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Toaster, PC oder Stehlampe kaputt? Statt sie wegzuschmeißen, versucht das Repair-Café Freital, die Geräte wieder in Ordnung zu bringen. Ein Selbstversuch.

Der Toaster ist ein unverzichtbares Haushaltsgerät, findet SZ-Reporterin Luisa Zenker. Deshalb möchte sie ihn reparieren.
Der Toaster ist ein unverzichtbares Haushaltsgerät, findet SZ-Reporterin Luisa Zenker. Deshalb möchte sie ihn reparieren. © Egbert Kamprath

Das Repair-Café im Umweltzentrum Freital steht voller Werkzeugkisten. Stromkabel laufen von rechts nach links, es herrscht geschäftiges Treiben. Die Teilnehmer schleppen die verschiedensten Geräte an. Corinna Schönherr zum Beispiel möchte sich nicht von ihrer Stehlampe trennen. Daneben schaut Jens Kums in das tiefe Kabeldickicht seines PCs. Und mittendrin stehe ich mit meinem kaputten Toaster. 

Bescheiden liegt er auf dem Tisch. Weiß-grau. Ein Alltagsstück. Früher mal Brotröster genannt, gehört er längst zur Standardausrüstung einer jeden Küche. Dieser hier ist bestimmt schon uralt, aber intakt - oder besser gesagt: teilweise. Denn seit einiger Zeit macht die Brötchenhalterung nicht mehr mit. Sie lässt sich nicht aufrichten, und bei der kleinsten Belastung verstellt sich die ganze Konstruktion. Eine unverzichtbare Funktion, welche die alte Semmel von gestern noch mal auffrischt, ist kaputt. 

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Erik Schanze vom Repair-Café beugt sich über den kaputten Toaster - ist das Gerät noch zu retten?
Erik Schanze vom Repair-Café beugt sich über den kaputten Toaster - ist das Gerät noch zu retten? © Egbert Kamprath

So etwas Simples muss doch zu reparieren gehen. Wenigstens versuchen will ich es. Das monatlich stattfindende Repair-Café im Umweltzentrum Freital scheint dafür der passende Ort zu sein. Die ehrenamtlichen Organisatoren helfen in der Werkstatt bei der Erneuerung von technischen Geräten - dazu gibt es Kaffee und Kuchen. Normalerweise. Momentan ist es leider mehr "Repair" als Café, weil aufgrund der Corona-Situation keine Lebensmittel angeboten werden. 

Reparieren statt Wegwerfen - über 300 Geräte gerettet

Bei der Ankunft begrüßt mich Erik Schanze. Er ist gelernter Techniker sowie Informatiker und arbeitet ehrenamtlich im Repair-Café. "Wir sind keine Reparateure, sondern Helfer zur Selbsthilfe. Und du bist kein Kunde, sondern Gast oder Besucher", erklärt er mir das Prinzip. Ein Repair-Café ist also keine Service-Werkstatt, wo man seine Geräte hinbringen kann und sich andere drum kümmern. Es ist vielmehr ein Ort, selbst tätig zu werden und Geräte vor der Mülltonne zu bewahren. 

Erik Schanze setzt sich an den nächsten freien Tisch und notiert sich mein Gerät. Hier wird jeder Apparat erfasst. "So können wir am Ende genau sagen, wie viele wir gerettet haben." Im Jahr 2019 waren das beispielsweise 325 Gegenstände. Die Zahl bezieht sich allerdings nicht nur auf Freital, sondern da ist ganz Dresden mitgerechnet. Denn das Repair-Café von Freital ist an die Initiative in der Landeshauptstadt angeschlossen. 

Vor acht Jahren hatten Studenten die Idee für ein solches Repair-Café und eröffneten in Dresden-Löbtau. Fünf an der Zahl gibt es nun in ganz Dresden. Und die Freitaler können schon seit 2015 einmal im Monat das Repair-Café im Umweltzentrum besuchen.

Alltagsgeräte, die faszinieren

Doch zurück zu meinem Toaster. Erik zeigt mir, wie ich den Toaster selbst aufschraube. Heraus kommen eine ganze Menge Brotkrümel. Das also versteckt sich hinter der Plastikfassade. "Willst du Brot backen?", ruft Michael Eichner augenzwinkernd aus der Ferne beim Anblick der vielen Brösel. Der Rentner hilft seit mehreren Jahren ehrenamtlich im Repair-Cafés und ist eigentlich immer dort anzutreffen. 

