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Die unruhige Silvesternacht der Freitaler Polizei

Nach stillem Beginn wird die Schicht für die Beamten zwischen Tharandter Wald und Altenberg bei einer Verfolgungsjagd doch noch turbulent.

Von Gabriele Fleischer
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Polizeioberkommissar Wiebcke
nimmt bei einem jungen Mann auf der Poisentalstraße die Probe für einen Drogenschnelltest. Das Ergebnis ist negativ.
Polizeioberkommissar Wiebcke nimmt bei einem jungen Mann auf der Poisentalstraße die Probe für einen Drogenschnelltest. Das Ergebnis ist negativ. © Marko Förster

Es sieht zunächst nach einer ruhigen Silvesternacht im Polizeirevier Freital-Dippoldiswalde aus. Bevor es losgeht, gibt es die Lagebesprechung 18 Uhr. Dienstgruppenführer Falk Stephan zählt dabei auf, was im Protokoll der letzten Schicht steht: Unfälle mit Blechschäden, ein Kunde an der Aral-Tankstelle ohne Mund- und Nasenbedeckung, eine Zündelei und eine Frau, die sich beim Gassigehen mit ihrem Hund bedroht fühlte.

"Achtet auf größere Ansammlungen, das Böllerverbot im öffentlichen Raum und habt einen Blick auf den Neumarkt", gibt der Schicht-Chef seinen Kollegen mit auf den Weg. Sächsische.de wird einige von ihnen in den nächsten Stunden begleiten.

Polizeiobermeisterin Jurk hat in der Silvesternacht im Freitaler Polizeirevier Innendienst. Als Wachhabende nimmt sie Anrufe entgegen und koordiniert die Einsätze der Streifenwagen.
Polizeiobermeisterin Jurk hat in der Silvesternacht im Freitaler Polizeirevier Innendienst. Als Wachhabende nimmt sie Anrufe entgegen und koordiniert die Einsätze der Streifenwagen. © Marko Förster

Mit Stephan sind zwölf weitere Polizisten bis zum Neujahrstag, 6 Uhr, unterwegs. Ab 20 Uhr kommen vier zur Unterstützung dazu. Ein Zug der Bereitschaftspolizei ist zusätzlich dem Landkreis zugeteilt und kann bei Bedarf angefordert werden.

Wachhabende koordiniert im Revier

765 Quadratkilometer groß ist das Gebiet zwischen Geising, Altenberg und Tharandter Wald, das in den nächsten zwölf Stunden die Aufmerksamkeit der Beamten verlangt. Die Uniformen sitzen, die Ausrüstung vom Pfefferspray über Schlagstock, Handfessel, Taschenlampe und Dienstwaffe sind an der Frau oder am Mann.

Polizeiobermeisterin Jurk nimmt als Wachhabende im Innendienst Anrufe entgegen und schickt dort, wo es brenzlig werden könnte, Kollegen zur Kontrolle hin. Ein älterer Mann aus Dresden-West wird seit 13 Uhr vermisst. Die Beamten werden besonders darauf achten, ob sie irgendwo eine hilflose Person sehen.

Die ersten Streifenwagen setzen sich in Bewegung. "Wir fangen mit einer Verkehrskontrolle in Tharandt an der Roßmäßlerstraße an", sagt der 41-jährige Dienstgruppenführer.

Polizeimeisterin Lindner hält die leuchtende Kelle in den dunklen Nachthimmel und lässt ein Auto rechts heranfahren. "Allgemeine Verkehrskontrolle. Bitte zeigen Sie Führerschein und Fahrzeugpapiere."

Polizeikontrolle in der Silvesternacht in Tharandt. Polizeimeisterin Lindner, Dienstgruppenführer Falk Stephan (M.) und Polizeioberkommissar Wiebcke schauen sich die Fahrzeugpapiere an.
Polizeikontrolle in der Silvesternacht in Tharandt. Polizeimeisterin Lindner, Dienstgruppenführer Falk Stephan (M.) und Polizeioberkommissar Wiebcke schauen sich die Fahrzeugpapiere an. © Marko Förster

Die Frau am Steuer ist aufgeregt. Sie hat ihre Papiere vergessen. "Ich wollte nur schnell meine Mutter nach Hause fahren", sagt sie verzweifelt. Die Beamten beruhigen und fragen die Personalien ab. Die wachhabende Kollegin im Innendienst prüft die Angaben und kann sie schließlich bestätigen. "Denken Sie das nächste Mal daran", sagt die Polizeimeisterin und belässt es bei einer mündlichen Verwarnung.

