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Rabenauer Straße soll sicherer werden

Vor allem ältere Freitaler kommen bei starkem Verkehr schlecht über die Fahrbahn. Ein Anwohner hat eine Idee, doch im Rathaus ist man reserviert.

Hans-Gunther Müller hat einen Vorschlag, wie Fußgänger sicherer über die Rabenauer Straße kommen könnten.
Hans-Gunther Müller hat einen Vorschlag, wie Fußgänger sicherer über die Rabenauer Straße kommen könnten. © Karl-Ludwig Oberthür

Es ist ein normaler Wochentag, kurz nach neun. Hans-Gunther Müller steht an der Ecke Rabenauer Straße/Tulpenstraße. Von oben ist frei, doch immer wieder kommen aus Richtung Stadt Autos um die Kurve. Meistens mit viel Schwung, denn die Fahrer geben auf dem steilen Berg ordentlich Gas. Und genau das ist das Problem - für alle Verkehrsteilnehmer.

"Die Fußgänger sehen die von unten kommenden Fahrzeuge zu spät und die Autofahrer sehen die Fußgänger zu spät. Diese Ecke ist sehr gefährlich", sagt Hans-Gunther Müller.

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Deshalb fordert er nun mehr Sicherheit. Müller, der für die Bürger für Freital als sachkundiger Einwohner im Technischen Ausschuss der Stadt Freital sitzt, schlug in dem Gremium kürzlich vor, doch wenigstens provisorisch eine sichere Querung einzurichten.

Absage aus dem Rathaus

Nun hat er ein Antwortschreiben aus dem Rathaus bekommen. "Ein Fußgängerüberweg kommt nicht infrage, da notwendige Sichtbeziehungen nicht vorhanden sind", heißt es darin. Für eine Mittelinsel wiederum sei die Fahrbahnbreite mit ihren derzeit 7 bis 7,50 Metern zu schmal.

Eine dritte Möglichkeit wäre eine mobile Einengung mittels Warnbaken, wie sie einige Monate im vergangenen Jahr in Zauckerode vor dem Zugang zum Mehrgenerationenpark aufgebaut war. Doch das würde bedeuten, "dass die Fahrbahn auf eine Spur verengt werden würde und eine Wartepflicht einzurichten wäre", schreibt das Rathaus weiter.

Die Stadt schlägt deshalb vor, für eine sichere Querung den Fußgängerüberweg vor dem Kindergarten Rabenauer Straße oder die Ampel an der Ecke Hainsberger Straße zu nutzen.

Passanten sollen weite Umwege gehen

Darüber kann Hans Gunther Müller nur den Kopf schütteln. Die Fußgängerampel liegt ein Stück bergab, der Zebrastreifen steil bergauf. Wer aber zu Fuß in Richtung Weißeritzpark, Rabenauer Grund, Kleinbahn, Schule oder Bushaltestelle möchte, nimmt den kürzesten Weg.

Und der führt an der Tulpenstraße über die Rabenauer Straße hinein in die Straße Auf der Scheibe und dort einen kleinen Weg bergab. "Da verhalten sich die älteren Anwohner genauso wie die Schulkinder, und das ist auch verständlich." Müller ärgert, dass Verkehrsplaner immer das Wohl der Autofahrer im Blick haben, für Fußgänger aber umständliche Umwege vorschlagen.

Immer wieder werde er von Anwohnern angesprochen, ob man deshalb nicht auf der Rabenauer Straße einen dritten Überweg schaffen könne.

Ampel geplant, wenn saniert wird

Der ist tatsächlich vorgesehen, und zwar genau an besagter Stelle. Dort soll eine Fußgängerampel hin. Jedoch nicht sofort. Die Stadt plant vielmehr, die Rabenauer Straße grundhaft auszubauen. Sie soll auf knapp 800 Meter Länge zwischen der Kreuzung Hainsberger Straße und dem Ortsausgang saniert und dabei verbreitert werden. Auch bergauf kommt ein Fußweg hin sowie eine neue Beleuchtung.

Der Zebrastreifen auf der Rabenauer Straße liegt weit oberhalb der Tulpenstraße - für Fußgänger ein großer Umweg, zumal auf der linken Straßenseite in Richtung Stadt der Gehweg fehlt.
Der Zebrastreifen auf der Rabenauer Straße liegt weit oberhalb der Tulpenstraße - für Fußgänger ein großer Umweg, zumal auf der linken Straßenseite in Richtung Stadt der Gehweg fehlt. © Karl-Ludwig Oberthür

Es gibt nur ein Problem: das Geld. Die Kosten für den Straßenbau liegen bei 2,4 Millionen Euro. Soviel hat die Stadt nicht und beantragte deshalb Fördermittel beim Land in Höhe von 1,4 Millionen Euro. Das war 2018. Doch Unterstützung kam bisher nicht in Freital an.

So wurde die Straße 2018 nicht gebaut, 2019 nicht und auch 2020 nicht. Hans-Gunther Müller befürchtet, dass es auch dieses Jahr keinen Baustart gibt, obwohl das Vorhaben abermals im Haushaltsplan der Stadt aufgelistet und somit beschlossen ist.

Deshalb plädiert Müller für ein Provisorium. Optimal aus seiner Sicht wäre eine vorläufige Fußgängerampel, wie sie an Baustellen eingesetzt wird. "Sie könnte in den Stoßzeiten an Wochentagen in Betrieb sein", sagt er.

Kostengünstige Lösung möglich

Doch die Stadt erteilte dem Vorschlag eine Absage. "Eine vorgezogene provisorische Lösung für eine Querungshilfe an der Kreuzung Rabenauer Straße/Tulpenstraße ist im Vorgriff des grundhaften Ausbaus der Rabenauer Straße nicht möglich", schreibt die Verwaltung. Müller ärgert das. "Ich will nicht wissen, was nicht geht. Ich möchte wissen, was geht", kommentiert er den Antwortbrief.

Deshalb hat er nun einen neuen Vorschlag - schnell und kostengünstig umsetzbar. Man könnte doch ab der Kreuzung Hainsberger Straße bergauf die Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer begrenzen - wie es an der Stelle übrigens schon einmal der Fall war, bevor das 30-km/h-Schild demontiert wurde. Die Fußgänger kämen dabei sicherer über die Straße, die Autofahrer hätten mehr Zeit, zu reagieren.

Und es gibt noch eine dritte Partei, die von einem Tempo 30 profitieren würde. Alle Autofahrer, die aus der Tulpenstraße kommend auf die Rabenauer bergauf abbiegen wollen. Denn die haben eigentlich dasselbe Problem wie die Passanten: Sie sehen die von unten kommenden Fahrzeuge kaum. Einen Verkehrsspiegel gibt es an der Stelle nicht. Öfters kommt es beim Herausfahren dann zu brenzligen Situationen, hat Hans-Gunther Müller beobachtet. "Wenn hier alle 30 km/h fahren würden, wäre auch dieses Problem gelöst."

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