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Abi im Corona-Jahr

Von Home-Schooling, bangen um den Abiball und Prüfungsangst: Drei Schüler aus Freital und Tharandt berichten, wie es sich anfühlt 2021 Abi zu machen.

Marika Theurich, Christoph Baitis und Johanna Geisler (v.l.) haben das Abitur bestanden und freuen sich auf ihren neuen Lebensabschnitt.
Marika Theurich, Christoph Baitis und Johanna Geisler (v.l.) haben das Abitur bestanden und freuen sich auf ihren neuen Lebensabschnitt. © Bildstelle/Egbert Kamprath/Angelina Sortino

Das letzte Schuljahr ist auch ohne Pandemie für alle Schüler anders, als alle anderen. Es gilt Abiprüfungen zu schreiben und Entscheidungen über die eigene Zukunft zu treffen. Doch was, wenn zusätzlich auch noch die Corona-Pandemie das Leben aller durcheinander wirft? Bleibt da überhaupt Zeit, sich Gedanken um die eigene Zukunft zu machen? Kann man sich im Home-Schooling ordentlich auf die Prüfungen vorbereiten? Wie groß ist die Angst sich bei den Mitschülern anzustecken? Drei Abiturienten erzählen, wie sie das vergangene Jahr erlebt haben.

Christoph Baitis: "Diese Ungewissheit hat echt geschlaucht"

Mit diesem Schnitt stehen Christoph Baitis alle Türen offen. Der 18-Jährige ist einer von drei Schülern des Evangelischen Gymnasiums Tharandt, die ihr Abitur mit 1,0 bestanden haben. Doch auch Einserschüler Christoph hat vor der Abschlussprüfung Respekt. "Alle sagen immer, dass es die eine Prüfung ist. Natürlich habe ich mir da dann auch Gedanken gemacht", sagt er. Außerdem leide er unter leichter Prüfungsangst.

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Vor den Abi-Klausuren hätte Christoph sich mehr Klarheit vom Kultusministerium gewünscht. "Wegen der Corona-Pandemie haben die einige Themen ausgewählt, die kein Prüfungsschwerpunkt sein sollten. Aber was das heißt, wurde nicht konkretisiert." Das habe ihn verunsichert. "Ich wusste nicht, ob ich jetzt davon ausgehen kann, dass die Themen nicht drankommen. Diese Ungewissheit hat echt geschlaucht."

Christoph Baitis brennt für Informatik. Während der Schulzeit ist er lange stellvertretender AG-Leiter des Schülerrechenzentrums der TU Dresden und gewann eine Forschungsreise in die Schweiz. "Das war kurz vor dem ersten Lockdown. Da war ich auf der Lernortlabor-Tagung in Dresden." Die Reise kann wegen Corona nicht stattfinden. "Ich hatte auf der Tagung auch viele Kontakte geknüpft. Die brachen mit dem Lockdown weg", sagt der Freitaler. Noch heute merkt man dem 18-Jährigen die Enttäuschung darüber an.

Christoph Baitis will an der TU Dresden studieren.
Christoph Baitis will an der TU Dresden studieren. © Egbert Kamprath

Doch Christoph engagiert sich nicht nur an der Uni. "Ich habe gemeinsam mit einem Freund einen Discord-Server eröffnet, wo man sich außerhalb des offiziellen Home-Schoolings absprechen und austauschen konnte." Discord ist ein freies Kommunikationsprogramm, mit dem man sich in virtuellen Räumen treffen und austauschen kann. Außerdem versucht er gemeinsam mit anderen Mitschülern einen Abiball zu organisieren. "Dabei gab es eine Menge Unklarheiten und Probleme, weil die Regeln in jedem Landkreis verschieden waren und nicht alle Schüler aus dem selben sind." Doch das Komitee meistert die Herausforderung und der Abiball kann stattfinden.

Aufgrund seiner Passion ist für Christoph schon lange klar, dass er Informatik in Dresden studieren will. Der Studiengang ist nicht Zulassungsbeschränkt. Seinen 1,0 Schnitt hätte er also gar nicht gebraucht. Obwohl er nicht weit des eigenen Elternhauses studieren wird, will der 18-Jährige bald ausziehen. Seine Begründung: "Ich möchte selbständig sein."

Johanna Geisler: "Es war schwer sich zu motivieren"

Dass sie mal eine Decke mit in die Schule bringen würde, damit hat Johanna Geisler vor der Corona-Pandemie nicht gerechnet. Doch als auch bei Winterkälte die Fenster der Klassenzimmer des Tharandter Gymnasiums dauerhaft offen bleiben müssen, da reicht ihr die dicke Jacke einfach nicht mehr, um sich warmzuhalten. Angst sich bei den Mitschülern anzustecken hat die 20-Jährige während der Pandemie jedoch nicht. "Wir wurden ja zweimal die Woche getestet", sagt die Freitalerin.

