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Landwirt mit adeligem Wappen

Frank Büttner ist Bauer mit Leib und Seele. Seine Vorfahren gehörten in Blankenstein wohl zu den ersten Siedlern. Die Familie trotzt bis heute den Wirren der Zeit.

Landwirt Frank Büttner stammt aus einer Familie, die ein historisches Familienwappen besitzt.
Landwirt Frank Büttner stammt aus einer Familie, die ein historisches Familienwappen besitzt. © Norbert Millauer

In der Region ist Frank Büttner kein Unbekannter. Der Landwirt aus Blankenstein ist auf  vielen Märkten unterwegs. Dort verkauft er Eier, Champignons und Gemüse. Was viele seiner Kunden nicht wissen: Der Blankensteiner kommt aus einer Familie, die schon sehr lange im Ort Landwirtschaft betreibt. Glaubt man der Chronik, die der frühere Lehrer Alfred Ranft 1938 herausgegeben hat, haben seine Vorfahren den Hof 1814 aus einer Konkursmasse übernommen. Ein erster Hinweis auf seine Familie findet sich für das Jahr 1588, als laut Chronik ein Vorfahre ein Gut übernimmt. 

Büttner ist davon überzeugt, dass seine Familie schon viel länger im Dorf ansässig ist und beruft sich zum einen auf die Erzählung, die es zur Dorfgründung gibt. Demnach kamen Siedler aus Thüringen mit dem Ritter zu Blanken im 11. Jahrhundert in die Region. Einer der damaligen Siedler hieß Rüdiger, so wie seine Vorfahren mütterlicherseits. 

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Zum anderen hat seine Oma ihm viel von den Vorfahren berichtet, die seit eben jener Zeit im Dorf gelebt haben sollen. Bis in die 1950er-Jahre war die Familiengeschichte gut dokumentiert, sagt er. "Meine Oma hat mir erzählt, dass wir Schränke voll mit Unterlagen hatten." Bis zu seinem Opa Alfred Rüdiger habe sich alles nachweisen lassen.  "Und warum sollte meine Oma mich angelogen haben?", fragt er sich.

Historische Dokumente der Familie verbrannt

Dass er heute kaum noch Unterlagen besitzt, liegt an seinem Onkel Gerhard Rüdiger. Der wollte Ende der 1950er-Jahre in den Westen. "Er hat alles verkauft, was zu Geld zu machen war." Und damit nicht genug. Er übergab fast alle Dokumente zur Familiengeschichte dem Feuer. Da die Überschreibung des Bauernhofes 1960 noch nicht vollständig abgeschlossen war, konnte der andere Teil der Familie diese wenig später rückgängig machen. So blieb der Hof im Familienbesitz. Frank Büttners Mutter Helga, eine geborene Rüdiger, übernahm den Hof 1961 mit ihrem Mann, der aus Obercarsdorf stammt.

Zu den wenigen Dokumenten, die erhalten geblieben sind, gehört das Familienwappen. Darunter ist der Satz zu lesen: "Altehrbares Geschlecht schon 1320 mit Balthasar Rüdiger vorkommend." Frank Büttner ist zwar stolz, es zu haben. Zeit und Muse, es von Fachleuten untersuchen zu lassen, hatte er noch nicht. Ein Heraldiker hatte ihm kurz erklärt, dass seine Familie früher Adelige waren. Sie sei wohl später entehrt worden, weil sie angefangen habe, zu arbeiten. Das gehörte sich für Adelige nicht.

Seit einigen Jahren züchtet Landwirt Frank Büttner Champignons in seiner Scheune. Die Pilze sind auf den Märkten, die er besucht, sehr begehrt.
Seit einigen Jahren züchtet Landwirt Frank Büttner Champignons in seiner Scheune. Die Pilze sind auf den Märkten, die er besucht, sehr begehrt. © Norbert Millauer

Büttners Vorfahren hat das offenbar nicht entmutigt. Sie blieben Landwirte. Selbst zu DDR-Zeiten. "Meine Eltern arbeiteten tagsüber in der LPG, hielten sich aber privat Bullen und  Schweine", erzählt Büttner. So wurde er auf einem Bauernhof groß. Er selbst fing später an, Pferde zu halten. Nach dem Ende der DDR gab es neue Möglichkeiten. Büttners Vater gehörte zu jenen, die hauptberuflich als Landwirt arbeiten wollten. "Mein Vater ist mit Leib und Seele Bauer." Er konnte andere im Dorf überzeugen, es ihm gleich zu tun und Wiedereinrichter zu werden. Das sei auch der Grund, weshalb es im kleinen Blankenstein heute noch mehrere Bauernhöfe gibt.

Aber auch Büttners Mutter erkannte schnell die neuen Möglichkeiten. Sie begann mit der Direktvermarktung. Sie bepackte 1990 erstmals ihren Wartburg mit Eiern und fuhr zum Markt auf die Lingner-Allee in Dresden, um sie dort vom Stand aus zu verkaufen. Später kamen Wurst in Gläsern, Gemüse und Nudeln dazu. "Die Nudeln machen wir nicht selbst, wir liefern nur die Eier zu", erklärt Büttner.

