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Der lange Weg zum stillen Örtchen

Nachdem der Bau einer öffentlichen Toilette am Freitaler Neumarkt gescheitert ist, gibt es eine neue Idee. Die Umsetzung könnte aber noch dauern.

Freital braucht dringend ein öffentliches WC am Neumarkt. Nun kommt Bewegung in die Sache.
Freital braucht dringend ein öffentliches WC am Neumarkt. Nun kommt Bewegung in die Sache. © Dietmar Thomas

Der sonnig-warme Spätsommer hat nochmals etliche Freitaler vor die Tür gelockt. Auch rund um den Neumarkt sind die Menschen unterwegs. Senioren sitzen auf den Bänken, am Matschplatz spielen Kinder und am Weißeritzufer haben einige Schüler ihren Spaß. Seit der schrittweisen Umgestaltung ist das gesamte Gebiet wieder ein Anlaufpunkt geworden. Allerdings eines mit einem dringenden Problem: Es gibt hier keinerlei öffentliche Toiletten. Zumindest keine, die allzeit geöffnet ist.

Freital hat ein Problem mit seinen stillen Örtchen. Die 40.000 Einwohnerstadt verfügt gerade einmal über zwei solcher Punkte. Eine Toilette befindet sich am Busbahnhof in Deuben - und damit nur gut fünf Minuten Fußweg vom Neumarkt entfernt. Doch sie ist nur montags bis freitags von 6 bis 18 Uhr zugänglich. Das zweite Klo im Bahnhof Freital-Hainsberg ist während der Öffnungszeiten des Fahrkartenschalters der Weißeritztalbahn zugänglich, also an allen sieben Wochentagen. Allerdings wird es von Montag bis Freitag nur von 8.30 bis 16 Uhr und an Wochenenden nur bis 15 Uhr aufgeschlossen.

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Alternativ haben einige Einrichtungen Toiletten, die von Passanten durchaus genutzt werden dürfen. So in der Bibliothek im City Center oder im Technologie- und Gründerzentrum - beides nur einen Steinwurf vom Neumarkt entfernt, aber eben auch nur an den Wochentagen geöffnet. 

Toiletten-Projekt scheiterte an den Kosten

Immer wieder diskutierten die Stadträte deshalb über mehr öffentliche Toiletten. Vor allem die Seniorenbeauftragte Heidrun Weigel (CDU) nahm sich des Themas an und schlug die Initiative "Nette Toilette" vor. Die Idee: Geschäfte und Unternehmen könnten doch anbieten, dass man bei ihnen im Notfall mal austreten darf.

Doch generell, da waren sich die Stadträte einig, braucht es ein Klo im Bereich des Neumarktes. Selbiges ergab auch eine Studie, die von der Stadt in Auftrag gegeben wurde. Denn der Neumarkt wurde gerade erst so umgebaut, dass dort in Zukunft wieder mehr Märkte, Feste, Treffen und Kulturveranstaltungen stattfinden können. Diese Nutzungsänderung, heißt es in der Studie, führe zu seinem höheren Bedarf für ein öffentliches WC. Oberbürgermeister Uwe Rumberg hielt sich allerdings zurück. Er betonte mehrmals, ein solches Klo würde doch nur wieder Vandalen anlocken.

Das Toilettenbauprojekt scheiterte dann allerdings im Dezember 2019 an den Stadträten. Die hatten es abgelehnt, hinter dem Neumarkt ein Häuschen mit einer einzigen Zelle für Männlein, Weiblein und Menschen mit Behinderung zu errichten. Vor allem ging es dabei um die Kosten. 145.000 Euro waren für das Edel-Klo veranschlagt. Für so viel Geld, so die Stadträte, sollte doch mehr drin sein als eine Einzelzelle.     

Neuer Anlauf und ein Angebot

Einer, dem der Stadtratsbeschluss durchaus entgegenkam, ist Henryk Eismann. Er ist der Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Freital. Das städtische Unternehmen plant in Sichtweite des Neumarktes, an der Leßkestraße, einen Neubau. In dem Gebäudekomplex, der auf dem Gelände des ehemaligen Prüfgerätewerkes Medingen errichtet werden soll, sollen etwa 40 Wohnungen und dazu Gewerbe- und Ladenflächen entstehen. Die Pläne dafür sind fast fertig und werden Anfang November im Aufsichtsrat diskutiert. Davon abgesehen, sagt Eismann, passe ein einzeln stehendes Toilettenhäuschen nicht in das Umfeld zwischen Neumarkt und dem Neubauprojekt.

Auf dieser Wiese zwischen Neumarkt und Leßkestraße soll ein Wohn- und Geschäftsfhaus entstehen - mit öffentlicher Toilette, wenn die Stadt möchte.
Auf dieser Wiese zwischen Neumarkt und Leßkestraße soll ein Wohn- und Geschäftsfhaus entstehen - mit öffentlicher Toilette, wenn die Stadt möchte. © Egbert Kamprath

Stattdessen gibt es nun eine neue Idee. "Wir bieten an, die öffentliche Toilette in unseren Neubau zu integrieren", sagt der WGF-Geschäftsführer. In Dresden gebe es das nahe dem Kulturpalast, wo in der Galeriestraße ebenfalls ein öffentliches Klo in einem Wohn- und Geschäftshaus eingerichtet wurde. Das sei nicht nur kostengünstiger, sondern habe noch einen weiteren Vorteil: In einem belebten Gebäude dürfte sich der Vandalismus in Grenzen halten.  

Allerdings wird die Toilette nicht so schnell kommen. Werden die Baupläne für das Wohn- und Geschäftshaus an der Leßkestraße vom WGF-Aufsichtsrat beschlossen, können frühestens im Frühjahr 2021 die Arbeiten beginnen. Die Bauzeit dürfte bei knapp zwei Jahren liegen. Läuft alles wie am Schnürchen, steht die Toilette 2023 zur Verfügung. 

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