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Großer Schaden, keine Täter

Müll, zerstörte Spielgeräte, umgesägte Schilder: In den Freital und Dipps wächst der Frust über Vandalismus. Eine Stadt geht jetzt in die Offensive.

Müll, der auf Wegen und in Grünanlagen landet, ist im Mehrgenerationenpark Zauckerode ein gewohnter Anblick.
Müll, der auf Wegen und in Grünanlagen landet, ist im Mehrgenerationenpark Zauckerode ein gewohnter Anblick. © Karl-Ludwig Oberthuer

Zur Party hatte es Pizza, Kakao, Chips und Zigaretten gegeben. Das zumindest kann man aus den Müllresten schließen, die anderntags den Mehrgenerationenpark Freital-Zauckerode verschandelten. Die Verpackungen lagen unter und neben dem Abfalleimer, in den Grünanlagen und sogar im Bachlauf. Das Schlimme daran: Die Szene ist kein Einzelfall. Immer wieder treffen sich in der Spiel- und Erholungsanlage Freitaler, die ihren Müll achtlos wegwerfen. Und das in Größenordnungen.

Das Phänomen ist nicht allein auf den Mehrgenerationenpark beschränkt: Spielplätze, Parkanlagen, Grünstreifen, Sitzgruppen, ja selbst etwas abseits gelegene Aussichtspunkte werden immer wieder vermüllt. Im schlimmsten Fall gibt es auch noch grobe Sachschäden, die die Stadt reparieren und bezahlen muss: kaputte Spielgeräte, Bänke, Wartehäuschen zum Beispiel. Pro Jahr wird dafür eine fünfstellige Summe ausgegeben, heißt es aus dem Freitaler Rathaus. Darin sind Bagatellfälle und Reinigungskosten noch nicht einmal eingerechnet.

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Stadt musste Skateranlage sperren

Kein Wunder also, dass der Ruf nach mehr Überwachung lauter wird. So forderte die CDU-Fraktion im Freitaler Stadtrat bereits am Jahresanfang eine Videoüberwachung am Neumarkt. Vorangegangen war dem immer wieder Ärger über meist sehr jugendliche Cliquen, die sich dort in den Abendstunden trafen und jede Menge Chaos hinterließen. Als sich das Müll-Phänomen im Frühjahr an die Skateranlage hinter dem Oppelschacht verlagerte, wusste sich die Stadt bald nicht mehr anders zu helfen, als die Skaterbahn schließlich zu sperren. 

In der Facebook-Gruppe Stadtfreunde Freital werden solche Auswüchse immer wieder diskutiert. Häufig kommt der Kommentar: "Wo sollen denn die Jugendlichen auch hingehen? Es gibt doch in Freital nichts." Das, sagt Stadtrat René Neuber (Freie Wähler), selbst Anwohner von Zauckerode, sei der völlig falsche Ansatz. "Die Jugendlichen können doch dorthin gehen. Der Mehrgenerationenpark, die Skateranlage oder der Neumarkt sind schließlich für alle da. Sie sollen lediglich ihren Müll wegräumen oder wieder mitnehmen."

Wegen ständiger Vermüllung sperrte die Stadt Freital im Mai 2020 zwischenzeitlich den Skaterpark.
Wegen ständiger Vermüllung sperrte die Stadt Freital im Mai 2020 zwischenzeitlich den Skaterpark. © Egbert Kamprath

Das fällt manchen sichtlich schwer. Für andere Dinge dagegen haben sie Kraft und Energie. So wuchteten Unbekannte einen Gullydeckel auf die Tischtennisplatte hinter dem Oppelschacht, vermutlich mit viel Schwung. Das Betonelement zerbrach unter der Last. Neuber will beobachtet haben, dass es vor allem 14- bis 15-Jährige sind, die rund um den Mehrgenerationenpark Verwüstungen und Müll hinterlassen. "Aber wenn man die Schüler darauf anspricht, sind sie es natürlich nicht gewesen", berichtet er.

Busbahnhof Dipps seit Jahren Problemzone

In Dippoldiswalde ist es insbesondere der Busbahnhof, der seit Jahren das Epizentrum in Sachen Verunreinigungen und Vandalismus ist. Der wind- und wettergeschützte Wartebereich diente in der Vergangenheit eher als Treffpunkt. Hier wurde getrunken, gegessen, geraucht - und auch die Notdurft verrichtet. Schließlich sperrte die Stadtverwaltung den Warteraum ab - eine andere Lösung sah man nicht.

