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Wie aus Wurzeln Schnaps wird

Bei Bombastus in Freital werden aus den Resten der Salbeipflanzen Wirkstoffe gewonnen, für die sich auch die sächsische Gesundheitsministerin interessiert.

Dorothea Lehmann und Manuel Günther zerkleinern die Salbeiwurzeln. Aus ihnen wird ein Auszug gewonnen, der verdauungsfördernd wirkt.
Dorothea Lehmann und Manuel Günther zerkleinern die Salbeiwurzeln. Aus ihnen wird ein Auszug gewonnen, der verdauungsfördernd wirkt. © Egbert Kamprath

Der Himmel strahlt blau über den Salbeifeldern bei Freital-Wurgwitz, doch die Männer und Frauen von Bombastus haben heute dafür keinen Blick. Sie stehen nebeneinander vor einer Reihe Hackstöcke. Jeder hat Arbeitshandschuhe an, ein Beil in den Händen und einen Berg Wurzeln direkt vor sich. "Bumm, bumm, bumm", klingt es unrhythmisch. Es staubt.

Nur alle paar Jahre werden bei Bombastus in Freital die Salbeipflanzen gerodet. Bis dahin lieferten sie zuverlässig jedes Jahr Blüten und Blätter für verschiedene Gesundheitsprodukte, so zum Beispiel Tees. Nun, am Ende ihres Lebenszyklus' werden auch aus den Wurzel noch wichtige Inhaltsstoffe gewonnen. 

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Deren wohltuende Wirkung für den Magen wurde bereits in den Dreißigerjahren von den damaligen Firmenbetreibern genutzt. Heute produziert Bombastus aus dem Wurzel-Auszug vor allem zwei Produkte: Arhama Salbei-Wurzeltrunk, ein 41-prozentiger Magenbitter, sowie Salvikör, der auch noch 24 Prozent Alkoholgehalt aufweist. "Man kann ihn gut als Aperitif genießen", wirbt Bombastus-Vertriebsleiter Wieland Prkno.

Die wohltuenden und heilenden Inhaltsstoffe stecken in den starken Hauptwurzeln. Sie müssen in Handarbeit vom Rest der Pflanze getrennt werden.
Die wohltuenden und heilenden Inhaltsstoffe stecken in den starken Hauptwurzeln. Sie müssen in Handarbeit vom Rest der Pflanze getrennt werden. © Egbert Kamprath
Petra Köpping (SPD), Sozialministerin von Sachsen, informierte sich im Werk über die Produktion. In diesen Steinguttöpfen werden die Salbeiwurzeln eingelegt.
Petra Köpping (SPD), Sozialministerin von Sachsen, informierte sich im Werk über die Produktion. In diesen Steinguttöpfen werden die Salbeiwurzeln eingelegt. © dpa-Zentralbild
Vorstand Joachim Günther zeigt die beiden Produkte, die aus den Salbeiwurzeln gewonnen werden: ein Magenbitter und ein Likör. 
Vorstand Joachim Günther zeigt die beiden Produkte, die aus den Salbeiwurzeln gewonnen werden: ein Magenbitter und ein Likör.  © Egbert Kamprath
So sieht der Salbei aus, wenn er Ende Mai/Anfang Juni blüht. Bombastus ist der weltweit einzige Betrieb, der Wurzeln, Blätter und Blüten der Pflanze verarbeitet.
So sieht der Salbei aus, wenn er Ende Mai/Anfang Juni blüht. Bombastus ist der weltweit einzige Betrieb, der Wurzeln, Blätter und Blüten der Pflanze verarbeitet. © Andreas Weihs

Wurzelernte ist Handarbeit

Was durchaus süffig klingt, hat inzwischen das Interesse der sächsischen Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) geweckt. Mitten in der Wurzelernte stattete die Politikerin am Montagvormittag Bombastus einen Besuch ab. Zunächst informierte sie sich über die Produktion verschiedener Produkte auf dem Firmengelände an der Wilsdruffer Straße. Dann ging es raus auf die Felder am Stadtrand. 

