merken
PLUS Freital

Nachfolger für Rabenauer Mühle gesucht

Die Immobilie ist eine gut gehendes Hotel mit Restaurant. Warum die Betreiber trotzdem ans Aufhören denken.

Zum Hotel-Restaurant "Rabenauer Mühle" gehören die Wandergaststätte und ein Freizeitgebäude.
Zum Hotel-Restaurant "Rabenauer Mühle" gehören die Wandergaststätte und ein Freizeitgebäude. © Egbert Kamprath

Wohlig warm ist es im Gastraum der Rabenauer Mühle, das Licht ist angenehm gedimmt, der Duft von Kaffee und frischen Brötchen liegt in der Luft. Annett Schumann kümmert sich an diesem Herbstmorgen noch um die letzten Frühstücksgäste, während ihr Mann Frank schon mit dem Tagesgeschäft weitermacht. Parallel zum Hotelbetrieb findet eine Tagung statt. Doch bis das Mittagessen vorbereitet werden muss, bleibt dem Ehepaar noch etwas Zeit, um selbst mal kurz einen Kaffee zu trinken.

Familie Schumann gehört die Rabenauer Mühle nun schon seit fast 30 Jahren. In der langen Geschichte des Hauses gab es bisher noch keinen, der länger dabeigeblieben wäre, berichtet das Ehepaar nicht ohne Stolz. Doch in naher Zukunft wird wohl damit Schluss sein, denn die Schumanns denken ans Aufhören und sind dringend auf der Suche nach einem Nachfolger. "Wir sind jetzt über 60 und nähern uns dem Rentenalter", sagt Frank Schumann.

njumii – Das Bildungszentrum des Handwerks
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.

njumii ist der Ausgangsort für individuelle Karrieren. Im Handwerk. Im Betrieb. Im Mittelstand. In der Selbstständigkeit.

Schon seit ein paar Jahren haben sie deshalb immer mal wieder Annoncen auf verschiedenen Portalen geschaltet. Doch die Resonanz war bisher eher verhalten, sagt Annett Schumann. Die eigenen Kinder werden aller Voraussicht nach nicht in ihre Fußstapfen treten. Die Tochter lebt mit ihrer Familie in München. Ihr Sohn Bert arbeitet zwar seit 2014 mit im Unternehmen und möchte die Wandergaststätte, für die er zuständig ist, in den nächsten Jahren weiterführen, aber das gesamte Objekt ist einfach zu viel. "Wir wünschen uns jemanden, der das weiterführt, was wir aufgebaut haben", sind sich die Schumanns einig. Denn in den bald drei Jahrzehnten, die sie die Mühle besitzen, haben sie nicht nur viel Geld, sondern vor allem auch viel Herzblut investiert.

Vom baufälligen Gebäude zum erfolgreichen Hotel

Neben dem Hauptgebäude gehören heute die Wandergaststätte, ein Seitengebäude sowie ein Freizeithaus mit Bowlingbahn und Wellnessbereich zur Anlage. Doch das war nicht immer so. 1986, als Frank Schumann als Gaststättenleiter und Küchenchef in der Rabenauer Mühle anfing, war "das hier noch eine ganz einfache Ausflugsgaststätte", erinnert sich der 63-Jährige. Das änderte sich 1990, als das Ehepaar die baufällige Immobilie von der Stadt Rabenau pachtete und zum Hotel mit neun Zimmern ausbaute. Im Oktober 1992 haben Frank und Annett Schumann die Mühle schließlich gekauft und Restaurant samt Küche ausgebaut. In den folgenden Jahren vergrößerten sie den Betrieb immer weiter und die Geschäfte gingen gut. "An den Wochenenden hatten wir viele Feiern und unter der Woche viele Geschäftsleute zum Übernachten", schildert Annett Schumann die Zeit um die Jahrtausendwende. "Wir haben viel Energie reingesteckt, rund um die Uhr gearbeitet, und dann kam das Hochwasser." Fast alles wurde dabei zerstört, berichtet das Ehepaar. Und der anschließende Wiederaufbau habe viel Kraft gekostet.

Doch nicht nur das, auch die anhaltende hohe Arbeitsbelastung über die Jahre hinweg verlange ihren Tribut. "Wir sind ausgepowert", sagt Annett Schumann. Auch kommen die ersten körperlichen Zipperlein, wo es hier mal zwickt und da mal zwickt. "Während Corona hatten wir sieben Monate zu. Wir waren trotzdem jeden Tag arbeiten, aber weniger. Und da haben wir gemerkt, was leben bedeutet", schildert die 62-Jährige. Vor allem wünschen sie sich mehr Zeit für die Enkelkinder.

Im Falle, dass sich bis zum Renteneintritt niemand gefunden hat, der den Familienbetrieb weiterführt, kommt für die Schumanns auch ein Verkauf in Betracht. Um schon einmal die Fühler auszustrecken, haben sie die Mühle auf der Plattform Immoscout 24 zum Kauf angeboten, gewissermaßen als Testballon. Zwar haben sich daraufhin auch Interessenten für das Millionenobjekt gemeldet, darunter aber vor allem Investoren, denen es nicht darum ging, die Rabenauer Mühle im Sinne der Familie Schumann weiterzubetreiben. "Es war nichts Ernsthaftes dabei", sagt der 63-Jährige.

Weiterführende Artikel

Osterzgebirge: Biergartensaison startet mit Freibier

Osterzgebirge: Biergartensaison startet mit Freibier

Die Außengastronomie darf ab Mittwoch wieder öffnen. Viele Wirte von Freital bis Altenberg nutzen die Chance.

Obwohl sie viele in ihrer Branche kennen, die vor dem gleichen Problem stehen, hofft das Ehepaar dennoch, dass sich noch ein Nachfolger findet, der die Rabenauer Mühle weiter als Hotel, Restaurant und Einkehr für Tagesausflügler betreibt. "Wir werden sehen, manchmal hat man ja Glück", sagt Frank Schumann.

Mehr zum Thema Freital