Ein Radfahrer muss zahlen

Es wird ruhiger. "Wir setzen um", sagt Stephan. An der Poisentalstraße ist etwas mehr los. Ein Radfahrer, der ohne Licht und auf der falschen Seite den Beamten entgegenradelt, wird gleich vor Ort zur Kasse gebeten. Keine Diskussion. Die 20 Euro Verwarngeld zahlt er sofort.

Ein Anwohner kommt, um sich bei den Polizisten für ihre Kontrollen zu bedanken und verschwindet wieder zur Party auf seinem Grundstück.

Gegen 19.30 Uhr der erste Drogen-Schnelltest mit Speichelprobe. Vor drei, vier Jahren hätte er mal konsumiert, jetzt nicht mehr, sagt der 19-Jährige hinterm Steuer. Einem Test stimmt er zu. Dass der negativ ausfällt, daran hat er keinen Zweifel. Er sei als leidenschaftlicher Eishockeyspieler bei den Crashers in Chemnitz clean. Die Beamten bestätigen das und wünschen einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Drogenschnelltests haben die Polizeibeamten bei ihren Kontrollen in der Silvesternacht in und um Freital einige mit.
Drogenschnelltests haben die Polizeibeamten bei ihren Kontrollen in der Silvesternacht in und um Freital einige mit. © Archiv/Marko Förster (Symbolfoto)

Dass aber auch in dieser Nacht einige unter Einfluss von Drogen unterwegs sind, da ist sich Polizeihauptkommissar Stephan sicher. Er wird recht behalten, wie sich später herausstellt. Cannabis und Chrystal seien hier in der Region die Drogen, die am meisten konsumiert werden, sagt der Dienstgruppenführer, der manches Mal auch spezielle Verkehrskontrollen mit Drogenspürhunden begleitet.

Mit Hitler-Bart zur Mottoparty

Es folgen weitere Tests. Alle negativ. Als sie das nächste Auto zum Stoppen bringen, sind Polizeimeisterin Lindner und ihr Kollege Polizeioberkommissar Wiebcke überrascht, als sie hineinschauen. Während der Fahrer mit einem Hitler-Bart seine Gesinnung offen zur Schau trägt, ist der Beifahrer als Scheich verkleidet.

Zu einer Mottoparty soll es wohl gehen. Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen finden die Beamten nicht. Als sie die Personalien überprüfen lassen, wird klar, dass der Fahrer einschlägig wegen Drogendelikten bekannt ist. Nachweisen können ihm die Streifenpolizisten an diesem Abend nichts.

Ein junger Mann, der mit dem Dienstauto der Eltern unterwegs ist, wird nervös, als ihn die Beamten nach dem Erste-Hilfe-Kasten und der Warnweste fragen. Eine Weste findet er nicht. Die Polizisten drücken ein Auge zu und sehen von 15 Euro Verwarngeld ab, fordern ihn aber auf, schnellstens bei der Autoausrüstung nachzubessern.

Ein Fahrer schrammt knapp an Strafe vorbei

Dann wird ein Herr im mittleren Alter angehalten. Es riecht verdächtig nach Alkohol. Ein Bier hätte er vor einer halben Stunde zum Abendbrot getrunken, sagt er. Einem Atemalkoholtest stimmt er zu. Er pustet kräftig ins Röhrchen. 0,2 Milligramm pro Liter. Das sind 0,4 Promille.

"Das ist sehr hoch", sagt Polizeimeisterin Lindner. Bei 0,25 Milligramm pro Liter, also 0,5 Promille, drohen 500 Euro Bußgeld, zwei Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot. Selbst wenn man weniger intus hat, aber Unfälle verursacht, kann es teuer werden.

"Halt Polizei": Polizeimeisterin Lindner hält an der Poisentalstraße in Freital die Kelle hoch, um Autos anzuhalten. Kontrolliert werden Fahrzeugpapiere, Autoausstattung, bei Verdacht aber auch der Konsum von Alkohol und Drogen und, ob verbotene Dinge im
"Halt Polizei": Polizeimeisterin Lindner hält an der Poisentalstraße in Freital die Kelle hoch, um Autos anzuhalten. Kontrolliert werden Fahrzeugpapiere, Autoausstattung, bei Verdacht aber auch der Konsum von Alkohol und Drogen und, ob verbotene Dinge im © Marko Förster

"Das müssen wir in ein paar Minuten nochmal überprüfen", sagt Diensthabender Stephan und lässt die Polizeimeisterin einen neuen Test holen. "Da gab es wohl noch einen Schnaps dazu", so Stephan zu dem Mann. Der Ertappte verneint. Allerdings hätte er nachmittags schon ein Bier getrunken, gibt er dann doch zu.

Er soll vorsichtig nach Hause fahren, geben ihm die Polizisten noch mit auf den Weg und schicken ihn in die Nacht.