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Testlauf für Freitals Seifenkisten-EM

Die Vorbereitungen für das Sportereignis laufen auf Hochtouren. Im April werden auf der Rennstrecke die Abläufe geprobt. Wichtig ist dabei vor allem eines.

EM-Organisator Thomas Käfer und seine Tochter Lilly freuen sich schon auf den Wettkampf.
EM-Organisator Thomas Käfer und seine Tochter Lilly freuen sich schon auf den Wettkampf. © Karl-Ludwig Oberthür

Es ist kalt und nass. Ein paar dicke Schneeflocken trudeln vom Himmel. Thomas Käfer, der in einem dünnen, ferrariroten Rennanzug steckt, zieht fröstelnd die Schultern hoch. Es ist definitiv kein Renn-Wetter. Doch gerade jetzt denken er und seine Mitstreiter vom Kleinnaundorfer Heimatverein G-Haus sehr oft an das Ereignis des Jahres - die 39. Europameisterschaft im Speed Down.

Das Ereignis, erstmalig seit 2009 wieder in Deutschland und erstmals überhaupt in den neuen Bundesländern, soll vom 23. bis 25. Juli in Freital stattfinden. Rund 250 Starter haben sich bereits angemeldet, man rechnet mit 3.000 bis 5.000 Besuchern pro Renntag - falls sie kommen dürfen. Das Interesse ist da. Eine große Sache.

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So groß, dass Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg, als er damals von der Bewerbung der Kleinnaundorfer um die EM erfuhr, dachte: "Die müssen verrückt sein."

Somsdorfer Berg mit perfekter Streckenlänge

Dabei ist die Ausrichtung einer EM nur ein logischer Schritt. Die Kleinnaundorfer veranstalten alljährlich ein Seifenkistenrennen - für ambitionierte Fahrer in aerodynamischen Geschossen genauso wie für Spaßvögel, die vor allem Wert auf eine optisch originelle Seifenkiste legen.

Im vergangenen Sommer konnten die Männer und Frauen vom G-Haus als einzige Veranstalter in Europa überhaupt ein Seifenkistenrennen durchführen. Alle anderen Wettkämpfe im Speed Down - so die offizielle Sportbezeichnung - mussten wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. Also kamen Fahrer aus ganz Deutschland, aber auch aus dem benachbarten Ausland nach Kleinnaundorf.

Die 39. Europameisterschaft wird allerdings nicht dort stattfinden, sondern in Freital-Somsdorf. Der Umzug ans andere Ende der Stadt hat einen sportlichen Hintergrund: "Für eine Europameisterschaft gibt es andere Anforderungen an die Strecke. Das betrifft unter anderem die Länge, aber auch das Gefälle und die Kurven", erläutert Organisator Thomas Käfer.

Der Berg über die Friedensstraße und die Steigerstraße in Kleinnaundorf wäre mit seinen 750 Metern schlicht zu kurz gewesen. Käfer: "In Somsdorf haben wir zwei Kilometer Streckenlänge." Jeder Fahrer tritt fünfmal an, die drei besten Zeiten werden addiert. Wer unterm Strich die wenigste Zeit gebraucht hat, gewinnt.

Abläufe müssen geprobt werden

Damit bei der EM auch alles reibungslos funktioniert, soll der Somsdorfer Berg am 18. April ausgiebig getestet werden. Von 9 bis 15 Uhr wird die Ortschaft gesperrt. Wer möchte, kann zuschauen, wie die Piloten nach unten brettern.

"Es geht nicht ums Training, sondern wir wollen alle Abläufe wie den Start, den Funkverkehr, die Signale der Streckenposten und auch den Transport der Kisten nach oben genau proben", erklärt Thomas Käfer.

Vor allem der Bergauftransport ist kniffelig. Die Fahrer starten alle 30 Sekunden und rasen mit gut 50 Kilometern pro Stunde die Höckendorfer Straße runter. Gleichzeitig müssen aber die Fahrzeuge über die Straße Alter Berg wieder nach oben gebracht werden. Zweimal schneiden sich die Wege. Käfer: "Das ist nur ein schmales Zeitfenster. Da darf nichts passieren, Sicherheit ist ganz wichtig."

Kein Vorteil für Lokalmatadoren

Damit die Lokalmatadoren um Thomas Käfer keinen Vorteil im Wettkampf haben, werden sie selbst am 18. April nicht unter den Testpiloten sein. "Kein Teilnehmer der Europameisterschaft darf in den zwölf Monaten vor der EM auf der Strecke testen oder trainieren", erklärt Käfer. Er selbst fährt einen "Mini-Ferrari", feuerrot und selbstverständlich in Italien gebaut.

"Ich habe ihn auf meine Körpergröße anpassen lassen und mit einem Freitaler Konstrukteur noch einige Veränderungen vorgenommen", erläutert Käfer. Viel fahren kann er damit aber nicht. Für Seifenkisten braucht man eine abschüssige Strecke, möglichst asphaltiert oder betoniert. Also eine klassische Straße. Doch im öffentlichen Straßenverkehr sind Seifenkisten nicht erlaubt, eine Nutzung schon aus Sicherheitsgründen indiskutabel.

Bleiben also nur die Rennen. "Erfahrungen sammeln wir lediglich bei Wettkämpfen. Und da ist im vergangenen Jahr bis auf unsere eigene Veranstaltung alles ausgefallen", sagt Käfer. Unklar ist noch, wo in diesem Jahr vor der EM noch Rennen ausgetragen werden können.

Für die Europameisterschaft bedeutet das, dass kaum einer der Fahrer wirklich gut vorbereitet in Somsdorf starten kann. Das verspricht Spannung, der Ausgang ist völlig offen. Thomas Käfer will das nutzen und träumt schon von einem Coup: "Jeder tritt an, um zu gewinnen. Ich auch."

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Der Kartenvorverkauf für die 39. Speed Down Championship hat begonnen. Tickets und alle Informationen rund um den 23. bis 25. Juli gibt es unter www.seifenkiste-freital.de

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