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Freital: Ärger über volle Schulbusse

Freitals Kinder müssen sich täglich in die Busse quetschen. Eltern fordern mehr Fahrzeuge, auch wegen der Sicherheit. Doch so einfach ist das alles nicht.

Volle Schulbusse und Gedränge wie hier in Zauckerode gehören zum Alltag pendelnder Schüler.
Volle Schulbusse und Gedränge wie hier in Zauckerode gehören zum Alltag pendelnder Schüler. © Karl-Ludwig Oberthür

Es ist 6.54 Uhr. Pünktlich kommt die Linie E um die Ecke gebrummt. An der Haltestelle gegenüber dem Ambulatorium in Freital-Zauckerode setzen sich die Fahrgäste in Bewegung, alles Schüler ab fünfter Klasse aufwärts. Ein Drängeln und Schieben, langsam rückt die Masse in den Bus hinein. Die Letzten müssen sich durch die Türen quetschen, dann ist Abfahrt.

"Es ist unter aller Sau. In den Schulen müssen sie Masken tragen, Abstand gewährleisten und mehrmals in der Woche zum Corona-Test. Aber mit Bussen, die rammelvoll sind, dürfen sie fahren", schimpft Anett Holzhäuser.

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Ihre Kinder benutzen täglich den Bus, um von Zauckerode zur Oberschule nach Potschappel zu kommen. Morgens wie auch mittags nach Schulschluss seien die Busse überfüllt, berichtet die Mutter weiter.

Probleme auch auf anderen Strecken

Das Thema ist nicht neu. Es fällt nur den Eltern, deren Kinder aufgrund von Schulwechsel zu Pendlern werden, besonders auf. Andere haben sich längst an die Zustände gewöhnt.

Ärger mit vollen Schulbussen gab es in den vergangenen Jahren unter anderem im Raum Wilsdruff. Es betraf beispielsweise die Strecke Wilsdruff - Nossen, bevor in der Stadt an der Wilden Sau das neue Gymnasium eröffnete und sich Schülerströme veränderten. Auch die Buslinie 348 von Freital über Rabenau nach Dippoldiswalde stand immer wieder in der Kritik.

Größtes Problem für viele Schüler, die unterwegs zusteigen: Die Busse kommen schon voll an. Die zugestiegenen Kinder stehen dann in den Gängen, nehmen jede Kurve mit, die Kleinen haben Probleme, sich überhaupt irgendwo festhalten zu können. Hinzu kommt, dass sie mitunter schwer bepackt sind mit Schulrucksack und Sporttaschen.

Null Chance haben junge Eltern, die um die Zeit mit Kinderwagen den Bus nutzen wollen, der ja meist als Linienbus eingesetzt ist.

"Ganz ehrlich: Wenn ein Busfahrer eine Vollbremsung machen muss, fliegen einige vorne durch die Scheibe", kommentiert Anett Holzhäuser. Die Kinder würden jetzt schon fast beim Busfahrer auf dem Schoß sitzen. "Das sind doch keine Zustände!"

Es fehlen Busse und Fahrer

Auftraggeber für den Schulbusverkehr ist der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Die Buslinien betreibt das hiesige Verkehrsunternehmen Regionalverkehr Sächsische Schweiz-Osterzgebirge GmbH (RVSOE). "In den Morgenstunden sind bereits alle verfügbaren Fahrzeuge im Einsatz befindlich. Eine Erweiterung bedarf zusätzlicher Mittel und Fahrzeuge sowie zusätzlichen Personals", sagt Sabine Schuricht, Pressesprecherin des RVSOE.

Speziell in Freital kommen zwölf Meter lange Standardbusse, 15 Meter lange Dreiachsbusse und 18 Meter lange Gelenkbusse zum Einsatz - letzterer Typ zum Beispiel auch auf der Linie E in Freital. Mehr gibt das Depot nicht her.

Und selbst wenn - der RVSOE hat derzeit gar kein Personal, um mehr Busse fahren zu lassen, heißt es aus der Pirnaer Zentrale. Schuricht: "An dieser Stelle verweisen wir darauf, dass wir derzeit offene Stellen als Busfahrer*innen zu besetzen haben."

Bildungsticket macht Busfahren attraktiver

Das System ist also ausgereizt. Das ist insofern eine schlechte Nachricht, weil die kalte, nasse und dunkle Jahreszeit noch gar nicht begonnen hat, in der erfahrungsgemäß auch etliche radelnde Schulkinder in den Bus umsteigen. Und es kommt ein weiterer Aspekt dazu.

Sachsen hat am 1. August das Bildungsticket eingeführt. Für 15 Euro kann ein Schüler einen ganzen Monat im Gebiet des Verkehrsverbundes Oberelbe fahren. Bisher kostete allein eine ermäßigte Monatskarte für eine Zone rund 38 Euro, in Dresden sogar knapp 48 Euro.

Ähnlich attraktiv ist das Bus- und Bahnfahren schon seit zwei Jahren für Auszubildende. Mit dem Azubiticket kostet es 48 Euro, um im gesamten VVO-Verbundraum unterwegs zu sein. Für fünf Euro mehr im Monat kann ein Nachbarverbundraum dazu gebucht werden. Dann geht es für insgesamt 53 Euro sogar bis Chemnitz oder in die Oberlausitz und für 63 Euro monatlich durch ganz Sachsen. Billiger ist nur Radfahren oder Trampen.

Fahrgastzahlen bei Schülern steigen

Das bringt allerdings mit sich, dass nun noch mehr Kinder und Jugendliche in die ohnehin schon vollen Busse, Bahnen oder Züge drängen. Das bestätigt Christian Schlemper, Pressesprecher des VVO, und er kann Zahlen nennen.

"Zuletzt wurden im Verkehrsverbund 49.000 Abo-Monatskarten für Schüler ausgereicht. Das Bildungsticket haben bis zum 1. September mehr als 53.000 Schüler beantragt." Macht unterm Strich zehn Prozent mehr Fahrgäste im Schülerverkehr.

Und die Zahl dürfte noch steigen, so Schlemper weiter, weil derzeit noch etliche Nachzügler ebenfalls ein Bildungsticket abonnieren.

Schlemper: "Der Knackpunkt ist dann tatsächlich, dass man eigentlich mehr Busse und Busfahrer braucht." Das wiederum müssten aber die Landkreise bestellen und auch finanzieren. In dem Punkt erhält das Problem eine verkehrspolitische Dimension.

In den Schulbussen dürfte sich also vorerst gar nichts entspannen, im Gegenteil.

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