Der gelernte Elektriker Michael Eichner vom Repair-Café hilft bei der Säuberung eines Computers.
Der gelernte Elektriker Michael Eichner vom Repair-Café hilft bei der Säuberung eines Computers. © Egbert Kamprath

Derweil schaut sich Erik Schanze die Vorrichtung von innen an und erklärt mir das Prinzip. Der Drehknopf, der die Brötchenhalterung in die richtige Stellung bringt, ist möglicherweise ein paar Mal zu heiß geworden, weshalb er sich verbogen hat. Seitdem greift er nicht mehr richtig. 

Erik teilt mir nach detaillierter Betrachtung mit, dass der Knopf leider nicht zu reparieren geht. Im Internet gebe es aber ein Ersatzteil. Wie viel das kostet? Bitte nicht vom Hocker fallen: Ungefähr 26 Euro - wohlgemerkt für einen kleinen Knopf. Dafür könnte ich mir glatt einen richtigen Marken-Toaster kaufen. 

Michael Eichner am anderen Ende vom Raum lacht lauf auf. Ja, das sei das Dilemma heutzutage. Meist ist der Kauf eines neuen Geräts billiger, als die Reparatur. Laut den Vereinten Nationen (UN) wurden im Jahr 2014 deutschlandweit 1,8 Millionen Tonnen Elektroschrott weggeschmissen – die Tendenz bleibt steigend. Ressourcen, die durch eine Reparatur möglicherweise weiter hätten genutzt werden können.

Besonders ältere Menschen hängen an den Gegenständen

Michael Eichner schüttelt dazu nur den Kopf. "Bei mir fliegt nichts weg." Doch solche wie Michael gibt es nur noch selten. Erik Schanze meint, es seien besonders die älteren Menschen, die sich noch um die Reparatur der Gegenstände kümmern, denn diese Genration habe meist noch einen Bezug zu den Dingen. Sie möchten das Gewohnte nicht einfach durch etwas Neues ersetzen.

So wollte beispielsweise Corinna Schönherr am Nebentisch ihre Stehlampe behalten, obwohl diese nicht mehr richtig funktionierte. "Die macht so ein schönes Licht und ich hab einfach keine bessere gefunden." Also ist sie vor zwei Monaten ins Repair-Café gegangen. Gemeinsam mit Reparaturhelfer Georg Trogisch hat sie sich auf die Spurensuche begeben: Der Schaltkreis, der die Leuchtstofflampe dimmt, war kaputt. Für 12 Euro konnte Corinna Schönherr ein Ersatzteil erwerben und einbauen. Nun funktioniert die Lampe wieder einwandfrei. Fazit: Gerät gerettet. 

Corinna Schönherr repariert zusammen mit Georg Trogisch ihre Lampe. Am Ende ist das Gerät wieder funktionstüchtig.
Corinna Schönherr repariert zusammen mit Georg Trogisch ihre Lampe. Am Ende ist das Gerät wieder funktionstüchtig. © Egbert Kamprath

Dass die Leute aber nicht nur die Ganzmacherwerkstatt besuchen, wenn die Technik bereits kaputt ist, zeigt sich am Beispiel von Jens Kums. Er ist ins Repair-Café gegangen, um seinen PC zu reinigen. Gemeinsam mit Michael Eichner entstaubte er Grafikkarte, Prozessor und Lüfter. Alle drei bis vier Jahre, erklärt Jens Kums, sei das nötig. Sonst könne es zur Überhitzung und somit zu langfristigen Schäden kommen.

Gebraucht ist besser als neu

Für meinen Toaster gibt es noch die Idee, eine Brötchenhalterung selbst zu konstruieren. Das klingt aber ziemlich aufwendig. Derweil hat mir eine Kollegin erzählt, dass sie noch einen Toaster übrig hat und ihn mir schenken würde. So brauche ich doch kein allzu schlechtes Gewissen zu haben, denn gebraucht ist immer noch besser als neu - besonders was die Umweltbilanz angeht. 

Das nächste Repair-Café findet am Samstag, den 17. Oktober, auf dem Naturmarkt in Tharandt (Parkplatz Pienner Straße 1) statt. Die Freitaler Selbsthilfewerkstatt im Umweltzentrum (August-Bebel-Str. 3) hat jeden zweiten Donnerstag im Monat von 17 bis 20 Uhr geöffnet. Auf Grund der Corona-Bestimmungen wird um eine Anmeldung per E-Mail ([email protected]) oder Telefon (015110057433 täglich von 10 bis 20 Uhr) gebeten. Auf der Webseite gibt es alle weiteren Informationen.

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