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Von Freital nach Tokio

Para-Sportler aus drei Ländern haben sich in Freital zum Wettkampf getroffen. Für einige war das ein weiterer Test kurz vor den Paralympischen Spielen.

Die Cottbuserin Frances Herrmann kommt immer gern zu Sportveranstaltungen nach Freital. Am Sonnabend wurde sie hier Mitteldeutsche Meisterin im Speerwerfen.
Die Cottbuserin Frances Herrmann kommt immer gern zu Sportveranstaltungen nach Freital. Am Sonnabend wurde sie hier Mitteldeutsche Meisterin im Speerwerfen. © Karl-Ludwig Oberthür

Frances Herrmann war zeitig aufgestanden, um nach Freital zu kommen. Hier fand am Sonnabend die Internationale Para-Leichtathletik statt, zu der mehr als 70 Sportler angereist waren. Auch für die Speerwerferin aus Cottbus war das ein wichtiger Wettkampf. Mit anderen wollte sie ihre Kräfte messen, um sich für die Paralympischen Spiele in Tokio vorzubereiten. Während sich andere Sportler in Freital noch wichtige Punkte holen konnten, hatte die 31-Jährige ihr Ticket bereits sicher.

Frances Herrmann hat von Geburt an ein Handicap, sie ist inkomplett querschnittsgelähmt. Sie kann keine längeren Strecken laufen und ist dabei auch nicht so sicher. Das hielt sich nicht davon ab, Sport zu machen. Angefangen hat sie vor 18 Jahren in einer Arbeitsgemeinschaft in der Schule. Sie entschied sich für das Diskuswerfern - und war hier sehr erfolgreich. 2008 ist sie bei den Para-Olympics Zweite geworden - mit einem Weltrekord. Leider sei das Diskuswerfen im selben Jahr aus dem Wettkampfprogramm der paralympischen Sportarten gestrichen worden, sagt sie.

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Veranstalterin Siena Christen und Trainer Ralf Paulo am Rande der Internationalen Para-Leichtathletik.
Veranstalterin Siena Christen und Trainer Ralf Paulo am Rande der Internationalen Para-Leichtathletik. © Karl-Ludwig Oberthür

Deshalb wechselte sie zum Speerwerfen. Nach einer längeren Umgewöhnungsphase ist sie auch hier sehr erfolgreich, sagt ihr Trainer Ralf Paulo, der sie seit 2003 betreut. "In Tokio hat sie die Chance, um eine Medaille mitzukämpfen. Sie ist absolut konzentriert und kann sich im Wettkampf steigern. Ich kann mich darauf verlassen, dass sie den Speer im Wettkampf einen Meter weiter wirft als im Training."

Er ist froh, dass seine Athletin die Corona-Erkrankung im Februar und März gut überstanden hat. Erst war sie vier Wochen in Quarantäne gewesen, weil ihr kleiner Sohn an Corona erkrankt war, dann war sie selbst sechs Wochen krankgeschrieben. "Die Luftnot, die ich hatte, war sehr heftig", erinnert sie sich. Auch als Sportlerin sei das eine schwere Zeit gewesen, sagt die junge Frau. Denn sie konnte nicht trainieren.

Ob Frances Herrmann in Tokio an ihre früheren Erfolge anknüpfen kann, wird sich im August zeigen, wenn sie in der japanischen Hauptstadt bei den Paralympischen Spielen um Sieg und Platz kämpfen wird. Freital sei ein wichtiger Test, sagt die junge Frau. Aber nicht nur das. Sie schätzt diese Veranstaltung, die in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal stattfand und an der sie selbst zum siebten Mal teilnahm. "Das hier ist eine tolle Sache", sagt sie.

Das Lob ging an Siena Christen. Die Freitalerin, die selbst eine aktive Para-Sportlerin war, hat diese Veranstaltung organisiert. "Sie weiß, was die Athleten brauchen und bemüht sich sehr, den Wettkampf für die Athleten so gut wie möglich zu gestalten", sagt Frances Herrmann. Die Bedingungen hier seien ideal.

Gern hätte Siena Christen in diesem Jahr mehr als 100 Sportler begrüßt. Doch die Sportfreunde aus Südamerika, Dubai und Südafrika konnten wegen der Corona-Vorschriften nicht einreisen. Dennoch war der Wettkampf international. Neben Sportlern aus Deutschland starteten auch Teilnehmer aus Tschechien und Griechenland. Insgesamt kamen 73 Sportler. Für Siena Christens Veranstaltung ein Rekord.

Teilnehmerrekord für die Veranstalterin

Deshalb war Siena Christen, die auch am Sonnabend alle Hände voll zu tun hatte, zufrieden. Trotz der Hitze waren nicht nur Sportler, ihre Betreuer und Wettkampfrichter im Stadion des Friedens anwesend, sondern auch Zuschauer. Um die Mittagszeit, als die Temperaturen schon bei über 30 Grad waren, waren etwa 50 Besucher im Stadion.

Für Frances Herrmann ging der Freitaler Wettkampf erfolgreich zu Ende. Sie schaffte es, den Speer 16,83 Meter zu werfen, holte sich damit den ersten Platz und wurde Mitteldeutsche Meisterin. "Die Stimmung im Stadion war gut." Nun bleiben ihr acht Wochen, um sich auf die Spiele in Tokio vorzubereiten.

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