Immerhin, heißt es aus dem Dippoldiswalder Rathaus, habe man andernorts in der Stadt die Lage etwas in den Griff bekommen. Aufgrund verstärkter Kontrollen durch Polizei und Ordnungsamt seien in der jüngsten Vergangenheit keine größeren mutwilligen Sachbeschädigungen mehr vorgekommen.

Weil an der Wartehalle am Dippoldiswalder Busbahnhof immer wieder Verunreinigungen und Schäden entstanden, hat die Stadt den Raum inzwischen geschlossen.
Weil an der Wartehalle am Dippoldiswalder Busbahnhof immer wieder Verunreinigungen und Schäden entstanden, hat die Stadt den Raum inzwischen geschlossen. © Egbert Kamprath

Vandalismus und Sachbeschädigungen sind nicht allein auf Städte wie Freital und Dippoldiswalde beschränkt. Auch in beschaulichen Dörfern geht es dahingehend mitunter zur Sache. So brannten in der Umgebung von Dippoldiswalde schon Wanderhütten und Bänke. In Bannewitz wurden immer wieder die Scheiben von Bushaltestellen eingeschlagen.

In Glashütte und den Ortsteilen tauchten im vergangenen halben Jahr etliche Schmierereien, teils mit verfassungsfeindlicher Symbolik, an Wartehäuschen, auf Bänken, an Laternenpfählen und Geländern auf. An der Kita in Reinhardtsgrimma wurde ein Türschloss bereits viermal mit einer silikonartigen Masse verfüllt, Schaden: 300 Euro. Noch schwerer wog ein zerschnittenes Ballfangnetz an der Prießnitztalhalle, Kostenpunkt: 1.500 Euro. Die Rutsche auf dem Spielplatz in Cunnersdorf wurde so schwer beschädigt, dass sie nur noch getauscht werden konnte. Anschaffungskosten: 2.000 Euro. Es ist Geld, das sich im Jahr läppert und das die Kommune gerne für andere Zwecke ausgeben würde. 

Radweg-Schilder gekappt

Mit Geld will jetzt auch die Stadt Wilsdruff weiterkommen. Die Verwaltung hat eine Belohnung von 500 Euro für Hinweise ausgesetzt. Es geht um massive Sachbeschädigungen, die am letzten Ferienwochenende im August entstanden. Damals wurden Türen und Schlösser der Oberschule mit Bauschaum gefüllt, was man noch als unreifen, wenn auch ärgerlichen Schabernack durchgehen lassen könnte.  

Am gleichen Wochenende allerdings wurde ein Laternenmast im Stadtgebiet regelrecht gefällt. Außerdem wurden am Radweg in Richtung Limbach die Pfähle der Radwegschilder durchtrennt. Aus dem Rathaus heißt es, dass dabei vermutlich ein mobiler Winkelschleifer oder ein ähnliches Gerät verwendet wurde. Der Sachschaden liegt bei 5.000 Euro.

Als wäre das alles noch nicht dämlich genug, beschmutzt Wilsdruffs Jugend sogar ihr eigenes Nest. So geschehen im Jugendklub an der Freiberger Straße. Dort hatte die Stiftung Leben und Arbeit den jungen Leuten die ehemalige Gaststätte Sachsenperle zur Nutzung überlassen. Das war vor knapp einem Jahr. Anfänglich gab es seitens der Nachbarn Beschwerden wegen Lärms. Das war noch harmlos, verglichen mit dem, was sich nun offenbart: Heruntergewirtschaftet und beschädigt sei das Gebäude, informierte Bürgermeister Ralf Rother (CDU) kürzlich im Stadtrat. "Es sind sämtliche Türen und einige Wände mit Farbe beschmiert, einige Türen sind schwer beschädigt." Einige Räume seien voller leerer Bierflaschen. "Die Enttäuschung ist groß", sagte Rother.

Immerhin: Zutritt zum Klub hatte nicht jeder. Die Verwaltung und die Stiftung hoffen, dass die Übeltäter gefunden werden. 

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