merken
PLUS Freital

Wilsdruffer drängen auf Ortsumgehung

Eine Initiative hat Unterschriften gesammelt, um das Verfahren zu beschleunigen. Die Listen wurden jetzt der Landesdirektion übergeben.

Wenn Stau auf der Autobahn ist, quälen sich Lkws in Massen durch Wilsdruff.
Wenn Stau auf der Autobahn ist, quälen sich Lkws in Massen durch Wilsdruff. © Lutz Kühne

Oliver Köbe möchte nicht mehr vertröstet werden. Seit Jahren wartet der Wilsdruffer, dass der Freistaat eine Westumfahrung um seine Stadt baut. Diese soll den Verkehr aus der Stadt bringen. Und das ist dringend nötig, sagt der Wilsdruffer. Die Umgehungsstraße wurde den Bürgern schon vor Jahren versprochen. Passiert ist nichts.

Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, sammelte Köbe zusammen mit anderen Wilsdruffern von Mitte August bis Anfang Oktober Unterschriften. Ziel der Aktion: Die Wilsdruffer fordern die Landesdirektion Sachsen aus, das Verfahren zum Schaffen des Baurechts für die Straße zu beschleunigen. Die Initiatoren wünschen sich zudem, dass die jetzige S 36, die als Nossener Straße und Wielandstraße durch die Innenstadt führt, nach Fertigstellung der Umgehungsstraße für den Lkw-Verkehr gesperrt wird.

Familie und Kinder
Familienzeit auf sächsische.de
Familienzeit auf sächsische.de

Sie suchen eine Freizeitplanung oder Erziehungsrat? Wir unterstützen Sie mit Neuigkeiten sowie Tipps und Tricks Ihren Familienalltag zu versüßen.

Der Forderung der Initiatoren schlossen sich knapp 1.000 Wilsdruffer an. Köbe räumt ein, dass er mit mehr gerechnet hat, er ging von 2.000 bis 3.000 Unterschriften aus. Doch unzufrieden ist er nicht. Die Corona-Auflagen haben es der Initiative nicht leichtgemacht, Unterschriften in den Geschäften zu sammeln. Man habe sich bewusst gegen eine Online-Petition ausgesprochen, um auch ältere Bürger zu erreichen.

Die Straße ist schmal, eine Kurve sehr eng

In dieser Woche war es ihm nun möglich, die Unterschriftenliste zusammen mit Bürgermeister Ralf Rother (CDU) in der Landesdirektion Sachsen in Dresden abzugeben. Dort nahm sie Godehard Kamps entgegen. Er leitet die Abteilung Infrastruktur in der Landesdirektion. "Ich kenne die Ortslage gut", sagte er.

Übergabe mit Abstand. Oliver Köbe (links) überreicht die Unterschriften im Beisein von Bürgermeister Ralf Rother (rechts) an Godehard Kamps, dem Leiter der Abteilung Infrastruktur in der Landesdirektion.
Übergabe mit Abstand. Oliver Köbe (links) überreicht die Unterschriften im Beisein von Bürgermeister Ralf Rother (rechts) an Godehard Kamps, dem Leiter der Abteilung Infrastruktur in der Landesdirektion. © SZ/Maik Brückner

Oliver Köbe nutzte die Gelegenheit, auf die Dringlichkeit dieser Straße hinzuweisen. Jeder kenne Wilsdruff, sagt er. Und zwar aus den Staumeldungen in den Verkehrsnachrichten. Jeder Unfall, der sich auf der nahen Autobahn A 4 zwischen dem Dreieck Nossen und der Auffahrt Wilsdruff ereignet, führt zu Staus auf der Autobahn. Die haben zur Folge, dass die Auto- und Lkw-Fahrer auf die Nebenstraßen ausweichen. Eine davon ist die S 36, die direkt an seinem Haus und durch die Stadt Wilsdruff führt, sagt Köbe.

Das Problem: Die Straße ist schmal, eine der Kurven sehr eng. Mehr als einmal sind die Schwerlaster dort über die Bordsteine gefahren. Ihm sei es sogar schon mal passiert, dass ihm drei Autos bis in seine Einfahrt folgten, weil sie glaubten, er kenne eine Abkürzung. Dabei wollte er nur nach Hause.