Das Lernen im Lockdown fällt Johanna eher schwer. "Vor allem im zweiten Lockdown hatte ich Probleme. Da waren ja die Ferien zwischendrin und danach zu Hause wieder reinzukommen hat bestimmt eine Woche gedauert." Außerdem sei es ihr zu Hause schwergefallen, sich zu motivieren. "Wenn ich nach acht bis zehn Stunden aus der Schule nach Hause komme, dann weiß ich, dass ich mich gleich im Anschluss hinsetzen und lernen muss." Dazu habe sie sich immer zwingen können. Zu Hause hatte sie hingegen Probleme genug zu lernen.

Abiturientin Johanna Geisler möchte erstmal eine Ausbildung machen.
Abiturientin Johanna Geisler möchte erstmal eine Ausbildung machen. © Egbert Kamprath

Außerdem hadert die 20-Jährige mit der Entscheidung nicht mehr Fächer in der Nachbeschulung ausgewählt zu haben. Weil während des Lockdowns nur die Prüfungsfächer unterrichtet worden sind, müssen die Abiturienten dieses Jahr auch nach den Prüfungen nochmal in die Schule kommen. "Ich hatte noch Kunst, Reli und Sport. Also Fächer, in denen man eher gute Noten bekommt", sagt sie. "Heute denke ich, dass ich lieber noch mehr Fächer hätte wählen sollen. Die schlechteren Noten kann man dann nämlich streichen lassen." Mit ihrem Durchschnitt von 1,7 ist sie dennoch zufrieden, besonders mit der Bio-Note.

Vor dem Deutsch-Abi hatte Johanna den größten Respekt. "Ich habe eine Lese-Rechtschreib-Schwäche und bekomme einen Nachteilsausgleich. Allerdings hat der mir nicht besonders viel gebracht."

Im Herbst möchte sie gerne eine Ausbildung zur Anästhesietechnischen Assistentin beginnen. "Ich weiß schon seit meiner Kindheit, dass ich mal Medizin studieren will, aber davor will ich erstmal praktische Erfahrung sammeln." Sollte es mit der Ausbildung nicht klappen, hofft Johanna Geisler auf eine FJS-Stelle in einem Krankenhaus.

Marika Theurich: "Zwischenzeitlich war ich schon einsam"

Bei all den Nachrichten rund um Probleme mit Lernsax, fehlenden Laptops und ständige Änderungen überrascht Marika Theurichs Einschätzung ein wenig. "Meine Schule hat das mit dem Home-Schooling wirklich sehr gut organisiert", findet die 19-Jährige. Sie hat vor Kurzem ihr Fachabitur an der Sabel Fachoberschule in Freital bestanden. Für kleinere technische Probleme beim Online-Unterricht hat sie Verständnis. "Ich hätte in der Situation echt nicht mit den Lehrern tauschen wollen. Mit dem Computer bin ich nämlich auch nicht so fit", sagt sie.

Das Home-Schooling habe ihr deshalb auch nicht besonders gelegen. "Es war schwer sich zu motivieren. Zwischenzeitlich war ich schon ganz schön einsam." Die meisten von Marika Theurichs Mitschülern leben nämlich eher in Richtung Dresden.

Die junge Frau aus Oberschöna hat sich für die letzten zwei Jahre ihrer Schullaufbahn trotz des weiten Anfahrtsweges die Sabel Schule in Freital ausgesucht, weil sie ihre Abiturprüfung in Kunst ablegen wollte. "Das war wirklich die beste Entscheidung, die ich nach der zehnten hätte treffen können." Im ersten Jahr an der Schule muss sie ein Praktikum absolvieren, für das sie immer wieder im Freiberger Theater arbeitet. "Das ist super, damit man sich beruflich orientieren kann."

Für Marika Theurich geht es nach dem Abitur ans Theater nach Chemnitz. 19 Ja
Für Marika Theurich geht es nach dem Abitur ans Theater nach Chemnitz. 19 Ja © Angelina Sortino

Doch Corona berieten ihr und den Mitschülern bei den Praktika Probleme. "Gerade gegen Ende des zweiten Halbjahres konnte ich nicht mehr ins Theater kommen. Allerdings habe ich dann ein Projekt für zu Hause erhalten."

Nun, nach dem Abi, bleibt sie der Kultur erstmal treu. "Ich mache meinen Bundesfreiwilligendienst am Theater in Chemnitz." Eigentlich möchte Marika aber lieber auf anstatt hinter die Bühne. "Ich wollte an eine Schauspielschule. Allerdings ist es sehr schwer da angenommen zu werden."

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Durch Corona hätten viele Vorsprechen online stattgefunden. "Das Sprechen in eine Kamera liegt mir weniger", sagt Marika. Deshalb habe es bisher noch an keiner Schule geklappt. "Nun lerne ich eben erstmal die Berufe hinter der Bühne kennen. Vielleicht ist da ja auch was für mich dabei. Ansonsten bewerbe ich mich nächstes Jahr einfach nochmal", sagt die 19-Jährige.

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