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Die faule Puppenfriseuse

Eine junge Freitalerin bietet ihre Dienste an, vergisst aber dann etwas Entscheidendes. Der Richter kennt in dem Fall kein Pardon.

Symbolbild.
Symbolbild. © Sonja Wurtscheid/dpa (Symbolbild)

Von Anne Schicht

Die junge Frau hatte ihre Dienste über soziale Medien angeboten und schon bald einen Auftrag: Sie sollte insgesamt fünf Puppenperücken ausbessern und frisieren. Für eine waren zum Beispiel zwei Zöpfe vorgesehen, die sich leicht zu einem Zopf umbinden lassen. Die Arbeitssuchende wollte für diesen Dienst nur ein kleines Entgelt haben. Das war Ende 2018. Jetzt steht die Ex-Freitalerin vor Gericht und muss sich rechtfertigen. „Das mit den Perücken ist mein Hobby, und ich wollte gern helfen“, so erklärt sie ihre Gründe dem Richter Xavier Seitz am Amtsgericht Dippoldiswalde.

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Dort sitzt sie auf der Anklagebank, weil sie die Perücken nie zurückgeschickt hat und sich nun wegen Unterschlagung verantworten muss. Sie hätte die Perücken schon fertig und sogar versandfähig verpackt gehabt, aber immer wieder vergessen, sie zur Post zu bringen. Dann sei sie umgezogen, erst nach Brandenburg, dann zurück nach Freital, dann nach Bannewitz und die letzten zwei Monate habe sie in der Nähe von Husum gelebt. Irgendwann seien ihr die Päckchen mit den Perücken weggekommen.

Junge Frau will Gerichtstermin absagen

Der Richter hält der blassen, langhaarigen Frau den dokumentierten Chatverlauf zwischen ihr und ihrer Auftraggeberin vor. Letztere ließ sich lange Zeit mit Versprechungen hinhalten, immerhin hatte sie den Perücken einen Rücksendeschein beigelegt. Am Ende schalte sie genervt die Polizei ein. Die Sache landete nun vor Gericht.

Doch einen Tag vor dem Gerichtstermin schrieb Jessica R. eine Mail, dass sie zum Termin nicht kommen könne, anderes sei zu tun. Das reichte dem Richter als Begründung nicht. Nun kaufte sich die Angeklagte ein 200 Euro teures Zugticket und war immerhin mit nur einer halben Stunde Verspätung am Gericht. „Sie haben die richtige Entscheidung getroffen und sich noch in den Zug gesetzt. Ich hätte Sie sonst heute vorführen lassen, will heißen, in Haft gesetzt.“ So macht der Vorsitzende deutlich, dass für ihn die Angelegenheit keine Bagatelle ist. Mit einer ähnlichen Sache saß Jessica R. schon mal vor dem Richter. Auch da hatte sie reparierte Perücken nicht zurückgeschickt.

Strenge Worte des Richters an die Angeklagte

Die Angeklagte hat Mühe, sich genau an den Vorfall zu erinnern und zeigt sich selbstkritisch: „Ich schiebe immer alles zur Seite, denke, ich kann das später erledigen. Das ist meine eigene Faulheit. Die Perücken habe ich aber nicht weiterverkauft.“ Sofort ist sie bereit, die Perücken zu bezahlen - insgesamt 151 Euro: „Ich habe mir 200 Euro für Notfälle zurückgelegt. Die kann ich einsetzen. Es tut mir wirklich leid. Ich hoffe, dass ich jetzt endlich geradeaus laufen kann.“

Das Gericht verurteilt Jessica R. nach Jugendstrafrecht. Zur Tatzeit war sie erst 19 Jahre alt. In den nächsten zwei Monaten soll sie 151 Euro an die Auftraggeberin bezahlen und 20 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Richter Seitz wendet sich abschließend an die Verurteilte: „Es tut einem weh, dass solche Dinge vor Gericht landen müssen. Sowas kann man auch wie Erwachsene regeln. Die Strategie: Besser nicht dran denken, das löst sich schon irgendwie. Das ist keine Lösung. Sie müssen lernen, dass Sie keine Sachen versprechen können, die Sie nicht leisten können. Und ich bin nicht wie Sie: Ich werde diese Angelegenheit nicht vergessen. Bei einem wiederholten Vorfall werde ich Sie einsperren.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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