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Still ruht die Baustelle der Ballsäle

Freitals Prestige-Objekt in Coßmannsdorf birgt eine Menge Probleme. Die Baukosten steigen und die Anwohner sorgen sich um ihre Ruhe. Der Versuch einer Lösung.

Bauzaun und Container stehen fest und sicher. Baufahrzeuge und Arbeiter wurden zuletzt an den Ballsälen Coßmannsdorf nicht mehr gesehen.
Bauzaun und Container stehen fest und sicher. Baufahrzeuge und Arbeiter wurden zuletzt an den Ballsälen Coßmannsdorf nicht mehr gesehen. © Karl-Ludwig Oberthür

Was Anwohner schon seit einer Weile beobachten, wird jetzt von der Stadt offiziell bestätigt: Zurzeit bewegt sich auf der Baustelle der Ballsäle Coßmannsdorf nichts. "Einen Baustopp haben wir zwar nicht", sagt Silvio Messerschmidt. Doch der Leiter des Freitaler Stadbauamtes muss auch eingestehen: "Im Moment geht es aus verschiedenen Gründen nicht so richtig weiter." Sächsische.de erklärt, wie es dazu kam, welche Konsequenzen das hat und wie es jetzt weitergeht. 

Widerspruch gegen die Baugenehmigung

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So wie ursprünglich geplant, geht es nicht. Die Freitaler Wohnungsgenossenschaft (Gewo) hat Einspruch gegen die Baugenehmigung eingelegt. Sie sieht die Ruhe ihrer Mitglieder, die rund um das BC wohnen, gefährdet. "Die nächstgelegenen Wohnungen sind nur sieben Meter von den Fenstern des großen Saals entfernt", sagt Friederike Ebert, Vorstand der Gewo. "Wir wollen das Projekt nicht verhindern", sagt sie. "Aber wir wollen für die betroffenen Mieter das Bestmögliche erreichen." Es geht um rund 100 Leute nur bei der Gewo. Auch Mieter der Wohnungsgesellschaft Freital (WGF) und von privaten Eigentümern sind betroffen.

Landratsamt erteilt Auflagen zum Lärmschutz

Den Einspruch hat das Landratsamt geprüft und resultierend daraus der Stadt einige Änderungen in der Planung aufgetragen. Hauptbestandteil sind die Fenster. Diese werden nun in der höchstmöglichen Lärmschutzklasse 4 ausgeführt. Geplant war Klasse 3. Dadurch verursachte Mehrkosten: rund 64.000 Euro. Außerdem werden die Fenster im Saal während der Veranstaltungen nicht zu öffnen sein. Sie haben keine Fenstergriffe. Zum Reinigen lassen sie sich öffnen. Im Barbereich gibt es zwei Fenster, die vom Personal bedient werden und jederzeit geöffnet werden können. Eine Lüftungsanlage ist von Vornherein mit geplant gewesen. Eine Klimaanlage wird es nicht geben.

Kellernutzung erhöht den Sanierungsaufwand

Die Sanierung des Kellers war in den ursprünglichen Planungen auf das absolut Notwendige begrenzt. Die Technischen Werke Freital (TWF), die später das Haus betreiben werden, gingen davon aus, dass im Keller weder etwas gelagert werden muss, das nach Trockenheit verlangt, noch dass dort Haustechnik eingebaut werden muss. Beides hat sich inzwischen geändert. Deshalb muss nun doch der Keller trockengelegt und mit einer Sperrschicht versehen werden. Entstandene Mehrkosten: rund 140.000 Euro.

Das BC bietet baulich Sehens- und Erhaltenswertes wie diesen Erker.
Das BC bietet baulich Sehens- und Erhaltenswertes wie diesen Erker. © Karl-Ludwig Oberthür

Hausbockbefall kostet 190.000 Euro zusätzlich

Nun kommen zu den Kosten, die anfangs bei rund 4,4 Millionen Euro lagen und mit den Nachträgen aus dem April über fast 600.000 Euro (Fenster, Keller, Terrasse, Treppen, Dämmschüttung, Güteraufzug, Fotovoltaik) schon auf fünf Millionen angewachsen sind, noch einmal 190.000 Euro dazu. Denn die Balken im Haus sind an etlichen Stellen vom Hausbock befallen. Ein kleiner Käfer, der sich durchs Holz frisst, ohne dabei sichtbare Späne zu hinterlassen. Sein schädliches Wirken bleibt deshalb oft lange unerkannt. 

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Das Gebäude ist nun weitestgehend entkernt. Als Nächstes wird der Wintergarten abgebaut und eingelagert. Zu gegebener Zeit wird er wieder aufgebaut. Im Außenbereich wird am Gebäude ringsherum aufgegraben, um die Kellerwände trockenzulegen. Es wird eine Sperrschicht eingebaut, um erneutes Durchfeuchten zu verhindern. Außerdem beginnt die Deckensanierung. Die Garagen werden abgerissen genauso wie der Anbau im Eck. Die Stadt will sich aber nicht auf den Tag festlegen lassen, wann es nun wirklich weitergeht. "Auf der Baustelle wird bald wieder Bewegung sein", sagt dazu Stadtbauamtsleiter Messerschmidt. Noch im September solle es möglichst so weit sein.

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