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A4-Baustelle bei Nossen bleibt länger

Eigentlich sollten die Arbeiten zwischen Wilsdruff und Nossen in sechs Wochen abgeschlossen werden. Doch dieser Zeitplan ist nicht zu halten. Die Gründe.

Die Arbeiten auf der Autobahn zwischen Wilsdruff und dem Dreieck Nossen dauern länger. Stefan Thunig, Referatsleiter Brückenbau, zeigt, wie die neue Übergangskonstruktion an der Brücke aussieht.
Die Arbeiten auf der Autobahn zwischen Wilsdruff und dem Dreieck Nossen dauern länger. Stefan Thunig, Referatsleiter Brückenbau, zeigt, wie die neue Übergangskonstruktion an der Brücke aussieht. © Egbert Kamprath

Seit Ende April schlängeln sich Autos und Lkws auf der A 4 auf eingeengten Fahrbahnen an einer Baustelle entlang, die über die Triebischtal- und die Triebischseitentalbrücke reicht. Eigentlich sollten die Arbeiten an den beiden Brücken Ende Oktober beendet werden. Doch der Termin ist nicht zu halten, sagt Isabel Pfeiffer vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). 

Erst im kommenden Jahr werden die Verkehrsbeschränkungen endgültig aufgehoben. Bei einem Vor-Ort-Termin erklärten die Fachleute vom Lasuv, welche Gründe dafür verantwortlich sind.

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Warum wird an beiden Brücken gebaut?

Durch Temperaturschwankungen und Verkehrsbelastungen verändern größere Brücken ihre Längen. Um das aufzufangen, werden an den Brückenenden sogenannte Übergangskonstruktionen eingebaut, die sich auseinander- und zusammenschieben können. Da es sich um bewegliche Teile handelt, ist der Verschleiß hier groß. "Alle 25 Jahre müssen diese ausgewechselt werden", erklärt Stefan Thunig, Referatsleiter Brückenbau beim Lasuv. 

Weil an beiden Brücken die aufliegenden Lamellen schon mehrmals repariert werden mussten, hat sich das Lasuv für den Austausch entschieden. Die Straßenbauer wollten den Umbau auch nutzen, um schmalere Übergänge einzubauen, denn die vor gut 25 Jahren errichteten Brückenbauwerke reagieren nicht mehr so stark auf Temperaturschwankungen. 

Deshalb werden die neuen Übergänge an der Triebischtalbrücke Richtung Chemnitz rund 60 Zentimeter breit sein, die alten waren 72 Zentimeter breit. "Wir könnten eine beziehungsweise zwei Lamellen einsparen", so Thunig. 

Die neuen Übergänge sind dank ihrer rautenförmigen Bauweise auch geräuschärmer. Autofahrer werden das Überfahren nicht mehr so stark wahrnehmen, ist sich der Brückenbauer sicher.

So sieht die alte Übergangskonstruktion an der Triebischseitentalbrücke aus.
So sieht die alte Übergangskonstruktion an der Triebischseitentalbrücke aus. © Egbert Kamprath

Was lief auf der Baustelle schief?

Stefan Thunig: "Das ist eine Baustelle, auf der alles schiefging, was schiefgehen kann." Das begann beim Rückbau der Betonkörper, die die Übergangskonstruktion halten. Eigentlich sollte dort der Beton mit Hochdruckwasser abgestrahlt werden, die Bewehrung sollte stehen bleiben. 

Danach sollte zusätzliche Bewehrung eingebaut werden, diese sollte anschließend zubetoniert werden. Doch: Der Hochdruckwasserstrahl funktionierte bei dieser Betonart nicht. Es hatten sich Pfützen gebildet, die dem Wasserstrahl die Kraft nahmen. "Ähnlich wie beim Kärcher", so Thunig. 

