenfrei oder mit transparenten Stoffen bedeckt.


Tüll, Spitze, fließende Stoffe: Julia Mauersberger (r.) und Claudia Bachmann stellten am Sonntag auf Schloss Burgk Hochzeitskleider mit den passenden Accessoires wie kleine Brautsträuße vor.
Tüll, Spitze, fließende Stoffe: Julia Mauersberger (r.) und Claudia Bachmann stellten am Sonntag auf Schloss Burgk Hochzeitskleider mit den passenden Accessoires wie kleine Brautsträuße vor. © Karl-Ludwig Oberthür

Viel Zeit fürs Kleid einplanen

Aber es kann auch mal was Gegensätzliches sein, eine weiße Jeansjacke zum Spitzenkleid zum Beispiel. Keinesfalls weiß oder cremefarben möchte die 54-jährige Kati heiraten. Für sie und den 52-jährigen Rolf wird es die zweite Ehe. Da sei etwas mehr Farbe wohl angemessen. Bei ihnen könnten schon die Enkel Blumen streuen. Trotzdem, schön anzusehen waren die Models in ihren meist langen Kleidern, mit oder ohne Schleppe. Für Susanne Dunger war trotzdem nichts dabei. In Weiß möchte sie schon heiraten, aber eben in einem speziell für sie angepassten Kleid. Noch ist ja Zeit.

Allerdings, wer sich seine Kleidung anfertigen lassen will, sollte schon etliche Monate Zeit einplanen. Rico Holzendorf nickt. Er berät Männer bei der richtigen Garderobe Der Anzug des Herren sollte sich dabei dem Outfit der Dame angleichen, sagt der Dresdner.

Viele würden Blau bevorzugen, aber es gebe auch verrückte Sachen. Knöpfe aus Kokosnuss zum Beispiel. Am Stand des Trauringzentrums Dresden zeigt Silke Havlik, dass sich manche Paare ganze Kennenlerngeschichten in ihre Ringe gravieren lassen. Aber auch sie spürte Einbußen. Deshalb wünscht sie sich wie alle auf der Messe, dass es wieder aufwärts geht in puncto Trauung.

Weniger Buchungen in Glashütte

Auch in Glashütte hofft man das nach den Flautemonaten. Laut Steffi Franke vom Hauptamt der Stadt gab es nach 40 Hochzeiten 2019 noch 38 im Jahr 2020 und bis Ende September 2021 waren es 26. Da die Termine in der Regel ein Jahr vorher gebucht würden, glaubt Franke nicht, dass es noch viel mehr werden.

Schuld daran sei eindeutig die unsichere Situation wegen der Corona-Pandemie: "Paare wollen Planungssicherheit insbesondere für die privaten Festlichkeiten mit vielen Gästen. Somit haben viele abgewartet. Da sich die Situation des Feierns 2021 nicht absehbar für die Sommermonate geändert hatte, gab es auch weniger kurzfristige Buchungen."

Ersten Beratungstermin für Modeausstatter

Geheiratet werden kann übrigens im Hochzeitszimmer des Rathauses Glashütte und im Barockschloss Reinhardtsgrimma. Auch in Pirna gab es Rückgänge, aber laut Sprecher Thomas Gockel keine gravierenden Einbrüche: "Wer heiraten wollte, hat das auch getan. Einige holen wegen der Beschränkungen lediglich die Feier nach."

Susanne Dunger und Ralf Zenker zieht es zur Zeremonie ins Schloss Schleinitz. Gelohnt hat sich der lange Rundgang durch Schloss Burgk am Sonntag für sie dennoch. Nicht nur wegen der Anregungen. Sie haben schon mal vorsorglich einen Beratungstermin beim Modeausstatter mitgenommen.

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