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Gefälschte Monatskarten bringen Freitaler ins Gefängnis

Jahrelang war Oliver H. mit Geld- und Bewährungsstrafen davongekommen. Nachdem er aber gefälschte Monatskarten verkaufte, ist das Maß voll.

© dpa

Von Friederike Hohmann

Am Ende des zweiten Prozesstages möchte Oliver H. keine Angaben zu seiner Person machen. Sein Anwalt verweist stattdessen auf die Ausführungen des Bewährungshelfers, der H. seit Jahren kennt. Die Richterin verliest außerdem Auszüge aus einem früheren Urteil, die recht ausführliche Angaben zu seinem Lebensweg enthalten. Was Oliver H. sonst noch so in seinem Leben anstellte, ist den vier Anklageschriften dieses Prozesses und seinem Vorstrafenregister, das zwölf Eintragungen enthält, zu entnehmen.

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Oliver H. begann nach dem Realschulabschluss eine Tischlerlehre, die er aber bald abbrach, da er dazu keine Lust mehr hatte. Zu dieser Zeit nahm er regelmäßig Crystal, nachdem er schon mit etwa 15 Jahren begonnen hatte zu kiffen. Nach dem Abbruch der Lehre war er jahrelang arbeitslos, absolvierte dann aber eine zweijährige Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer. Um Arbeit bemühte er sich aber trotzdem nicht ernsthaft. Seinen inzwischen um Speed, Ecstasy und Kokain erweiterten Drogenkonsum finanzierte er, indem er selbst mit Drogen handelte. 2006 wurde er dafür erstmals am Amtsgericht Dippoldiswalde verurteilt, die sechzehnmonatige Jugendstrafe zur Bewährung ausgesetzt. In der Bewährungszeit beging er weitere Straftaten und wurde in mehreren Gerichtsurteilen dennoch zu weiteren Bewährungsstrafen oder Geldstrafen verurteilt, bis er 2012 nach einem Urteil des Landgerichts Dresden erstmals ins Gefängnis musste.

Im damaligen Urteil wurden gesundheitliche Probleme wie Bluthochdruck, Konzentrationsschwäche, angegriffene Nasenscheidewand und beschädigte Zähne, zu denen der Drogenkonsum inzwischen geführt hatte, benannt. Während der Haft absolvierte Oliver H. eine Langzeittherapie und wurde im Februar 2016 aus der Haft entlassen, der Rest der Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Bei der Suchttherapie hatte er seine spätere Lebensgefährtin F. kennengelernt. Nach seiner Entlassung zog sie zu ihm in seine 1-Zimmer-Wohnung in Freital. Anfänglich sei es noch relativ gut gelaufen, so der Bewährungshelfer, auch wenn Oliver H. generell sehr unzuverlässig war. Er hielt sich selten an Absprachen und brachte zunehmend neue Probleme zu den Treffen mit.

Im Sommer 2018 wurde ein gemeinsamer Sohn geboren. Dabei testete man H. und F. positiv auf Crystal, weshalb das Kind zunächst in die Obhut des Jugendamtes, später zur Mutter von H. kam, wo es seitdem aufwächst. Immer wieder hätte H. versucht, von den Drogen und dem Alkohol wegzukommen. Von F. ist Oliver H. inzwischen getrennt. Sie lebt in Dresden, ist wohnungslos und hat keinen Kontakt zu ihrem Kind.

Drei Jahre in Haft

Nach seiner letzten Haftentlassung stand H. mehrmals vor Gericht und wurde, obwohl er durchweg unter Bewährung stand, immer wieder zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt. Gleich zu Beginn dieser Verhandlung hatte H. zugegeben, 2019 mehrere gefälschte Monatskarten bei Ebay-Kleinanzeigen angeboten, mehrere verkauft und weitere durch Manipulation gefälscht zu haben. Er gab auch den Besitz von Betäubungsmitteln, den Diebstahl von zwei Getränkedosen zu und räumt ein, dass er die Wohnungstür von F. eingetreten hatte.

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Für den Staatsanwalt ist am Ende klar, dass der wiederholte Bewährungsbruch über viele Jahre nun endlich ernste Konsequenzen haben muss und fordert eine Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Nach dem Urteil des Schöffengerichts, das auch vorherige Geldstrafen einbezog, soll Oliver H. nun für insgesamt drei Jahre ins Gefängnis. Er muss damit rechnen, dass nun auch weitere Gerichte die Bewährung aufheben, sodass noch weitere Monate dazukommen werden.

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