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Freital: Eine Extra-Scheibe für Ernst Robert Rudelt

Im Jubiläumsjahr Freitals erinnert Rudolf Mehnert an den Kommunalpolitiker, nach dem seine Straße benannt ist.

Von Dorit Oehme
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Rudolf Mehnert aus Freital erinnert mit Baumscheiben zum Jubiläum von Freital auf der Rudeltstraße an Ernst Robert Rudelt.
Rudolf Mehnert aus Freital erinnert mit Baumscheiben zum Jubiläum von Freital auf der Rudeltstraße an Ernst Robert Rudelt. © Egbert Kamprath

Vom Sportplatz an der Rudeltstraße trennte ihn in der Kindheit nur ein Zaun. „Wir wohnten gleich nebenan, Am Raschelberg 8. Ich brauchte nur hinüber zu klettern, schon war ich da. Jeden Tag spielte ich mit meinen Freunden Fußball, auch bei der BSG Stahl Freital, die den Platz und die Turnhalle davor nutzte. Mit vielen anderen war ich auch im Turnen aktiv. Bis ich 22 war, habe ich bei der Betriebssportgemeinschaft des Edelstahlwerkes dort noch Tischtennis gespielt“, sagt Rudolf Mehnert.

Der 65-Jährige steht in seinem Vorgarten an der Rudeltstraße 53 – nur einen Katzensprung entfernt von der Halle, die vor über zehn Jahren abgerissen wurde. Noch blühen in Rudolf Mehnerts Garten die Begonien, die er auf Fichtenstammstücken platziert hat. Am Zaun ragen Scheiben des gleichen Stammes auf Metallspießen aus dem Boden. Die Jahresringe geben den Hintergrund für markante Daten zum 100. Stadtjubiläum Freitals.

„Die Idee kam mir bei einem Spaziergang im Poisenwald. Dazu fiel mir ein, dass in meiner Nachbarschaft noch Reststücke des Fichtenstammes zu haben waren“, sagt Mehnert. Die erste Baumscheibe stellte er im vorigen Jahr auf. „Ich wollte die Passanten neugierig machen und erinnerte an die urkundliche Ersterwähnung Niederhäslichs vor 690 Jahren.“

Zusatzschild mit Infos über Ernst Robert Rudelt fehlt

Zum heutigen Freitaler Stadtteil gehört der Abschnitt der Rudeltstraße, auf dem Rudolf Mehnert in einem Reihenhaus aus den 1920ern zur Miete wohnt. Ein kleiner Teil liegt auf Schweinsdorfer Flur. Markante Villen prägen das Straßenbild. „Die Baumeisterfamilie Reif und andere Prominente haben hier gelebt. An unserem Straßenschild vermisse ich noch ein Zusatzschild, das über Ernst Robert Rudelt informiert. Er hat als Gemeindevorsteher im heutigen Stadtteil Deuben von 1891 bis 1917 viel geleistet und schon die Stadtgründung angeregt.“

Seit dem Sommer steht im Vorgarten an der Rudeltstraße 53 nun eine Extra-Scheibe mit den Lebensdaten Rudelts, der 1860 als Sohn eines Webers im mittelsächsischen Leisnig geboren wurde und 1935 in Dresden starb. „Er hat in Deuben viele Neuerungen auf den Weg gebracht: Er ließ die Hauptstraße, die Dresdner Straße, befestigen. Das Krankenhaus wurde gebaut, ein Postamt eröffnet, das ‚Elektrizitätswerk für den Plauenschen Grund‘ errichtet. Der Strom war für die Wirtschaft wie für die Bewohner wichtig. Die Straßenbeleuchtung wurde installiert, die Straßenbahn konnte verkehren. Und das ist längst nicht alles“, sagt Mehnert, der gern Geschichtliches wie die SZ-Beiträge des Freitaler Journalisten Heinz Fiedler liest und alte Karten und andere Ansichten sammelt.

Rudelt wohnte in seinen späteren Jahren sogar an der nahen Poisentalstraße 75, im Rathaus Niederhäslich. Um 1900 erbaut, war es nur kurz in Funktion. Denn schon 1915 wurde Niederhäslich nach Deuben eingemeindet. Doch von Anfang an gab es im Gebäude auch Wohnungen. Hinterm alten Rathaus hat der Club Poisental sein Domizil. „Für mich ist es wichtig, dort Freunde zu treffen“, sagt Mehnert und schiebt nach: Alles gehöre für ihn zusammen: Die Freunde, die Umgebung, der erste Blick am Morgen vom Fenster aus auf den Windberg – bei Sonne, Nebel, mit Regenbogen oder der Laubfärbung jetzt. „Deshalb würde ich nie wegziehen.“

Und wieder so eine Idee: Shuttle-Bus zum Windberg

Bis Ende 2020 engagierte er sich an der Grundschule Poisental noch als Fußball-Übungsleiter in einem Ganztagsangebot. Über 35 Jahre war Mehnert auch Vorsitzender der Fußballmannschaft des VS Börnchen, die von 1979 bis 2008 den Sportplatz an der Rudeltstraße mit nutzte. „Wir hielten zusammen, die Halle war alt, doch sie fehlt uns. Unsere Volkssportmannschaft hieß so, weil wir alle gern zum Tanzen zur Disco nach Börnchen bei Possendorf gingen“, verrät Mehnert. Ab und zu fährt er noch mit dem Rad dahin oder geht zu Fuß durch den Poisenwald.

Kürzlich kam ihm dabei wieder eine Idee: „Bei großen Festen Freitals wäre ein Shuttle-Bus hinauf zum Windberg genial. So könnten die Besucher die Aussicht auf die Stadt genießen. Dazu müsste es einen Kiosk mit Bockwurst und Kaffee geben. Das klingt nach Ostalgie-Nostalgie, ich weiß“, sagt der Freitaler, der einst bei der städtischen Gebäudewirstchaft gelernt und in dem volkseigenen Betrieb auch gearbeitet hat.