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Putzfrau plündert Sparschwein

Vor Gericht leugnet die Frau alles, doch dann wird ein Video gezeigt. Nun muss sie Tausende Euro Strafe zahlen. Trotzdem hat das Urteil etwas Gutes für sie.

Symbolfoto.
Symbolfoto. © Peter Kneffel/dpa

Von Anne Schicht

Dass Geld aus seinem Haus verschwindet, bemerkte der Familienvater zuerst am Sparschwein seines damals neunjährigen Sohnes. Der Grundschüler füllte dieses schon lange und es sei voll gewesen, so erzählt es der Vater vor dem Dippoldiswalder Amtsgericht. So voll, dass er das Behältnis geöffnet und darin Platz geschaffen hat. Er rollte die Scheine klein zusammen, schrieb die Summe – deutlich mehr als 500 Euro - auf einen Zettel und schloss alles in das Sparschwein zurück. 

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Später wollte der Mann aus der Region Freital ein Konto eröffnen und das Geld dort einzahlen. Doch als es soweit war, habe er eine Manipulation am Schloss festgestellt, im Sparschwein selbst waren nur noch 250 Euro und auch der Zettel fehlte. In der Familienrunde war sich niemand einer Schuld bewusst. Einige Monate später musste die Mutter des Schülers einen erheblichen finanziellen Verlust feststellen. Sie ist Kassenwartin eines Vereins. Die Geldkassette des Vereins bewahrt sie zu Hause in einem Schrank in ihrem Arbeitszimmer auf. Kurz vor der Jahresprüfung habe sie alles vorbereiten und das Geld in der Kasse ordnen wollen, damit das Zählen bei der Prüfung schneller gehen kann. Doch laut Kassenbuch fehlten knapp 4.000 Euro.

Die Eheleute installierten daraufhin eine kleine Kamera im Arbeitszimmer. Die hatte nun die Kassette im Blick. Bei der regelmäßigen Kontrolle des Videomaterials bestätigte sich der Verdacht der Geschädigten. Deutlich war zu erkennen, dass die Putzfrau zweimal die Schranktür öffnete und einmal suchend mit einem Arm durch ein Fach streifte.

Zwar war nicht zu sehen, dass sie Geld tatsächlich aus er Kasse nahm - aber das wäre auch unmöglich gewesen, denn den Schlüssel, der sich sonst im Schreibtisch befand, hatten die Eheleute vorsorglich ganz weggeräumt. Die Geschädigten zeigten die Putzfrau an.

Nun wurde der Reinigungskraft im Frühjahr ein Strafbefehl zugestellt. Doch den akzeptierte sie nicht. Vor dem Amtsgericht Dippoldiswalde kam es zum Prozess, bei dem  sie im Juli alles abstritt. Sie gab zwar zu, dass sie im Schrank nachgesehen habe, aber sie könne sich nicht mehr daran erinnern, was sie dort gewollt hätte. Sie hätte kein Geld entwendet, weder aus dem Sparschwein noch aus der Geldkassette. In all den Jahren sei ihr nie ein Vorwurf wegen Diebstahl gemacht worden – seit 1996 arbeite sie als Reinigungskraft. Ihr Mann verdiene genug und sie spiele regelmäßig im Lotto, da gewinne sie auch hin und wieder etwas. Vor Gericht konnte im Juli das Beweismaterial nicht angesehen werden, einerseits stand die Technik nicht bereit, andererseits war das Video nicht da. Das wurde nun am Montag nachgeholt. Dem Staatsanwalt schien das Verhalten der Deutschen auf dem Video verdächtig. Er beobachtet: „Die Angeklagte versucht äußerst vorsichtig und leise die Schranktür zu öffnen und blickt dabei zur Zimmertür.“ 

Die Verteidigerin der Reinigungskraft beschränkt schließlich den Einspruch gegen den Strafbefehl auf die Rechtsfolgen. Ihre Mandantin gebe nun zwar zu, dass sie Geld gestohlen habe, aber mit dem Strafmaß, laut Strafbefehl 100 Tagessätze á 30 Euro sei man nicht einverstanden. Die Angeklagte würde nur 700 Euro netto verdienen, ihr Ehemann solle nicht die Strafe der Frau abbezahlen.

Der Richter Christian Mansch würdigte in seinem Urteil schließlich das zwar späte Geständnis und auch, dass die 51-Jährige nicht vorbestraft sei. Doch hätte sie einen großen Vertrauensbruch begangen und einen nicht unbedeutenden Betrag gestohlen. Sie muss nun Schadensersatz leisten und nicht nur das. Das Gericht verurteilte die Angeklagte zu 90 Tagessätzen á 30 Euro. Das sind zwar nur 10 Tagessätze weniger als im Strafbefehl, aber die Reinigungsfrau bekommt keinen Eintrag in ihr Strafregister, das passiert erst ab 91 Tagessätzen. 

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