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Weniger Verkehrsunfälle in Freital

Der zweimalige Lockdown hatte eine positive Wirkung auf die Unfallzahlen. Doch es kamen mehr Menschen zu Schaden. Und es gibt noch ein anderes Problem.

Ein Unfall von insgesamt 654 in Freital im vergangenen Jahr: Ein Auto raste ins Eiscafé Fischer.
Ein Unfall von insgesamt 654 in Freital im vergangenen Jahr: Ein Auto raste ins Eiscafé Fischer. © Roland Halkasch

Dieser Unfall wirkte nur von Weitem komisch: Am 10. November 2020, einem sonnigen Herbsttag, krachte es an der Kreuzung Dresdner Straße/Oberpesterwitzer Straße derart, dass ein Pkw auf der Terrasse des Eiscafés Fischer landete. Er kam zwischen Tischen, Stühlen und Blumenkübeln zum Stehen.

Den Beteiligten war allerdings gar nicht zum Lachen zumute. Es gab zwei Schwerverletzte, die ins Krankenhaus kamen, zwei Leichtverletzte sowie große Sachschäden an Fahrzeugen und dem Mobiliar auf der Terrasse. Zum Glück war nicht noch mehr passiert - das Eiscafé hatte wegen der Corona-Schutzmaßnahmen geschlossen.

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So war das Geschehen nur wenige Tage Stadtgespräch. Doch der Crash landete in der Verkehrsunfallstatistik 2020 des Polizeireviers Freital-Dippoldiswalde. Die Zahlen liegen nun auf dem Tisch und halten vor allem positive Trends parat.

20 Prozent weniger Zusammenstöße

So sank die Zahl der Verkehrsunfälle im vergangenen Jahr im gesamten Revier zwischen Freital und Dippoldiswalde - siehe Grafik. Wurden 2019 noch 2.782 Vorgänge von der Polizei aufgenommen, waren es im vergangenen Jahr nur noch 2.325 Unfälle. Das ist ein Rückgang von 16,4 Prozent.

In Freital war der Rückgang sogar noch deutlicher. Hier gab es im Jahr 2019 genau 825 Unfälle, die von der Polizei registriert wurden. 2020 waren es noch 654 Unfälle - macht ein Minus von 20,7 Prozent.

"Schwankungen gibt es immer", sagt Rico Sommerschuh. Doch normal sind Verschiebungen um wenige Prozentpunkte. Dass nun solche Sprünge stattfanden, kann nur einen Grund haben.

Der Lockdown wirkte sich positiv aus. Die Freitaler waren in den Wochen von Mitte März bis Ende Mai und dann auch ab November weniger mobil. Die Zahl der Fahrten auf und von Arbeit, zur Schule und in der Freizeit sanken. Es waren weniger Busse, weniger Lkw und auch weniger Fußgänger unterwegs.

Mehr Menschen in der Region verletzt

So kamen im vergangenen Jahr zumindest in Freital weniger Personen zu Schaden. 96 Menschen wurden 2019 bei Verkehrsunfällen leicht oder schwer verletzt. Im vergangenen Jahr waren es 91 Menschen. 80 Prozent davon wurden Leicht verletzt, 19 Prozent so schwer, dass sie in ein Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Ein Mann starb bei einem Verkehrsunfall auf der Dresdner Straße nahe der Einmündung Schachtstraße.

Doch diese Zahlen sehen nur auf den ersten Blick gut aus. Fünf Verletzte weniger, aber das bei einem Minus von 171 Unfällen, bedeutet auch, dass die Zahl der Personenschäden pro Unfall angestiegen ist.

Im gesamten Revier, welches sich von Wilsdruff über Freital bis Kreischa und Bannewitz, das Müglitztal und den Tharandter Wald sowie das Osterzgebirge erstreckt, ist die Zahl der Personenschäden insgesamt sogar gestiegen. 2019 kamen 344 Menschen zu Schaden, 2020 waren es 349 Männer, Frauen und Kinder.

Mehr Unfälle unter Alkohol und Drogen

Die Unfallursachen sind vielfältig. Im gesamten Revier stehen Zusammenstöße mit Wild an erster Stelle. In Freital ist das kein Thema. Hier passieren die meisten Crashs beim Wenden und Rückwärtsfahren - insgesamt 19,4 Prozent. Zu geringer Abstand zum Vordermann provoziert 13,5 Prozent aller Unfälle. Vorfahrt missachtet und überhöhte Geschwindigkeit folgen mit 5,8 Prozent beziehungsweise 5,4 Prozent.

Deutlich gestiegen sind im vergangenen Jahr die Unfälle, bei denen Alkohol oder Drogen eine Rolle spielten. 2019 gab es 15 derartige Unfälle, im vergangenen Jahr waren es 21.

Was auffällt und für die Betroffenen ein großes Problem darstellt, ist das Delikt der Unfallflucht. Bei den 654 Unfällen in Freital kam es in 204 Fällen zu einem unerlaubten Entfernen vom Unfallort. Das passiert also bei fast jedem dritten Unfall. "Ganz typisch ist der Blechschaden oder auch nur der Kratzer bei Ein- und Ausparkmanövern", sagt Rico Sommerschuh. Aufgeklärt werden konnten 87 Fälle, das sind immerhin 42,6 Prozent.

Das heißt aber auch, der Großteil der Unfallfluchtfahrer wurde nicht ermittelt.

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