Die Salbeisaison ist längst vorüber, aber die Arbeit nicht beendet. Denn hier wartet noch das Wurzelwerk. Die Rodung erfolgt abschnittsweise, anschließend werden die Wurzeln händisch eingesammelt, grob gereinigt und getrocknet. So lassen sich später die Erdreste leichter abklopfen. Sind sie trocken, werden die Wurzeln mittels Beil zerlegt. Denn die Wirkstoffe sitzen in den stärksten Strängen. Per Hand werden sie anschließend ausgelesen und abgewaschen. Dann kommen sie in den Häcksler. 

Im letzten Schritt kommen die zerkleinerten Wurzelteile in riesige Steingutbottiche, wo sie in einem Alkohol-Wasser-Gemisch eingelegt werden. "Die Zusammensetzung ist ein Betriebsgeheimnis", sagt Joachim Günther vom Vorstand. 

Die Freitaler, so haben sie recherchiert, sind der weltweit einzige Betrieb, der die Salbeipflanze komplett nutzt, also von der Wurzel bis zur Blüte. Ende Mai/Anfang Juni werden zunächst die Blüten geerntet. Sie enthalten wichtige Wirkstoffe wie ätherische Öle. Diese werden extrahiert und zu Salben, Cremes, Zahnpasta, Essig, Bonbons oder Salbeiblütentrunk verarbeitet. Im Juli erfolgt die Ernte der Salbeiblätter für die hauseigene Teeproduktion. Und nun kommen die Wurzeln an die Reihe.

Salbei stärkt das Immunsystem

Das beeindruckte auch die Gesundheitsministerin: "Salbei wird eine immunstärkende Wirkung zugeschrieben. Er ist damit also ein gutes Naturheilmittel, um die eigenen Abwehrkräfte für die bevorstehende Erkältungszeit zu unterstützen. Gerade in Zeiten von Grippe und Covid-19 sollten wir alle präventiven Möglichkeiten nutzen, die uns zur Verfügung stehen." Außerdem komme die Rückbesinnung auf Naturheilmittel, die vor der eigenen Haustür wachsen, auch der Umwelt zugute. 

Bombastus ist in der Vermarkung allerdings konsequent. Das Unternehmen meidet große Handelsketten. Die Produkte werden ausschließlich in Apotheken, im eigenen Fabrikverkauf und über den eigenen Onlineshop vertrieben. 

In Zeiten von Corona steigt die Nachfrage

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie ist die Nachfrage spürbar gestiegen. Vor allem alles, was Erkältungen vorbeugt oder lindert, wird nachgefragt. Ebenso stieg der Absatz von Mundsprays sprunghaft an. Das Spray enthält unter anderem Extrakte von Gewürznelke sowie Melissen- und Salbeiöl, deren Inhaltsstoffen antibakterielle und antivirale Eigenschaften zugeschrieben werden. 

2019 wurden davon 19.000 Flaschen verkauft, bis September 2020 waren es schon 38.000 Stück. "Wir hatten teilweise Lieferengpässe, weil uns die Dosierkappen für die Fläschchen ausgegangen waren", gesteht Wieland Prkno. 

Für die nächste Herbst-Winter-Saison fühlt man sich bei Bombastus aber gut gerüstet. 14,5 Tonnen Salbeitee wurden dieses Jahr geerntet und damit 1,5 Tonnen mehr als 2019. „Auch mit der Qualität sind wir zufrieden – die Sonne hat den Blättern sehr gute Ölwerte beschert", sagt Joachim Günther.

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Über die Qualität der Wurzeln kann er noch nicht viel sagen. Das Ergebnis steht erst in einigen Wochen fest - so lange braucht es, um den Auszug herzustellen.

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