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Bannewitz: Neustart im Schloss Nöthnitz

In historischen Mauern können Besucher wieder Kultur erleben – und Neues entdecken. Der Eigentümer will einen Teil der Immobilie verkaufen.

Irmela Werner und Fritz Kuhlmann vom Schloss-Verein sitzen im Ballsaal des Schlosses Nöthnitz. Hier finden bald wieder Veranstaltungen statt.
Irmela Werner und Fritz Kuhlmann vom Schloss-Verein sitzen im Ballsaal des Schlosses Nöthnitz. Hier finden bald wieder Veranstaltungen statt. © Daniel Schäfer

Die Monate, in denen Corona viele Veranstaltungen ausfallen ließ, sind auch im Schloss Nöthnitz vorbei. Vorsichtig optimistisch gehen Eigentümer Jan Horsky und der 2019 gegründete Verein zur Förderung der Kultur „Freunde Schloss Nöthnitz“ an die nächsten Vorhaben.

Für die erste Kulturveranstaltung am Sonntag, dem 4. Juli, haben Vereinsvorsitzende Irmela Werner und ihre Mitstreiter nicht nur einen Chocolatier gewonnen, sondern auch das Schokoladenmädchen engagiert. „Wir freuen uns, endlich wieder Besucher begrüßen zu können“, sagt Werner. Es sei ein Anfang, auch wenn wegen der Hygieneauflagen nur etwa 40 der 80 Plätze im Festsaal besetzt werden können. Finanzielle Unterstützung für die insgesamt vier Konzerte in diesem Jahr kommt vom Kulturraum Meißen-Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

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Vorbild für andere Büchersammlungen

Zum Auftakt wird es am 4. Juli ab 10 Uhr einen Parkgottesdienst und die Möglichkeit zur Besichtigung der neun derzeit im Schloss zugänglichen Räume geben. Der 25-jährige Schlossherr lädt zur Führung ein. Horsky, der in Dresden das Gymnasium besuchte, kommt ins Schwärmen: „Wer weiß schon, dass hier der damalige Eigentümer Graf von Bünau ab 1740 mit 42.000 Bänden eine der größten Privatbibliotheken in der Zeit der Aufklärung unterbrachte. Die bildete später den Grundstock für die Landesbibliothek Sachsen. Dessen Katalogisierung war Vorbild für andere Büchersammlungen bis weit in das 20. Jahrhundert.“ Und, dass dem Bibliothekar Johann Michael Francke einige Jahre der spätere Begründer der wissenschaftlichen Archäologie, Johann Joachim Winckelmann, assistierte.

„Nöthnitz ist Teil meines Herzens“, versichert der Prager Unternehmer. Gerade mal 16 war Horsky, als sein Vater starb und er 2012 die Geschicke des Anwesens, bis heute unterstützt von seiner Mutter, in die Hand nahm. Im September soll das Eingangsportal zum Treppenturm restauriert und die Holzeingangstür überarbeitet werden. „Die Arbeiten am Portal werden mit knapp 2.900 Euro bezuschusst. Dazu kommen 18.000 Euro Eigenmittel. Gelder fließen zudem in die Sanierung der Bogenfenster im Innenhof sowie die Beseitigung der Wasserschäden im Foyer und im Moreau-Zimmer“, zählt Horsky auf. Mehr als 50.000 Euro will er dieses Jahr investieren.

Das restaurierte Turmuhrwerk von 1874 wird im inneren Bereich des Schlosses ausgestellt.
Das restaurierte Turmuhrwerk von 1874 wird im inneren Bereich des Schlosses ausgestellt. © Daniel Schäfer

Nur Schritt für Schritt sei der Erhalt möglich. Umso dankbarer ist Horsky Vereinsmitgliedern und Spendern. So war auch die knapp 1.700 Euro teure Restaurierung des mechanischen Uhrwerks aus dem Schloss möglich. Turmuhrbauer Christoph Hiemer aus Dresden hat dieses Kleinod von 1874 im vergangenen Jahr in knapp 50 Arbeitsstunden instandgesetzt.

„Bis auf die Gewichte waren alle Teile noch vorhanden und konnten aufgearbeitet werden“, sagt der Handwerker, der dem Uhrwerk, das einst im Schlossturm schlug, nach Reinigung und Reparatur den ursprünglichen grünen Farbanstrich verlieh. Jetzt kann es während der Führungen besichtigt und vorgeführt werden, vorausgesetzt das Uhrwerk wird einmal in der Woche aufgezogen.

Noch steht es in einer dunklen Ecke. Bald könnte es zwischen Bibliothek, Festsaal und Moreau-Zimmer einen würdigen Platz erhalten und die Ausstellung zur Geschichte bereichern. Dazu gehört auch die des Generals Jean-Victor Moreau, der, verwundet in der Schlacht bei Dresden, 1813 im Schloss Nöthnitz in jenem Zimmer operiert wurde, das seinen Namen trägt.

Weil seine finanziellen Möglichkeiten begrenzt sind, will Horsky die Nebengelasse auf der rechten Seite, die zu seinem Besitz gehören, verkaufen. Pläne dafür will er Ende dieses Jahres vorstellen.

Warten muss auch die Wiederbelebung des seit einigen Jahren gesperrten vier Hektar großen Schlossparks. „Nur einen Baum zu sichern und zu pflegen, kostet mit Gutachten einige Tausend Euro“, so Horsky. Hunderte Bäume stehen im Park, dazu die Reste der einsturzgefährdeten einstigen Orangerie, die einem anderen Eigentümer gehört. Auch das erschwere Überlegungen für neue Konzepte.

Der Eigentümer will einige Nebengelasse von Schloss Nöthnitz verkaufen.
Der Eigentümer will einige Nebengelasse von Schloss Nöthnitz verkaufen. © Daniel Schäfer

Gespräche mit Unterstützern

„Erste Gespräche mit möglichen Unterstützern für die Instandsetzung habe ich geführt“, sagt Horsky. Am 4. Juli würden Freiwillige ihre Ideen vorstellen. Auch die Gemeinde ist bereit, sich zu engagieren. „Dafür müsste es aber zu einem Vertragsabschluss mit dem Eigentümer kommen, der bisher ein solches Papier nicht vorgelegt hat“, sagt Bürgermeister Christoph Fröse (Freie Wähler).

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Irmela Werner wartet auf den Tag, an dem Besucher wieder durch den Park flanieren und dort Konzerte erleben können. Jetzt aber freuen sie und Vorstandsmitglied Fritz Kuhlmann sich auf die kulturelle Belebung nach Corona bedingter Pause. Neben Lesung und Klaviermusik bei „Barock und Schokolade“ wird es am 11., 26. September sowie am 9. Oktober weitere Konzerte geben. Floh- und Weihnachtsmarkt sind geplant. Und die Teilnahme am Tag des offenen Denkmals am 12. September soll nicht wie 2020 nur virtuell sein.

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