Auch Bürgermeister Rother drängt auf einen baldigen Baubeginn. Zu lange warte man schon. Es sei schon viel Zeit ins Land gegangen, weil Mitarbeiter im zuständigen Amt wechselten und neu eingearbeitet werden musste. Mal wurde die Maßnahme als dringlich eingestuft, dann wieder als nicht so wichtig. Zwischenzeitlich lag sie sogar mal in einem Amt, dass unter Insidern als "Planungsfriedhof" bekannt ist. Doch nun arbeitet das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) an der Planung.

Auf der A4 fahren 100.000 Fahrzeuge pro Tag

Deshalb hofft auch er, dass die Landesdirektion das Vorhaben möglichst schnell prüfen wird. Jeder Unfall auf dem parallel verlaufenden Autobahnabschnitt führe dazu, dass der Verkehr auf die Nebenstraßen ausweicht, erklärte der Stadtchef. Und das können viele Fahrzeuge sein. Pro Tag fahren rund 100.000 Autos und Lkws auf der Autobahn an Wilsdruff vorbei. Wenn die dort nicht vorankommen, führt das zu Staus in der Wilsdruffer Innenstadt. "Das ist ein Thema, dass wir als Stadt nicht lösen können."

Godehard Kamps nahm die Unterschriften entgegen und erklärte, dass es in diesem Verfahren zwei Beteilige gibt: Zum einen das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), dass die Vorhaben plant und ausführen lässt und zum anderen seine Behörde, die Pläne vor der Ausführung prüft. Kamps versprach, dass sein Amt versucht, Anträge schnell zu prüfen. "Wenn die Unterlagen topp sind, schaffen wir das in zwölf Monaten."

Noch kein Bauantrag für die Ortsumgehung

Dennoch müssten natürlich vorgetragene Einwände gegen Bauvorhaben genau geprüft werden. Im Fall von Wilsdruff sei es aber so, dass das Lasuv noch keinen Antrag für den Bau der Ortsumgehung eingereicht habe, dafür aber für die ebenfalls geplante Umgestaltung der Autobahnauffahrt Wilsdruff.

Mit diesen Plänen beschäftigen sich seine Kollegen seit September, so Kamps. Beide Vorhaben des Lasuv gehören zusammen, werden aber getrennt bearbeitet. Bei der Prüfung zur Anschlussstelle sei ein gravierendes Problem aufgetreten, das gelöst werden muss. Konkreter wollte Kamps mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht werden.

Weiterführende Artikel

A4-Baustelle bei Nossen bleibt länger

A4-Baustelle bei Nossen bleibt länger

Eigentlich sollten die Arbeiten zwischen Wilsdruff und Nossen in sechs Wochen abgeschlossen werden. Doch dieser Zeitplan ist nicht zu halten. Die Gründe.

Staugeplagte Wilsdruffer wehren sich

Staugeplagte Wilsdruffer wehren sich

Anwohner der Nossener Straße sammeln Unterschriften. Sie sind die Verkehrsbelastung leid und hoffen auf Lösungen an bestimmten Stellen.

Wilsdruffer haben Dauerstaus satt

Wilsdruffer haben Dauerstaus satt

Wenn es auf der A 4 zu Unfällen kommt, ist die Nossener Straße dicht. Eine Umgehungsstraße soll helfen. Doch auf die warten die Wilsdruffer schon ewig.

„Die Unfälle auf der A 4 waren programmiert“

„Die Unfälle auf der A 4 waren programmiert“

Die Wilsdruffer Spedition Wackler leidet unter der Dauerbaustelle. Deren Chef glaubt aber trotzdem an den Standort.

Obwohl Oliver Köbe und Ralf Rother ohne konkrete Zusicherungen die Landesdirektion nach der Unterschriftenübergabe verlassen haben, schienen die Wilsdruffer zufrieden. "Wenn sich niemand beschwert, passiert nichts", sagt Köbe.

Mehr Nachrichten aus Freital lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen.

Mehr zum Thema Freital