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Freitaler Schüler warten auf Laptops

Die Stadt hat für die Schulen Technik bestellt. Doch Lieferengpässe verzögern den Start. Andere Kommunen hatten da ein glücklicheres Händchen.

Das Rathaus und das Laptop-Debakel: Die Schulen haben Digitaltechnik nicht rechtzeitig erhalten.
Das Rathaus und das Laptop-Debakel: Die Schulen haben Digitaltechnik nicht rechtzeitig erhalten. © Egbert Kamprath

Die Ansage des Schulleiters ist eindeutig: "Die individuelle Lernzeit der Schüler wird durch uns über Lernsax (ausschließlich) organisiert. Die Erledigung der Aufgaben ist für Ihre Kinder verbindlich. Mit Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts werden die Lehrer an den erledigten Aufgaben anknüpfen", schreibt der Leiter der Waldblick- Oberschule am 9. Dezember in einem Elternbrief.

Damit die info auch bei allen ankommt, stellt er den Brief als pdf-Dokument auf die Homepage der Schule. Damit ist klar: Seit dem Shutdown am Montag müssen sich die Waldblick-Oberschüler täglich ins Internet einloggen und ihre Aufgaben erledigen. Doch über das Wie gibt es seit jenem Elternbrief Diskussionen.

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Aufregung um Elternbrief der Schulleitung

Zum einen entzünden sich die Debatten an der Internetplattform Lernsax, die seit dem Beginn des Digitalunterrichts immer wieder hängt. Laut Behörden ist ein Hackerangriff dafür ursächlich.

Zum anderen aber sind viele Waldblick-Eltern sauer, vor allem aus solchen Haushalten, die nicht über ausreichende Computertechnik verfügen. Denn ungeklärt ist, wie die Kinder, denen keine Computer zur Verfügung stehen, ihre Aufgaben erledigen sollen.

Nach Ansicht mancher Eltern macht es der Schulleiter da etwas einfach, wenn er im Elternbrief formuliert: "Bezüglich der Ausstattung Ihrer Kinder mit internetfähigen Geräten ... gestatte ich mir, auf das ,Corona-Kindergeld' in Höhe von 300 Euro, das für jedes kindergeldbezugsberechtigte Kind im September und Oktober ausgezahlt wurde, hinzuweisen."

"Solche Sätze sind eine Frechheit", empört sich ein Vater, dessen Kinder die Waldblick-Oberschule besuchen. Ja, er habe das Kindergeld bekommen. "Aber das wurde ja nicht ausgezahlt, um jedem einen Rechner ins Kinderzimmer zu stellen, sondern um Zusatzkosten für Papier, Druckertinte, Strom, Arbeitsmaterialien und dergleichen zu bezahlen", argumentiert der Mann. Im Übrigen würden die 300 Euro niemals für eine Computer-Komplettausstattung für jedes Kind ausreichen.

Schüler bekommen Aufgabenblätter

Weil das auch der Bundesregierung klar war, legte sie im Sommer ein Sofortausstattungsprogramm auf. Sachsen bekam davon 25 Millionen Euro und gab noch 2,7 Millionen Euro dazu.

Für das Geld sollten die sächsischen Schulen mobile Geräte, also beispielsweise Notebooks, kaufen. Diese Ausstattung sollte zum einen im Unterricht dienen, vor allem aber auch leihweise für das digitale Lernen zu Hause Schülern zur Verfügung gestellt werden. An der Waldblick-Oberschule kamen diese Notebooks aber bisher nicht an.

Und auch andere städtische Schulen in Freital haben bisher keine mobilen Rechner bekommen, wie die Stadt auf Nachfrage bestätigte. Die Geschwister-Scholl-Oberschule und die Lessing-Oberschule verteilten deshalb an ihre Schüler - ganz Oldschool - Aufgabenblätter, ebenso viele Grundschulen.

Ausgestattet sind dagegen das Weißeritzgymnasium, die Förderschule Wilhelmine Reichard, das Berufsschulzentrum sowie die Best-Sabel-Schule. Letztere ist eine Privatschule und besorgte für ihre Schüler i-Pads. Die drei anderen Schulen werden vom Landkreis betrieben. "Am 25. November erfolgte die Lieferung von 450 Notebooks. Diese wurden nach Prüfung ab dem 2. Dezember an die Schulen in Trägerschaft des Landkreises verteilt", schreibt das Landratsamt dazu.

200 Laptops bestellt, aber nicht geliefert

Warum hängt es bei den städtischen Schulen? Freital betreibt sieben Grund- und drei Oberschulen. Geplant war, alle zehn Schulen mit jeweils 20 mobilen Geräten auszustatten. Gekauft werden sollten 200 Laptops, dazu 200 Taschen und zehn Wagen, um die Geräte in den Schulen transportabel zu lagern.

Dafür beantragte die Stadt am 23. Juli die Fördermittel aus dem Sofortprogramm. Es ging um 143.500 Euro. Bereits am 5. August erfolgte der Ja-Bescheid - so wie für viele andere Kommunen auch. Dann begann der große Ansturm auf die Technik.

Freital entschied sich dafür, den Kauf der Laptops nicht direkt zu tätigen, sondern schrieb die Leistung zunächst aus. Am 10. September erfolgte die Vergabe - freihändig, also nicht auf Beschluss eines Ausschusses oder des Stadtrates. "Bereits zu diesem Zeitpunkt zeichneten sich verlängerte Lieferzeiten ab", teilt die Verwaltung auf Nachfrage mit.

An wen der Auftrag ging, möchte die Stadtverwaltung auf Nachfrage nicht mitteilen, obwohl es sich um ein 150.000 Euro hohes Budget handelt. Immerhin: Die Taschen und Wagen sind bereits eingetroffen, nicht aber die Technik. "Die Lieferzeit aller mobilen Endgeräte am Markt ist derzeit extrem angespannt. Kein Distributor kann momentan feste Lieferzeitzusagen geben", heißt es dazu aus dem Rathaus.

Lieferung für Ende Januar in Aussicht

Andere waren da schneller. In Bannewitz trafen die Laptops bereits Mitte September ein. Die Gemeinde hatte die Geräte bei einem ortsansässigen Unternehmen geordert. In Wilsdruff kam eine große Lieferung Notebooks und Tablets Anfang November an. Kreischa vermeldete kürzlich Vollzug. Die Gemeinde bestellte die Technik bei der Kisa, einem kommunalen Zweckverband in Sachsen, der für Kommunen und Gemeinden IT-Dienstleistungen bereit hält.

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Freital dagegen landete weit hinten in der Warteschlange. "Nach derzeitigem Stand und der unverbindlichen Aussage des Dienstleisters soll die Lieferung nunmehr Ende Januar 2021 erfolgen", heißt es aus dem Rathaus. Das sei in Anbetracht der derzeitigen Situation bedauerlich, aber nicht zu ändern. "Wir hätten die Geräte gern früher bereitgestellt", teilte ein Sprecher der Stadtverwaltung mit.

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