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Neues Rätsel um Possendorfer Taufsteinbild

Wer war J.G.S.? Oder wer war J.G.L? Die Initialen auf dem Rand des alten Taufsteinbildes aus der Possendorfer Kirche bleiben geheimnisvoll.

Am oberen Rand des Possendorfer Taufsteinbildes sind Initialen, welche erneut ein Rätselraten auslösen.
Am oberen Rand des Possendorfer Taufsteinbildes sind Initialen, welche erneut ein Rätselraten auslösen. © Marion Doering

Das Buchstabenrätsel auf dem Possendorfer Taufsteinbild geht in die nächste Runde. Zwei der drei Buchstaben auf dem Rand des Bildes "Taufe Jesu im Jordan" konnten entziffert werden. Es handelt sich um ein J und ein G. "Doch ist der dritte Buchstabe ein L oder ein S?", fragt der Possendorfer Kirchenvorsteher Peter Behrendt.

Die Initialen mit einem L würden keinen Sinn ergeben, erklärt Behrendt: "Nur unter den Buchstaben J, G und S finden wir Einträge in unseren Kirchenbüchern." So gab es im 18. Jahrhundert einen Johann George Scherber, welcher als Kaufmann in Quohren lebte. 1773 war dessen Frau verstorben und für ihr Begräbnis überließ der Kaufmann eine Spende an die Kirchgemeinde in Höhe von 70 Reichstalern. "Das war damals ein Vermögen. Normal waren zu dieser Zeit Spenden in Höhe von Pfennigbeträgen", sagt Peter Behrendt.

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Was hat die Spende mit dem Bild zu tun?

Aus dem selben Jahr 1773 liegt der Kirchgemeinde eine Rechnung über die Kosten für den hölzernen Rahmen des alten Taufsteinbildes vor. Allerdings betrugen diese Kosten nur 3 Taler und 16 Groschen. Was mit dem Rest der Spende des Kauffmanns passierte bleibt noch im Verborgenen.

"Wir rätseln somit weiter", sagt Peter Behrendt. Unter den Initialen J, G, L hätte es keinerlei Übereinstimmungen in den alten Kirchenunterlagen, den Tauf-Büchern, Sterbeeinträgen und Rechnungen gegeben, sagt er. "Im Moment sind wir an einem Punkt angekommen an dem es nicht weitergeht", stellt Behrendt fest.

Auch die Restauratorin Anke Stenzel, die das Taufsteinbild aus Possendorf seit dem letzten Jahr fachmännisch instandsetzt, hat bisher keine neuen Erkenntnisse zur Geschichte des Gemäldes gewonnen.

Was ist bisher über das Bild bekannt?

Bisher ist davon ausgegangen worden, dass das Ölgemälde vermutlich aus dem Jahr 1656 stammt. Eine Inschrift auf der Rückseite des Kunstwerks hatte diese Jahreszahl offenbart. Zuvor hatte nur ein Zettel auf der Rückseite mit 1773 auf die Entstehung hingewiesen.

Auf der hölzernen Rückwand steht - nur noch schwer lesbar, und dennoch in einer schönen Handschrift - unter anderem "1656, May". Peter Behrendt vermutet, dass das Bild vom damaligen kurfürstlich-sächsischen Hof-Maler Joachim Friedrich Schreyvogel, gemalt wurde. Dieser lebte von 1616 bis 1684. Das würde zu der Jahreszahl auf dem Bild passen. Zudem sei er, mündlichen Überlieferungen zufolge, im selben Jahr, in dem das Bild der Kirche gespendet wurde, persönlich zu einer Taufe erschienen, erklärt der Kirchenvorsteher. Schreyvogel habe auch für die Kirche in Maxen im benachbarten Landkreis Sächsische Schweiz, nahe Possendorf, gemalt.

Bis dahin war davon ausgegangen worden, dass das Taufgemälde 1773 von Adam Wenßeln aus Kleinkarsdorf geschaffen wurde.

Das Gemälde zeigt die Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer. Wie in der Bibel berichtet wird, kommt eine Taube aus dem Himmel herabgeschwebt. Jesus trägt nur einen Lendenschurz. Das durch die Wolken brechende Licht strahlt auf das Kreuz, welches Johannes in der Hand hält.

Die Kosten für die Restaurierung des Bildes waren mit rund 8.000 Euro kalkuliert - liegen aber nun bereits bei reichlich 10.000 Euro.

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Das Bild wird voraussichtlich im März zurück in die Possendorfer Kirche kommen und nur zu Taufen wieder ausgestellt. Früher lag es zwischen dem Taufsteindeckel und dem Becken als Abdeckung. Nach mehreren Einbrüchen in die Kirche wird es nach seiner Rückkehr an einem sicheren Ort verwahrt werden.

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