merken
PLUS Freital

Freitaler soll vor Impfzentrum gepöbelt haben

Der Mann wollte in Pirna erreichen, dass er geimpft wird. Für den Staatsanwalt ist die Sache eindeutig, der Protestler trägt indes zur Aufklärung nichts bei.

Im März taucht die Geschichte vom Protest des Bert B.* vor dem Pirnaer Impfzentrum in der Presse auf.
Im März taucht die Geschichte vom Protest des Bert B.* vor dem Pirnaer Impfzentrum in der Presse auf. © Daniel Schäfer

Ein Mann steht auf dem regennassen Parkplatz, gut sichtbar in seiner neongrünen Jacke. Er hat eine FFP2-Maske im Gesicht und ein Plakat vor der Brust. "Ich bin seit 2016 an Krebs erkrankt!! Ich möchte noch nicht sterben - ich möchte kein Corona -- Ich bitte um die Impfung!!", hat er geschrieben.

Mehrmals tauchte der Freitaler Bert B.* im März 2021 so vor dem DRK-Impfzentrum in Pirna auf, nachdem sein Impftermin gestrichen worden war. Er wartete den ganzen Tag in der Hoffnung, dass eine Dosis übrig bleibt. Der Presse erzählte er anschließend, er sei am Abend vom Sicherheitsdienst getreten worden, damit er verschwinde.

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

War es so? Oder ganz anders - nämlich dass der Freitaler bei seinen Protesten ausfällig wurde, die Mitarbeiter des Impfzentrums beleidigte und dann auch noch in der Presse zu übler Nachrede austeilte?

Das wollte das Amtsgericht Pirna am Mittwoch dieser Woche klären, nachdem Bert B. von einigen Mitarbeitern des Impfzentrums angezeigt wurde.

Freitaler hat Angst vor Corona-Infektion

Der damals 62-Jährige erzählte an jenen Märztagen den Journalisten eine traurige Geschichte. Seit 2016 leide er an Krebs und müsse 16 verschiedene Tabletten täglich einnehmen. Er habe schreckliche Angst, sich auch noch mit Corona zu infizieren.

Deshalb gehe er seit Ausbruch der Pandemie kaum aus dem Haus, verkrieche sich in den eigenen vier Wänden. Dabei wolle er so gern wieder einmal seine Freundin im Vogtland sowie Freunde und Verwandte in Thüringen besuchen.

Um so glücklicher muss der Mann gewesen sein, als er für Mitte März einen Impftermin buchen konnte. Doch ausgerechnet zu dem Zeitpunkt wurden in Deutschland die Impfungen mit dem Mittel von AstraZeneca gestoppt und B.s Termin storniert. Man kann sich vorstellen, dass bei dem Mann die Nerven blank lagen. Was passierte dann?

Strafbefehl wegen Beleidigung nicht akzeptiert

Seitens der Staatsanwaltschaft ist die Sache klar. Deshalb bekam B. Post vom Amtsgericht Pirna mit der Aufforderung, wegen Beleidigung und übler Nachrede eine Strafe zu zahlen. Das Maß wurde für den Hartz-IV-Empfänger auf 50 Tagessätze á 15 Euro festgelegt, also 750 Euro insgesamt.

Bert B. wollte das nicht akzeptieren, worauf eine Gerichtsverhandlung angesetzt wurde. Doch als der Termin näher rückte, bekam das Amtsgericht Pirna Post von dem Freitaler. Mehrmals und in teils unsachlicher Wortwahl, wie Richterin Simona Wiedmer am Rande der Gerichtsverhandlung erwähnte.

B. erklärte sich selbst als nicht verhandlungsfähig und forderte einen Pflichtverteidiger. Am 8. Oktober meldete er sich telefonisch und erklärte, er habe von einem Staatsanwalt erfahren, das Verfahren sei eingestellt. Das Amtsgericht Pirna kann zu dem angeblichen Vorgang nichts finden. Auf Telefonanrufe seitens der Richterin reagiert B. nicht. Als sie ihn einmal doch erreichte, habe er wortlos aufgelegt, berichtet Wiedmer.

Richterin: Angeklagter ist verhandlungsfähig

In Abwesenheit fällt dennoch eine Entscheidung. Das Gericht hält den Angeklagten durchaus für verhandlungsfähig. "Er hat sich vor das Impfzentrum gestellt, er hat mit der Presse geredet. Damit hat der Angeklagte gezeigt, dass er in der Lage ist, für seine Interessen einzutreten", argumentiert Richterin Wiedmer. Einem Prozess könne er somit ohne Weiteres folgen.

Sie lehnt auch ab, B. einen Pflichtverteidiger zu stellen und folgt damit der Ausführung des Staatsanwalts, dass die Rechtslage nicht kompliziert sei. Wiedmer: "Es geht um Beleidigung und üble Nachrede. Das ist auch für einen juristischen Laien nachvollziehbar."

Bert B. kann gegen den Rechtsspruch Berufung einlegen. Nicht vorbei kommt er an seiner Strafe von 750 Euro. Die muss der Angeklagte auf jeden Fall zahlen. Notfalls werde das erzwungen, so der Staatsanwalt.

(*) Name geändert.

Mehr zum Thema Freital