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Neues Gießereikabinett im Klassenzimmer

Der Landkreis hat viel Geld in Freitals Berufsschulzentrum gesteckt - damit ist die Ausbildung einer ganz bestimmten Berufsgruppe gesichert.

Azubi Richard Alex und Dominik Lohrmann (re.) von der Schmiedeberger Gießerei präsentieren das Gießen von Alu am neuen Ofen.
Azubi Richard Alex und Dominik Lohrmann (re.) von der Schmiedeberger Gießerei präsentieren das Gießen von Alu am neuen Ofen. © Egbert Kamprath

Von Luisa Zenker

Dominik Lohrmann, Azubi am Berufsschulzentrum Freital (BSZ), steht im Schutzanzug vor einem großen Schmelzofen - in der Hand hält er eine Gießereipfanne. Sein Kollege Richard Alex kippt ganz langsam den Schmelzofen und heraus fließt: Aluminium. Jetzt muss alles schnell gehen. Das Metall gehört in die Gussform, ohne dass es dabei spritzt oder überläuft. Eine brenzlige Situation, die geübt werden sollte. Seit dieser Woche können das die Lehrlinge im modernisierten Gießereifachkabinett trainieren.

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Gießereifachkabinett - dieses sperrige Wort rettet das BSZ in die Zukunft. Wäre es jetzt nicht erneuert worden,  hätte es das Aus für die Ausbildung zum Gießereitechniker und Modellbauer bedeutet.  Zu einem Gießereifachkabinett  gehören ein elektrischer Kipp-Tiegelschmelzofen, ein Formstoffmischer, ein Pfannenvorwärmer und weitere wichtige Geräte für den optimalen Guss. 185.000 Euro hat der Landkreis in die neue Ausstattung gesteckt. Nun können bis zu 45 Kilo Aluminium mit einem Mal im Ofen bei mehr als 800 Grad Celsius geschmolzen und für die Gießerei genutzt werden.

Lehrlinge kommen aus ganz Sachsen

"Wir sind dem Landkreis sehr dankbar, dass in unsere Schule investiert wurde", sagt Schulleiterin Ina Driesel. Der neue Rahmenlehrplan der Industrie- und Handelskammer sieht nämlich vor, dass das Handwerk der Gießerei während der Ausbildung auch geprüft werden muss. Ebenso sieht Landrat Michael Geisler (CDU) die Maßnahme als dringend notwendig an: "Damit wollen wir in Zukunft die Ausbildung in dieser Branche in unserer Region sichern."

Seit 1994 werden am BSZ Freital die Gießereifacharbeiter ausgebildet. Neben der in Chemnitz ist sie die einzige Ausbildungsstätte für die Branche in ganz Sachsen. 48 Lehrlinge erlernen momentan den Beruf, und sie kommen nicht nur aus der Region. Zwar haben das Freitaler Edelstahlwerk und das Edelstahlwerk Schmees in Pirna großen Einfluss auf die Zahl der Auszubildenden, doch auch Leipziger Unternehmen schicken ihre Schüler nach Freital.

Azubi Tony Superzisnki erklärt Torsten Köhler, Geschäftsführer Bildung bei der IHK Dresden, und Landrat Michael Geisler (v.r.) die Funktion einer Gussform.
Azubi Tony Superzisnki erklärt Torsten Köhler, Geschäftsführer Bildung bei der IHK Dresden, und Landrat Michael Geisler (v.r.) die Funktion einer Gussform. © Egbert Kamprath

Aber auch hier wirkt sich Corona aus. "Dieses Schuljahr sind die Zahlen der Azubis gesunken", erklärt Schulleiterin Ina Driesel. Besonders die Unternehmen der Metallbranche bilden weniger aus. Mehr Azubis gibt es hingegen für die Berufsfelder Fachkraft für Schutz und Sicherheit sowie in den Tischlereien.

Insgesamt erlernen am BSZ Freital an die 1.300 Schüler und Schülerinnen einen Beruf oder absolvieren ihr Abitur. Ob Metall, Holz oder Wirtschaft - die jungen Leute können aus allerhand Berufsfeldern wählen.

"Die nächste große Herausforderung ist die Absicherung des Lehrerbedarfs", erklärt Schulleiterin Ina Driesel. So fehle es an jungen Berufsschullehrern. Auch die Digitalisierung des Berufsschulzentrums steht seit einiger Zeit an. Demnach reiche das Geld aus dem "Digital-Pakt Schule" der Bundesregierung nur teilweise für eine Grundausstattung der Schule. Die Schulleiterin freut sich dennoch, dass eine der vielen Herausforderungen endlich bewältigt ist und die Gießereitechniker weiterhin in Freital lernen können. 

Anders sieht es hingegen beim Polsterer oder Fahrzeuginnenausstatter aus - beide Ausbildungen gibt es seit Kurzem nicht mehr am BSZ Freital. In den kommenden Jahren werden aber vorläufig keine weiteren Ausbildungsberufe gestrichen - es kommen sogar neue Fachrichtungen aus den Wirtschaftswissenschaften hinzu. 

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