Die Bauleute kamen nicht wie geplant voran. Sie brauchten mehr Wasser und mehr Zeit. Die Baufirma zeigte das dem Lasuv an und schlug eine neue Technologie vor. Der Beton sollte herausgesägt werden. "Das ist auch möglich", so Thunig. Das Problem an dieser Technologie ist aber: Damit wird auch die Bewehrung abgetragen.

An dieser Stelle wurde die Übergangskonstruktion bereits ausgetauscht.
An dieser Stelle wurde die Übergangskonstruktion bereits ausgetauscht. © Egbert Kamprath

Warum dauern die Arbeiten nun so lange?

Das Lasuv gab für den Vorschlag der Baufirma grünes Licht. Allerdings konnte die neue Technologie nicht von heute auf morgen eingesetzt werden. Zunächst musste eine Planung gemacht werden. Als das Lasuv den entsprechenden Auftrag dazu vergeben wollte, befand sich Deutschland im Lockdown. 

"Viele Ingenieurbüros mussten sich erst einmal im Homeoffice einrichten." Das dauerte. Dann musste die Technologie von einem Statiker geprüft werden. "Es war wie eine Kaskade", sagt Pfeiffer. Als der Plan dann fertig war, konnte er nicht sogleich realisiert werden. Denn die Baufirmen müssen auch planen, außerdem beschäftigen sie Subunternehmen. 

Und die haben nicht nur diese eine Baustelle. Als die Bauleute dann loslegen konnten, gab es neue Probleme. "Beim Sägen haben sie mehrere Versuche gebraucht", sagt Thunig. Dann lief es. Aber im normalen Tempo. Zwar hat das Lasuv die Arbeiten so ausgeschrieben, dass dort theoretisch rund um die Uhr gearbeitet werden kann. 

"Es gibt aber kaum Firmen, die ihre Leute rund um die Uhr einsetzen", sagt Thunig. Denn viele Bauarbeiter lehnen das ab, da sie auch Familien haben. Außerdem leiden auch die Baufirmen an Fachkräftemangel. Zudem gab es technologisch bedingte Pausen. So braucht der Beton zum Beispiel 28 Tage, um auszuhärten. 

Da passiert auf der Baustelle so gut wie nichts. "Es ist nicht immer effektiv, rund um die Uhr zu bauen. Wichtiger ist es, kontinuierlich zu arbeiten", ergänzt Bauleiter Thomas Kaden.

Isabel Pfeiffer stimmt die Autofahrer auf das weitere Vorgehen ihrer Kollegen ein. "Auf den sächsischen Autobahnen werden wir mit weiteren Baustelle leben müssen."
Isabel Pfeiffer stimmt die Autofahrer auf das weitere Vorgehen ihrer Kollegen ein. "Auf den sächsischen Autobahnen werden wir mit weiteren Baustelle leben müssen." © Egbert Kamprath

Wie geht es auf der Baustelle weiter?

Von den acht Übergangskonstruktionen sind vier in Arbeit. "Dort sind wir jeweils zu zwei Dritteln fertig", sagt Thunig. Von Donnerstag auf Freitag wird die Lastspur, also die rechte Fahrspur, in Richtung Chemnitz von der linken auf die rechte Seite der Fahrbahn umgesetzt. 

Dann können die vier Übergangskonstruktionen fertiggestellt werden. Thunig hofft, dass diese Arbeiten Ende November, Anfang Dezember abgeschlossen werden können. "Über den Winter werden wir die Baustellenführung abbauen." Im kommenden Jahr geht es nach Ostern an der Fahrbahn in Richtung Görlitz/Dresden weiter. 

"Dann wird es deutlich schneller gehen, weil die Bauleute jetzt mehr Erfahrung haben", sagt Thunig. Lasuv-Sprecherin Pfeiffer stimmt die Autofahrer bereits auf weitere Arbeiten ein. So gibt es in Sachsen rund 660 Autobahnbrücken, die alle nach dem Mauerfall gebaut wurden und an denen es nun Reparaturbedarf gibt. 

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