Mit diesem Aufsteller wirbt Frank Büttner für den Besuch in seinem Hofladen. Diesen öffnet er auch mal am Sonntag. "Hinter uns steht ja keine Gewerkschaft."
Mit diesem Aufsteller wirbt Frank Büttner für den Besuch in seinem Hofladen. Diesen öffnet er auch mal am Sonntag. "Hinter uns steht ja keine Gewerkschaft." © SZ/Maik Brückner

Für Frank Büttner, Jahrgang 1963, war sich zunächst nicht sicher, ob er mal den Hof übernehmen wird. Zunächst ließ er sich in einem Industriebetrieb zum Anlagenschlosser ausbilden. Später wechselte er in die LPG. Privat half er den Eltern, nicht nur beim Halten der Tiere, sondern auch beim Bau und der Unterhaltung der Gebäude. 

Im Dezember 2005 passierte es dann aber doch. Einen Tag vor Heiligabend stand sein Vater in der Tür: "Ich gehe morgen früh nicht mehr raus." Mit anderen Worten: Mach du weiter! Frank Büttner gibt zu, dass er sich die Übergabe etwas anders vorgestellt hatte. Aus der Bahn habe ihn das aber nicht geworfen. "Ich nehme so etwas gelassen. Es kommt mit der Zeit, dass ein junges und ein altes Pferd nicht mehr zusammen ziehen können." So sei es auch bei ihnen gewesen. Sein Vater ist ausgezogen, hat sich einen anderen Hof genommen. Dort arbeitet er heute noch. "Das hält ihn am Leben. Wir kommen gut miteinander aus."

Daniela Mende kauft gern im Hofladen ein. Die Blankensteinerin, die bei einem Pflegedienst arbeitet, schätzt die Qualität der Produkte.
Daniela Mende kauft gern im Hofladen ein. Die Blankensteinerin, die bei einem Pflegedienst arbeitet, schätzt die Qualität der Produkte. © SZ/Maik Brückner

So wie seine Vorfahren musste auch Frank Büttner erleben, dass es selbst in einem kleinen Landwirtschaftsbetrieb Auf und Abs gibt. Nur ungern erinnert er sich an die Zeit, als er 120 Milchkühe hielt. Experten sagten damals voraus, dass der Milchpreis hoch bleiben wird. Büttner investierte. Er schaffte sich Melkroboter an. Doch die funktionierten nicht gut. Dann ging der Milchpreis runter. Frank Büttner musste handeln: er trennte sich von den Milchkühen. Das alles sei ein Verlustgeschäft gewesen. Noch heute sei er dabei, den Schuldenberg abzuarbeiten. Doch bald habe er es geschafft. 

Gerettet hat ihn die Direktvermarktung. Diese ist ein wichtiges Standbein. Er betreibt einen Hofladen. Hier verkauft er eigene Erzeugnisse und Produkte, die in Discountern nicht angeboten werden. Obwohl der Laden etwas abgelegen ist, kommen auch Dresdner hier vorbei, ab und zu auch Leute aus der Nachbarschaft wie Daniela Mende. 

Sie fährt während des SZ-Termins auf den Hof, um ein paar Dinge einzukaufen. Sie schätzt die Qualität der Produkte. "Hier weiß man, was man kauft", sagt sie. Frank Büttner lächelt. So etwas hört er auch auf den Märkten, wo er viele Stammkunden hat. Mit seinem Verkaufswagen steht er von Dienstag bis zum Sonnabend auf Märkten in Dresden, Freiberg, Riesa, Tharandt und Meißen. 

Das ist der Rest des früheren Wohnhauses. Es ist das älteste Gebäude auf dem Hof. Zuletzt wohnten hier die Angestellten. Frank Büttner will das Gebäude abreißen, um ein Carport zu errichten.
Das ist der Rest des früheren Wohnhauses. Es ist das älteste Gebäude auf dem Hof. Zuletzt wohnten hier die Angestellten. Frank Büttner will das Gebäude abreißen, um ein Carport zu errichten. © SZ/Maik Brückner

In Büttners Ställen stehen 30 Mutterkühe, 20 Schweine und bis zu 1.200 Hühner. Auf seinen Wiesen grasen die Kühe. Seine Äcker lässt er bewirtschaften. Hier werden Körnermais, Gerste und Winterweizen angebaut. Büttner hat sich 2011 an etwas neues herangewagt, die Steinpilz-Champignonzucht. In seiner Scheune hat er eine Zelle, in der auf sechs größeren Kästen die schmackhaften Pilze wachsen. Außerdem betreibt er noch eine Pferdepension. 

Unterstützt wird Büttner von seiner Frau, seiner Tochter und seinem Sohn. "Es ist sehr viel Arbeit, ohne diese Hilfe geht es nicht", sagt er. Ans Aufhören habe er aber nie gedacht, auch nicht in den schweren Zeiten. "Ich habe den Betrieb, und das bedeutet, ich habe die Verpflichtung", sagt er. Viele wollten das nicht verstehen. Sie rieten ihm, mehr an sich zu denken, schließlich gibt es nur das eine Leben. "Das ist aber eine total falsche Vorstellung", findet der Blankensteiner. "Wir müssen den Kindern was übergeben, wir können ihnen nicht das Chaos hinterlassen." Sein Credo: "Wir haben diese Welt von unseren Kindern nur geliehen."

Büttner hofft, dass sein Sohn den Hof einmal weiterführt. Drängen möchte er ihn aber nicht. 

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