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Freitaler verkauft gefälschte Monatskarten

Gedruckt auf Originalpapier, flogen die Kopien trotzdem auf. Verdeckte Ermittler stellten dem Betrüger eine Falle. Jetzt steht er vor Gericht.

Das hatte der Fälscher nicht bedacht: Fahrkartenautomaten verwenden anderes Papier, als es beim Kauf direkt im Bus der Fall ist.
Das hatte der Fälscher nicht bedacht: Fahrkartenautomaten verwenden anderes Papier, als es beim Kauf direkt im Bus der Fall ist. © Karl-Ludwig Oberthür

Von Friederike Hohmann

Wenn man sich eine Monatskarte am Automaten der Verkehrsbetriebe gekauft hat und irgendwann merkt, dass man sie eigentlich gar nicht braucht, kann man die ungestempelte Karte beim Service zurückgeben. Nach Prüfung der Karte bekommt man den Kaufbetrag erstattet. Die Tarifbestimmungen des VVO sehen dafür eine Bearbeitungsgebühr von zwei Euro vor.

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Bei Ebay-Kleinanzeigen und Facebook tauchen trotzdem immer wieder Angebote für ungestempelte Monatskarten auf, die dort deutlich günstiger angeboten werden. Jeder Kaufinteressent sollte sich fragen, warum die Karten so preiswert sind, da man sie doch eigentlich ohne größeren Verlust zurückgeben könnte. Oliver H. aus Freital hatte im März 2019 allein fünf Anzeigen bei Ebay-Kleinanzeigen eingestellt und dort verschiedene Monatskarten, die für unterschiedliche Tarifzonen der Deutschen Bahn oder der Dresdner Verkehrsbetriebe gültig sein sollten, angeboten. Dabei nannte er sich wahlweise Karsten, Jens oder Robert. Die Begründung war immer dieselbe: Die Karte hätte er bei der Haushaltsauflösung einer verstorbenen Nachbarin gefunden.

Verdeckter Ermittler tätigt einen "Scheinkauf"

Zu dieser Zeit hatte die Bundespolizei längst ein Auge auf solche Angebote. Immer häufiger waren Kontrolleuren gefälschte Monatskarten vorgelegt worden. Die Überprüfungen hatten ergeben, dass diese auf gestohlenen Papierrollen, die ausschließlich in Bussen verwendet werden, gedruckt worden waren.

Kontrolleure wissen längst, dass das nicht zusammenpasst, denn in Bussen werden generell keine Wochen- und Monatskarten verkauft. Die Aufdrucke auf der Rückseite der in den Bussen verwendeten Rollen unterscheiden sich von denen in den Fahrkartenautomaten an Haltestellen und Bahnsteigen.

Seine Kleinanzeigen haben für den mehrfach vorbestraften 35-jährigen Freitaler, der seit seiner letzten Haftentlassung 2016 auch noch unter Bewährung steht, nun ein juristisches Nachspiel. Die Ermittler der Bundespolizei konnten ihn zweifelsfrei identifizieren, nachdem ihm im April 2019 von einem verdeckten Ermittler eine Falle gestellt worden war.

Bei einem sogenannten Scheinkauf erwarb der Bundespolizist unter einem Decknamen, den er auch im Zeugenstand vor Gericht benutzt, eine der gefälschten Monatskarten von Oliver H. Sie hatten sich dazu am Dresdener Hauptbahnhof verabredet. Dass er damit in eine Falle getappt war, erfuhr Oliver H. allerdings erst später. So verkaufte er im Mai in einer Spielhalle dann auch noch eine Monatskarte an einen Mann, den er noch aus dem Gefängnis kannte. Auch er ist als Zeuge geladen und wird von zwei Vollzugsbeamten der JVA Dresden in den Saal geführt. In der Linie 4 in Dresden hatte er die Monatskarte vorgezeigt und später angegeben, dass er sie von H. gekauft hatte.

Bei einer Hausdurchsuchung im Oktober 2019 fand man bei Oliver H. mehrere gefälschte Monatskarten und einen Thermo-Etikettendrucker, in dem sich eine gestohlene Blankorolle befand. Er hatte damit auch versucht, weitere Fahrscheine zu drucken. Die Druckversuche hätten aber eher laienhaft ausgesehen. Das Vorhaben habe sich wohl noch im Versuchsstadium befunden, sagt eine als Zeugin geladene Beamtin der Bundespolizei. Etwa einhundert Verfahren gäbe es im Zusammenhang mit solchen Fälschungen. Auf eine Fälscherwerkstatt sei man dabei aber bislang nicht gestoßen, sagt ein Ermittler aus.

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Im Prozess am Amtsgericht Dippoldiswalde liegen gegen Oliver H. gleich vier Anklageschriften auf der Bank des Staatsanwalts. Neben den Vorwürfen wegen Betrugs und Urkundenfälschung geht es um den unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln, um Sachbeschädigung und um Diebstahl. Richterin Daniela Höllrich-Wirth hat wegen der vielen zu vernehmenden Zeugen für Freitag einen weiteren Verhandlungstag angesetzt.

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