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Dacia im Bach und Schläge am Ufer

Ein Rentner geht nach einem Unfall in Tharandt einen Pressefotografen an, es geht Tumult. Vor Gericht können oder wollen sich nicht alle erinnern.

Symbolfoto.
Symbolfoto. © dpa

Von Walter Neuwirth

Bei einem Verkehrsunfall in Tharandt im Oktober 2020 war ein Dacia im Schloitzbach gelandet. Verletzt wurde dabei niemand - doch am Ufer kam es zu tumultartigen Szenen. Dabei bedrängte ein 69-Jähriger einen Pressefotografen mit dem Ziel, ihn am Ablichten des Geschehens zu hindern. Doch der 46-jährige Dresdner verwies auf die Pressefreiheit und auf sein Recht, seinen Beruf auszuüben. Die Situation eskalierte. Laut Anklage schlug der Rentner den Fotografen, der verschiedene Schürfwunden und Schwellungen davontrug. Nebenbei erlitt seine Kamera eine leichte Beschädigung.

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Zunächst bekam dafür der Rentner wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung einen Strafbefehl über 1.200 Euro, den er aber nicht akzeptierte und so kam es diese Woche am Amtsgericht Dippoldiswalde zur mündlichen Verhandlung.

Zu Verhandlungsbeginn wollte sich der Angeklagte nicht zur Sache äußern. Seine Verteidigerin erklärte jedoch, ihr Mandant habe Zweifel daran gehabt, dass es sich bei dem Fotografen um ein Mitglied der Presse handele und hätte daher den Presseausweis des Fotografen sehen wollen bzw. wollte er an dessen Kamera gelangen, um weiteres Fotografieren zu verhindern. Ihr Mandant sei gegen die Kamera vorgegangen und nicht gegen die Person, mögliche Verletzungen seien im Ringen und Zerren um die Kamera entstanden.

In seiner Zeugenaussage wiederum schilderte der Fotograf dem Gericht dann, wie der Angeklagte ihn über den Bach hinweg lautstark aufgefordert habe, das Fotografieren zu unterlassen und ihn gefragt hätte, wer ihm das Fotografieren dort überhaupt erlaubt habe. Der Angeklagte sei dann über die Brücke zu ihm und gekommen und sei ihn sofort in aggressiver Weise angegangen. Wiederholte Hinweise auf seine Pressefreiheit und Rechtmäßigkeit seines Handelns hätten nicht gefruchtet und der Angeklagte habe dann an seiner Kamera gezerrt, ihn geschubst und ihn danach mehrfach mit der Faust ins Gesicht und auf den Körper geschlagen.

Als Zeugen sagten ebenfalls die Frau des Angeklagten und die Partnerin des Fotografen aus. Während diese die Worte ihres Partners bestätigte und sich daran erinnerte, dass der Rentner "Lügenpresse" und Ähnliches gerufen habe, konnte die Ehefrau des Rentners jedenfalls keine Schläge wahrnehmen. Ein weiterer Zeuge, ein Werkstattmeister aus Tharandt, konnte den Sachverhalt nicht weiter erhellen bzw. gab ebenfalls an, keinerlei Schläge beobachtet zu haben. Den Disput habe er zwar mitbekommen, mehr aber nicht gesehen.

Am Rande dieses Unfalls kam es zum Tumult: Ein 69-Jähriger bedrängte einen Pressefotografen.
Am Rande dieses Unfalls kam es zum Tumult: Ein 69-Jähriger bedrängte einen Pressefotografen. ©  SZ-Archiv

Die Staatsanwältin machte ihre Zweifel an den Aussagen der Ehefrau und des Werkstattmeisters deutlich. Übrigens war ein Werkstattbesuch der Grund dafür, warum der Wagen in Tharandt war und der Meister in der Nähe des Geschehens.

Die Absicht der Verteidigung, durch eine mögliche Entschuldigung gegenüber dem Fotografen eine Verfahrenseinstellung oder Minderung der Strafe zu erlangen, erschien zum Ende der Sitzung greifbar nahe, als der Angeklagte sich dann letztlich doch noch entschieden zu Wort meldete und sein generelles Unverständnis an dem Strafbefehl deutlich zum Ausdruck brachte. „Wo leben wir denn“, sagte er nachdrücklich, „wenn ich dort als Freund von Pegida beschimpft werde und man mir zudem in den Unterleib tritt und ich dafür nun auch noch eine Strafe von einem Monatseinkommen zahlen soll?“ Er zeigte keine Einsicht, weshalb die Staatsanwältin ihre Überlegungen zur Reduzierung der Strafe sofort verwarf.

Das Gericht vertagte den Prozess und wird dann auch den Fahrer des ADAC-Abschleppdienstes befragen, der vielleicht mehr Klarheit über die tatsächlichen Ereignisse geben kann.

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